Fondation Beyeler wächst
Erweiterung in Riehen bei Basel von Peter Zumthor
Am vergangenen Samstag, 26. September 2026, wurde die Erweiterung der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel eröffnet. Die drei Neubauten stammen von Atelier Peter Zumthor (Haldenstein) und ergänzen den 1997 eröffneten Museumsbau von Renzo Piano. Aus dem gläsernen Solitär entsteht ein Ensemble, das sich über Gebäude, Park und Landschaft verteilt. Für Peter Zumthor, der in Basel geboren wurde, ist es das erste realisierte Gebäude in der Region.
Zurück geht die Erweiterung auf einen Studienauftrag von 2016. Zumthor überzeugte damals mit dem Konzept, die geforderten Nutzungen nicht in einem einzigen Baukörper zusammenzufassen – und so einen mächtigen Gegenpol zu Pianos Museum zu schaffen –, sondern auf drei Gebäude zu verteilen. Gleichzeitig wurde das Museumsgelände nach Süden erweitert und die Parkfläche nahezu verdoppelt. Bei dem hinzugekommenen Teil handelt es sich um einen historischen, bislang privaten Landschaftsgarten, der nun öffentlich zugänglich ist. Für die Landschaftsarchitektur zeichnen Vogt Landschaftsarchitekten (Zürich) verantwortlich.
Die drei Neubauten sitzen an der Schnittstelle zwischen altem und erweitertem Park. Zentrales Ausstellungsgebäude ist das Wyss Museum, das etwa 100 Meter vom Piano-Bau entfernt steht. Auf drei Ebenen und rund 1.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche entwickelt sich sein Y-förmiger Grundriss um bestehende Bäume herum. Große Fenster bringen Seitenlicht in die Ausstellungsräume und eröffnen Sichten in die Landschaft. Laut Zumthor war das leicht, denn: „Es gibt hier keine schlechten Ausblicke“.
Auch materiell setzt Zumthor einen Kontrapunkt zum gläsernen Bestandsbau. In Fassade, Böden, Wände, Treppen, Sitzbänke und Terrassen findet sich nämlich Zumthors Lieblingsstein: Jurakalkstein. Die Fassade etwa besteht aus Stampfbeton mit Jurakalkstein als Zuschlag. Die geschichteten und verdichteten Wände lassen den Herstellungsprozess erkennbar und geben dem Bau eine bewusst rohe, monolithische Erscheinung.
Unterirdisch ist das Wyss Museum mit dem sogenannten Erlen Torhaus verbunden. Das Servicegebäude nimmt Kunstlogistik und Arbeitsplätze auf und markiert den Übergang zum Stadtraum. In seiner Erscheinung orientiert es sich an den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbauten Riehens. Holz und Glas bestimmen den vergleichsweise leichten Baukörper. Zwischen dem Piano-Bau und dem Wyss Museum steht wiederum der Ammann Pavillon. Der flache Bau mit polygonalem Grundriss dient Veranstaltungen wie Konzerten, Vorträgen und Banketten, soll aber ebenso als Aufenthaltsort im Park funktionieren.
Rund 120 Millionen Schweizer Franken investierte die Fondation nach eigenen Angaben aus privaten Mitteln in Landkauf, Bau und den Betrieb der Erweiterung in den ersten Jahren. Größter Geldgeber ist der Unternehmer Hansjörg Wyss, Präsident der Stiftung und Freund des verstorbenen Fondation-Beyeler-Gründers Ernst Beyeler. Nach ihm ist das neue Museum benannt. Vorerst befindet sich das Museum in einer Preview-Phase. Bis Mitte Januar 2027 sind die Besucherzahlen begrenzt und die Fondation nicht an allen Wochentagen geöffnet. Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler, begründet das mit dem Wunsch, die Kunst trotz des erwarteten Interesses angemessen erlebbar zu halten. Ab Januar soll die Fondation wieder täglich geöffnet sein.
Pläne gibt das Atelier keine heraus, dafür werden bald mehr Eindrücke zur Entstehungsgeschichte des Projekts zu sehen sein: Im November 2026 kommt der Dokumentarfilm von Wim Wenders über Peter Zumthor in die Kinos. Wenders hat den Architekten über mehrere Jahre begleitet und war auch während der Bauarbeiten in Riehen vor Ort. (gk)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Atelier Peter Zumthor
- Landschaftsarchitektur:
- Vogt Landschaftsarchitekten
- Baumanagement:
- Rapp Architekten
- Bauingenieur:
- Schnetzer Puskas Ingenieure
- HLKK:
- Waldhauser + Hermann
- Holzbauingenieur:
- Lauber Ingenieure
- Bauherrschaft:
- Beyeler-Stiftung
- Baukosten:
- 126.830.000 € für Landkauf, Bau und Betrieb in den ersten Jahren




