Stolz aufs Rathaus
Alt-Neu-Kontrast bei Montreal
Ein Lehrbuchbeispiel für eine kontrastierende Strategie im Umgang mit dem Bestand: Das Rathaus der bäuerlichen Dorfgemeinschaft von Saint-Roch-de-l'Achigan, 80 Kilometer nördlich von Montreal, steht mit seinem sauber verfugten Bruchsteinmauerwerk, seinem kupfergedeckten Mansarddach und seinen Neorenaissance-Verzierungen für die Bauzeit um 1880. Doch was ist hier passiert? Direkt an den Altbau schließt ein schlichter, dreigeschossiger Kubus mit einer aufgerissenen, verglasten Ecke an. Einzig die Kupferblech-Verkleidung des Anbaus stellt einen Bezug zum Bestandsbau her. Umbau und Erweiterung des Rathauses im Dorfzentrum stammen von dem Montrealer Büro Affleck de la Riva Architects.
Der Umbau des einstigen Konventsgebäudes zum Rathaus und zur Ortsverwaltung hat den markanten Bau auch inhaltlich wieder zum Mittelpunkt des Dorfes und zur „Quelle des Stolzes seiner Bewohner“ gemacht (Architekten). Die Verlegung des Eingangs an die Seitenfront folgte dem Ziel, das Parken der Autos auf die Rückseite des Baudenkmals zu verlagern und die Vorderfront für einen gestalteten Garten frei zu halten. Der neue Anbau nimmt dabei Eingangshalle, Aufzug und ein verglastes Treppenhaus auf.
Die Architekten fassen den Neubau als „Folie“ gegenüber dem Bestand auf und gestalten ihn als Abfolge ineinander geschachtelter Kuben, die als asymmetrischer Turm auf den bestehenden zentralen Glockenturm reagiert. Gestaltet ist er als eine Kombination aus traditionellen Materialien wie Kupfer und Schiefer mit zeitgenössischen Werkstoffen wie Spiegelglas, Aluminium und Stahlblech.
Im Inneren des ehemaligen Klosters ist die alte Raumaufteilung mit zentraler Treppenhalle und zweigeschossiger Kapelle beibehalten worden. Stuckgewölbe, verzierte Säulen und Bleiverglasungen in der Kapelle wurden restauriert und der Raum als Ratssaal umgenutzt. (-tze)
Fotos: Marc Cramer