Ein Dach, das seine Müllflotte lädt
Abfallwirtschaftshof von Birk Heilmeyer Frenzel in Stuttgart
Im Osten von Stuttgart liegt der Stadtteil Wangen. Er grenzt an ein stattliches Gewerbegebiet, das sich am Fluss um den Neckarhafen gebildet hat. Genau an der Grenze von Wohn- und Gewerbegebiet ist letztes Jahr der neue Abfallwirtschaftshof Wangen in Betrieb genommen worden. Die Entwürfe stammen von Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten (Stuttgart).
Die Architekt*innen gliederten das übersichtliche Grundstück entsprechend in zwei Bereiche: Zur Straße und zum nach Westen beginnenden Wohngebiet versammelt ein dreigeschossiges Betriebsgebäude – eines davon als Untergeschoss – alle beheizten Nutzungen: Im Erdgeschoss liegen Kantine und Küche, im Obergeschoss Büros, Archiv und Kleiderlager. Sämtliche Büro- und Besprechungsräume sind zur Hofseite gerichtet. Im Untergeschoss befinden sich Umkleiden, Waschräume, Lager und Technikflächen. Der Gebäuderiegel dient auch als Sicht- und Schallschutz für die unmittelbaren Anwohner*innen.
Der südliche Grundstücksteil wird gewissermaßen von einem riesigen Carport eingenommen. Das 3.000 Quadratmeter große Fahrzeugdach überspannt die Fahrbahnen, auf denen die Müllabfuhr ihre Dienstfahrzeuge abstellt. Von den 42 Parkplätzen können drei für die Behälterwaschfahrzeuge frostfrei gehalten werden. Ferner befinden sich unter dem Dach auch Werkstätten, Behälterlager und Waschanlagen, die als Brettschichtholz- oder Holzrahmenkonstruktionen ausgeführt wurden. Die gründlich versiegelte Fläche im Nordosten des Grundstücks dient als Rangierfläche und Freiluftlager.
Das Betriebsgebäude ist ein Stahlbetonskelettbau mit massiven Erschließungskernen und Außenwänden aus hochgedämmten Holztafel-Elementen. Die weitgehend vorgefertigten Bauteile ermöglichten einen raschen und wirtschaftlichen Aufbau. Die Fassaden sind mit vertikalen, lasierten Fichtenholzbrettern auf einer hinterlüfteten Unterkonstruktion bekleidet.
Das große Fahrzeugdach ist eine Hybridkonstruktion aus Stahlbeton-Kragstützen und einem Rost aus Brettschichtholzbindern, die stützenfrei bis zu zwölf Meter weit spannen. Das Dach ist extensiv begrünt und mit PV-Elementen versehen, die Anlage kann jährlich rund 292.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Ebenfalls im Dach untergebracht ist die Ladeinfrastruktur für die elektrischen Müllfahrzeuge. Die wiederum mit vorvergrauten Fichtenbrettern verschalten Außenflächen machen deutlich, dass das Betriebsgebäude und die große, offene Fahrzeughalle einen klaren gemeinsamen Rahmen für den Wirtschaftshof formen. (fh)
- Architektur:
- Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten
- Team Architektur:
- Jochen Günzler (Projektleitung), Daniel Eichele (Bauleitung), Eider Yarritu Inoriza, Chiara Iaia, Mykola Holoviznin, Hanna Münzenmaier
- Tragwerk:
- BKSi GmbH, Stuttgart
- Freianlagen und Verkehrsplanung:
- Ing.-Büro Fritz Spieth
- HLS:
- IB Henne + Walter
- ELT:
- Ingenieurbüro Werner Schwarz
- Bauphysik:
- Brüssau Bauphysik
- Bauherrschaft:
- Landeshauptstadt Stuttgart, Abfallwirtschaft (AWS), vertreten durch das Hochbauamt
- Fläche:
- 3.350 m² BGF



