Das Gleiche in Grün
Dante II in München von Florian Nagler Architekten
Mit Mies van der Rohe dekretierte sogar einer der Großmeister der Moderne, dass man sich nicht jeden Montagmorgen eine neue Architektur auszudenken brauche. Von der nämlichen Überzeugung kündet das Projekt Dante II, das bereits im vergangenen Jahr nach Plänen von Florian Nagler Architekten fertiggestellt wurde. Dabei erscheint die Auffassung, wonach man „nicht bei jedem Bauvorhaben alles neu erfinden“ müsse, gerade angesichts der drängenden Wohnungsfrage verständlich – und die verlangt nicht zuletzt in München nach zügigen Antworten. Nur folgerichtig also, dass sich die Architekt*innen in ihrem Entwurf zahlreicher Lösungen bedienen, die sich bereits am Vorgängerbau bewähren konnten.
Der östlich des Dante-Freibads gelegene Parkplatz war 2016 mit einem viergeschossigen Wohnriegel überbaut worden. Da der Baukörper mit der blauen Holzfassade auf pilotis ruht, konnten fast alle Stellflächen erhalten bleiben, ohne dass zusätzliche Areale versiegelt werden mussten. Entsprechend ruht auch der Neubau, der sich über einem noch größeren Parkplatz auf der Westseite des Bads erhebt, auf Stahlbetonstützen samt Unterzügen. Hingegen sind die Wohnungen, die oberhalb der Parkebene entstanden, als Holzrahmenkonstruktion ausgeführt. Durch den abermaligen Einsatz weitgehend vorgefertigter Wand-, Boden- und Deckenelemente sowie die Montage vorinstallierter Bäder konnten nicht nur die Kosten gesenkt werden. Auch die Bauzeit ließ sich auf diese Weise auf anderthalb Jahre begrenzen.
Dem Zuschnitt des Grundstücks ist allerdings geschuldet, dass sich die 144 Einheiten des nun grün gehaltenen Wohnbaus nicht wie im Vorgängerbau linear aneinanderreihen, sondern einen trapezoiden Hof umschließen. Die Stellflächen laufen unter dem Gebäude hindurch, sodass auch dieser Hof vorangig als Parkplatz dient. Ungleich vielfältiger als beim gegenüberliegenden Erstling nimmt sich zudem das Wohnraumangebot des Neubaus aus, der wiederum für die kommunale GEWOFAG entstanden ist. Galt es bei der Planung des Vorgängers vor allem, Unterkünfte für Geflüchtete und Wohnungslose zu schaffen, wird durch eine typologische Vielfalt, die von Einraumappartments bis zu Einheiten reicht, die nicht weniger als fünf Zimmer aufweisen, ganz gezielt eine heterogene Bewohnerschaft adressiert. Auch der Rückgriff auf erprobte Lösungen schließt also Veränderungen nicht aus. (ree)
Fotos: Stefan Müller-Naumann
Baunetzwoche #584 Low Tech diskutierte Florian Naglers Arbeit als wegweisendes Beispiel des einfachen Bauens und stellte sie neben Projekte von Baumschlager Eberle, ZRS und Roger Boltshauser.
Mit anderen Worten: es besteht Hoffnung.
Alle Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit dieser Welt ...
Unserer Verantwortung ob liegt unmissverständlich die verantwortungsvolle Aufgabe der Gestaltung der "Schnittstelle Erdgeschoss", den Zusammenhang zwischen privatem, gemeinschaftlichem und öffentlichem Raum. Ferner obliegt unserer Verantwortung die Planung diverser und flexibler Wohnräume für die Individuen unserer pluralistischen Gesellschaft. Das vorliegende Gebäude ist ein städtischer, versiegelter Block, der weder über Grünräume verfügt, noch gemeinschaftliche Zonen ausbildet, in denen gesellschaftliche Fragestellungen verhandelt werden können. Es ist fast ein Jahrhundert nach der Idee der autogerechten Stadt eine Bankrotterklärung an die demokratische urbane Grundstruktur, die die europäische Stadt über Jahrhunderte zu Orten werden hat lassen, die geliebt, besichtigt und belebt werden. Dieser Entwurfsansatz, der eine technische Lösung für ein soziales Problem anbietet, liefert ein gebautes Manifest einer menschenfeindlichen und im wahrsten Sinne des Wortes nicht nachhaltige Stadt. Der Entwurfsautor selbst nutzt täglich ein geländegängiges Fahrzeug der Oberklasse für die Kurzstrecken des Alltags. Wohl aus diesem Grund müssen die Bürgerinnen und Bürger Münchens für die nächsten Jahrzehnte diesen städtischen Block so annehmen, wie er sich heute präsentiert. Als Architektinnen und Architekten Sind wir sehr wohl für die Gestaltung unserer öffentlicher Räume in urbanen Zonen verantwortlich.