Hartes Nest
Kindertageszentrum für München-Riem
Krippe, Kindergarten und Hort für die Messestadt Riem: Im Osten Münchens ist dieses Kindertageszentrum KiTZ von Boesel Benkert Hohberg Architekten fertig gestellt worden. Im 1.900 Quadratmeter großen „Nest in den Bäumen“, wie die Architekten ihr Gebäude betiteln, befinden sich auf zwei Geschossen Räume für die nach Alter aufgeteilten Kindergruppen: „die Kleineren auf Gartenniveau, die Größeren im eigenen Nest auf Höhe der Baumkronen“ – diese Metapher klingt vielversprechend, wurde jedoch recht sparsam ausgeführt.
Das harte Erscheinungsbild des lang gezogenen, flachen Baus weist eine markante Fassade auf, die sich aus hervor- und zurücktretenden Kuben zusammensetzt. Die nach außen weisenden Einheiten sind mit Kanthölzern aus Lärche ummantelt und sollen den Eindruck von „Einfachheit, Wandel und Durchlässigkeit“ vermitteln – wirken aus der Ferne aber wie ein Gitter.
Die Architekten ordnen die Gruppenräume nach Süden zum Garten an, alle Betriebsräume hingegen nach Norden. Der Spielflur ist in der Gebäudemitte angelegt, was auf den Fotos nicht besonders kuschelig aussieht. „Mit einer Abfolge unterschiedlicher Weiten bietet er sowohl Raum für die gemeinsame Mitte als auch Nischen zum Rückzug der Kinder. Öffnungen im Dach dienen hier der Tageslichtversorgung und erzeugen bis ins Erdgeschoss vielfältige Lichtstimmungen.“ Für die kindgerechte Gestaltung sind hier die Erzieher in der Pflicht. (pg)
Fotos: Henning Koepke
Zu bunt oder zu karg: Bei kaum einem Bauvorhaben wird so viel diskutiert wie bei Kindergärten, bei kaum einer Bauaufgabe können Architekten so viel falsch machen. Die Baunetzwoche#331 „Ich bin eine Kita!“ zeigt Beispiele aus Antwerpen, Peking und Zürich
Ich finde durchaus, dass Kindergärten fröhliche Orte, gerne auch vielfältige Orte sein sollen, aber ich finde eigentlich, dass genau das hier gegeben ist:
Eine Fassade hinter der dich Kinder halb verstecken können, halb sichtbar sind, ist das nicht vielmals anregender als ob der Raum jetzt rot oder weiss gestrichen ist?
Ist denn Farbvielfalt wichtiger als ein Reichtum an Lichteindrücken?
Ich finde das ist ein sehr vielfältiges Gebäude, und jetzt ein quaderförmiges Sitzmöbel als "scharfkantige Stolperfalle" neu zu definieren, ändert daran in meinen Augen nichts.
Ansonsten kann ich nur den Kommentar von Michael Haag unterschreiben. Die Flure find ich ziemlich scary und erinnern mich an meine alte Schule, erbaut irgendwann 1800 noch was. Das war die für mich die Versinnbildlichung alter, überholter Erziehungsformen. Sorry, mir geht es so.
Und wenn hier in Punkt 6 von Oli was über Gestaltungsfreiräumen für die Kinder steht, dann kann ich die auf den Fotos nirgendwo entdecken. Entdecken kann ich auch leider kein Element was einfach nur Freude ausstrahlt. Ich finde die sollte man Kindern nicht schon im Kindergarten nehmen.
Und zum Betreff. Ich hatte mal nen Prof, der hat folgendes gesagt. Einige hier denken weniger ist mehr, ich denke mehr ist mehr!
1. "Bei kaum einem Bauvorhaben wird so viel diskutiert wie bei Kindergärten, bei kaum einer Bauaufgabe können Architekten so viel falsch machen." Dies ist kein logischer Zusammenhang. Architekten können bei Kindergärten ebenso viel oder wenig falsch machen wie bei Theatern, Rathäusern etc. Die Menge der späteren Diskussion führt nicht rückwirkend zur Schwierigkeit der Bauaufgabe.
2. "die Größeren im eigenen Nest auf Höhe der Baumkronen". Bitte diese Metapher genau lesen: Nicht das Nest in den Baumkronen sondern auf Höhe der Baumkronen. Und wie man auf Bild 5 bereits erahnen kann, wird es diese Baumkronen auch irgendwann mal geben.
3. "Das harte Erscheinungsbild...". Natürlich ist das eine subjektive Einschätzung, aber ist "hart" nicht etwas übertrieben für einen rechteckigen Rahmen der allerlei Fassadenmaterialien, -abmessungen und -öffnungen zusammenhält?
4. "Wirken aus der Ferne wie ein Gitter". Natürlich ist auch dies eine subjektive Wahrnehmung aber basierend auf der erstgenannten Metapher des Nest in den Bäumen wird man die vertikalen Lamellen nach einigen Wachstumsjahren der Bäume nur schwierig noch von diesen unterscheiden können.
5. "...was auf den Fotos nicht besonders kuschelig aussieht." Das, liebe Baunetzer, ist doch exakt die Bewertungsschiene, die wir hoffen, nicht mitmachen zu müssen. Davon abgesehen: ein Flur, wo sich alle begegnen, welcher vielfältige Ein- und Ausblicke ermöglicht (siehe Skizze 11) und welcher nicht zuletzt sämtliche Garderoben aufnehmen muss, braucht nicht mehr kuschelig zu sein.
6. "Für die kindgerechte Gestaltung sind hier die Erzieher in der Pflicht". Die Erzieher - und sicherlich auch die Kinder - werden hier nicht in die Pflicht genommen: ihnen wird die Chance gegeben, ihre Räume mitzugestalten. Und dieser Gestaltungsfreiraum ist bei diesem Gebäude enorm groß. Mehr Entfaltung geht nicht. Keine Pflicht. Kür!