Kultivierte Kolonnaden
Hotel bei Guangzhou von B.L.U.E. Architecture Studio
Aranya Jiulong Lake ist ein Urlaubs-Resort am Jiuwan-Tan-Stausee in der südchinesischen Provinz Guangdong. Inmitten ausgedehnter Wälder, und nur eine Autostunde von Guangzhou entfernt, setzten die Betreiber Aranya und die Chinese Tourism Group auf das Zusammenspiel von Natur und Kultur: Mit Theatern, Kunstgalerien, Golfplätzen und eleganten Unterkünften adressiert die Anlage die gebildete Mittelschicht Chinas. Für den Pekinger Buchverlag Imaginist, der auch als Lifestyle- und Kulturunternehmen agiert, realisierten B.L.U.E Architecture Studio (Peking) hier ein Hotel, das eine Buchhandlung, ein Café und Light-Dining mit dem Logieren am Flussufer vereint.
Das Gebäude aus rotem Beton fällt auf in seiner Umgebung, die ästhetisch an Europa orientiert scheint. Als Referenz nennen B.L.U.E. die als Qi Lou bezeichneten Wohn- und Geschäftshäuser mit Arkaden in der Lingnan-Region um Guangzhou. Als Zeugnisse des blühenden Handels in der Region mischen sich in ihnen traditionelle chinesische Elemente mit europäischen Einflüssen. Bauliches Resultat dieser stilistischen Schleife ist ein parallel zum Flußufer angeordnetes, längliches Terrassenhaus mit reduzierter Kolonnaden-Architektur über vier Stockwerke. Die Etagen zwei bis vier sind dem Hotelbetrieb gewidmet, während das mit etwas höhere Erdgeschoss die öffentlichen Funktionen aufnimmt.
Mit kantigem Abschluss nach außen betonen die polygonalen Stützen die Konstruktion und lockern zugleich die monolithische Erscheinung des Gebäudes auf. In Erdgeschoss und drittem Stock brechen doppelgeschossige Atrien mit dem strengen Gestaltungsraster. Mit geriffelten Kupferplatten verkleidet, docken an der nicht zurückspringenden Nordostfassade der Erschließungs- und Versorgungskern sowie das Fluchttreppenhaus an. In den oberen Etagen dienen die halboffenen Kolonnaden einerseits als Verteiler, andererseits als Balkone für die 18 durchgesteckten Hotelzimmer und Suiten.
Innen greifen Betonstein, Travertin, Sperrholz und Stein mit Holzmaserung die entsättigte, warme Farbgebung der Fassade auf. Der vielfältige Einsatz von Ornamenten, etwa in Form von gemusterten Holzböden, Terrazzo-Intarsien und Mosaiksteinfliesen, soll erneut die lokale Handwerkskunst Guangzhous und die Ästhetik der Lingnan-Region zeitgenössisch interpretieren. (kms)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- B.LU.E. Architecture Studio mit Shenzhen Huasen Architecture & Engineering Design Consulting
- Team:
- Shuhei Aoyama, Yoko Fujii, Lingzi Liu, Jiahui Wang, Lei Feng, Lu Chen, Yixin Yang, Xinyi Zhang
- Landschaftsgestaltung:
- Z’scape
- Fassadenplanung:
- Shenzhen Tesion Facade consulting
- Fläche:
- 2.315 m² Bruttogrundfläche