Gefaltet und gestrafft
Hochhaus am Berliner Hauptbahnhof von allmannwappner
Das Umfeld des Berliner Hauptbahnhofs gehört zu jenen Gegenden der Hauptstadt, die noch immer von erstaunlich großen Freiflächen geprägt sind. Typisch Berlin ist auch, dass man nie ganz sicher sein kann, ob es sich hier noch um Restbrachen oder schon Landschaftsgestaltung handelt. Nördlich des Bahnhofs klärt sich allerdings so langsam das Bild. Nicht zuletzt trägt ein im letzten Jahr von allmannwappner (München) fertiggestelltes Hochhaus dazu bei, die Baukanten des noch in Umsetzung befindlichen Europaplatzes zu definieren. Nach einem Wettbewerb im Herbst 2023 wird dieser von Rehwaldt Landschaftsarchitekten gestaltet.
Den 84 Meter hohen Neuzugang gestalten die Architekt*innen als pragmatisch proportioniertes Volumen aus Sockel und Turm. Mit seinen 21 oberirdischen Geschossen steht es im Dialog mit den beiden benachbarten Hochhäusern von Barkow Leibinger (Tour Total) und LOVE architecture (50-Hertz-Zentrale). Und wie die beiden anderen Projekte zeichnet sich auch der Neuzugang primär durch eine elaborierte Fassadengestaltung aus. Statt Beton oder horizontale Metallpaneele kommen dieses Mal jedoch Aluminiumstäbe unter Glas zum Einsatz. Deren variierende Dichte sorgt für stärkere Durchlässigkeit in den unteren Geschossen, während das Gebäuderaster weiter oben mehr Präsenz erhält. Dazu trägt bei, dass sich die zunächst noch gefaltete äußere Glasfassade weiter oben zunehmend glättet. Die Planung der Fassade übernahmen Knippers Helbig (Stuttgart), die Außenraumgestaltung Topotek 1 (Berlin).
Im Inneren gelangen Besucher*innen zunächst in ein mehrgeschossiges Atrium. Das Faltenmotiv der Fassade wird hier auch in der Gestaltung der Wände aufgegriffen. Eine breite Treppe dient der direkten Erschließung der unteren Etagen. Der übrige Sockel verfügt zudem noch über weitere Eingänge. Die Büroflächen im Turm sind in um einen kompakten Kern organisiert. Hauptmieter ist die Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG, die bisher schon in einem Neubau von KSP Engel in der Nachbarschaft residierten.
Das Projekt geht zurück auf einen Wettbewerb im Jahr 2017. Bauherr des rund 32.000 Quadratmeter umfassenden Komplexes ist die CA Immo Deutschland. Diese war einst als Vivico Real Estate aus dem Bundeseisenbahnvermögen hervorgegangen und 2007 von der österreichischen CA Immobilien Anlagen AG übernommen worden. Eine neue Büroimmobilie direkt am Hauptbahnhof passt da natürlich gut ins Portfolio. (sb)
Fotos: Schnepp Renou
Nur mal aus der Hüfte geschossen drei in meinen Augen bemerkenswerte Projekte des Büros: Dornier Museum Herz Jesu Kirche Audi Corporate Architecture
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Das Gebäude steht für ALLE da, und wenn der Mehrheit der Betrachter die Mundwinkel nach unten gehen, dann ist es gescheitert - egal wie ambitioniert die Fassade aus klimatischen Gesichtspunkten auch sein mag oder wie gut die Story bzw. die Herleitung des Entwurfes beim Bauherren noch funktioniert haben mag.
Über den Städtebau kann man streiten, aber über das Objekt nicht! Natürlich muß man es verstehen, es l e s e n können. Über die Klima-Doppelfassade wird gar nicht debattiert ! Sie ist aber das eine große Pfund der Fassade, die anderen beiden Punkte sind die Erzählung von Unten nach Oben und die erwähnte Faltung. Welches Objekt drumherum hat 3 (drei) Gestaltungskräfte ?
Ein wirklich laaangweiliges Hochhaus, von der Fassade über die Kubatur bis zur Einbindung in seine Umgebung. Passt zum Nutzer. Aber hat das die Hauptstadt verdient? PS: Die Fotos 1 und 2: Geht es noch furchtbarer? Wer veröffentlicht sowas freiwillig von seinem Bauwerk?