Kinder in Kisten
Grundschule in Portugal
Belichtung ohne Ablenkung, das scheint das strenge Motto der neuen Grundschule im zentralportugiesischen Örtchen Fonte de Angeão zu sein: Wer seine Stunden gerne mit dem Blick aus dem Fenster verbringt, der sieht hier nur Backstein. Der Lissabonner Architekt Miguel Marcelino hat nämlich jedes Klassenzimmer in einem eigenen Baukörper untergebracht und diese mit geringem Abstand aneinandergereiht.
Was atmosphärisch an Patiobauten erinnert, ist aber weniger als Disziplinierungsmaßnahme gedacht, sondern dient vor allem dem natürlichen Sonnenschutz. Die Erschließungsflächen entschädigen außerdem mit großformatigen Ausblicken und direktem Zugang zum Schulhof. Ein breiter, umlaufender Flur umschließt den Kern, der die Sporthalle und die Toiletten enthält. Die Einschnitte zwischen den Klassenzimmern sorgen für abwechslungsreiches Licht.
Etwas direkter ist die räumliche Organisation dagegen im Kindergarten, der in gleicher Formensprache rechter Hand von Foyer und Mensa anschließt. Hier öffnen sich die Gruppenräume über kleine Vorgärten direkt zur Umgebung, so dass die Erzieher jederzeit für Auslauf sorgen können. Weite Dachüberstände schützen derweil vor allzu viel Sonne.
Die Materialität ist in allen Teilen des Gebäudes gleich: Der Backstein der Fassade geht im Inneren in hellen Sichtbeton über, der wiederum mit Türen und Böden aus dunklem Holz kontrastiert. Die meisten Oberflächen sind unbehandelt und die Installationen wurden größtenteils offen verlegt, so dass die Kinder von Anfang an lernen können, was konstruktive Ehrlichkeit bedeutet. (sb)
Fotos: José Campos
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Danke dafür.
Der Grundriss ist nicht uninteressant und erinnert entfernt an Kahn'sche Konzepte. Jedoch bin ich nicht überzeigt dass die Orientierung der Klassenzimmer auf die Rückwand des jeweils nächsten wirklich überzeugend ist. Im Foto wird dieser Teil ja hart angeschnitten um nicht den Ausblick zu thematisieren.
Vom Standpunkt der Ästhetik kann ich den vielen Sichtinstallationen durchaus etwas abgewinnen. Zu fragen bleibt dennoch, wie dauerhaft diese in einem schulischen Kontext sein werden.
Eine stimmige portugiesisch-unkompakte Grundriss-Konfiguration nah am Entwurf und dicht am Rohbau umgesetzt - Werkstatt-Atmosphäre - mir in Ihrer Klarheit sympatischer als die wohlgeordnete Robustheit deutscher Schulen in Warschau und die für angehende Schwätzer konzipierten Chill-Out-Landschaften aus Dänemark. Hoffentlich charakterbildend.