Gemeinde und Gemeinschaft
Kirche in Bergen von KOHT und Hille Melbye
Kirchenneubauten der großen christlichen Konfessionen sind selten geworden, doch von Zeit zu Zeit kann man eine Fertigstellung vermelden. So etwa am Rand von Bergen, wo bereits im November 2024 die Sӕdalen Kirke feierlich eingeweiht wurde. Genutzt wird der von KOHT Arkitekter und Hille Melbye Arkitekter (beide Oslo) entworfene Sakralbau von der evangelisch-lutherischen Gemeinde.
Der kompakte, schlichte Neubau geht letztlich auf das Engagement von Gläubigen der benachbarten Birkeland Kirke zurück, die vor 20 Jahren begannen, in Sӕdalen Gottesdienste abzuhalten. 2017 wurden die Pfarreigrenzen neu gezogen, sodass Birkeland und Sӕdalen nun eine Pfarrei mit zwei Kirchen bilden.
Mindestens genauso wichtig für den Neubau ist eine generelle Neuorientierung der norwegischen Kirche, die ihre Gotteshäuser mehr und mehr für säkulare Aktivitäten öffnet und damit in die Nachbarschaften hineinwirken möchte. Das ruhige Wohnviertel Sӕdalen am südöstlichen Rand der Stadt war in diesem Sinne prädestiniert als Standort für einen solchen Kirchenneubau, da es hier keinen explizit öffentlichen Raum für nachbarschaftliche Aktivitäten gab, betont Kenneth Larssen Lønning von KOHT.
Architektonisch artikuliert sich diese Ausrichtung in einer Zweiteilung des Grundrisses. Neben dem eigentlichen Kirchenraum gibt es einen fast gleich großen „Kirketorg“ (zu Deutsch: Kirchplatz), der als eingeschossiger Raum vor dem eigentlichen Sakralraum liegt und diesem bei Bedarf zugeschaltet werden kann. In der Regel finden hier jedoch nicht-sakrale Aktivitäten statt. Unter anderem wird er als Nachbarschaftscafé genutzt und verfügt dementsprechend über Toiletten und eine kleine Küche mit Tresen. Oberhalb gibt es weitere Räume für nicht-sakrale Nutzungen. In den drei Zugängen zum Haus schlagen sich die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten der Sӕdalen Kirke nieder.
So wichtig die säkular bespielten Räumlichkeiten auch sind, so wenig hat sie der Fotograf dokumentiert. Das liegt vor allem daran, dass die budgetären Zwänge des Projekts dazu führten, dass in diesen Bereichen aus architektonischer Perspektive recht pragmatisch gearbeitet werden musste, erklärt Lønning.
Im Vordergrund standen der Sakralraum und die äußere Erscheinung des Gebäudes. Hier dominieren klare stereometrische Formen, große Fensterflächen und sandgebleichte Ziegel, die in unterschiedlichen Verbünden vermauert sind. Unaufgeregt ruht der Neubau zwischen vorstädtischen Alltagsarchitekturen und üppiger Natur, um hoffentlich sowohl geistliches als auch gemeinschaftliches Leben zu fördern. (gh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- KOHT Arkitekter, Hille Melbye Arkitekter
- Landschaftsarchitektur:
- Sweco
- Bauunternehmen:
- PEAB
- Bauherrschaft:
- Bergen kirkelige fellesråd
- Fläche:
- 1.200 m²
- Baukosten:
- 6.307.000 € Baukosten
Im November eröffnet bereits der nächste Kirchenneubau, an dem KOHT beteiligt sind. In Klepp, südlich von Stavanger, haben die Architekt*innen das Rathaus aus dem Jahr 1973 um eine Kirche und einen weiteren Gebäudekörper ergänzt, um ein multifunktionales Sozial- und Kulturzentrum zu schaffen.





Zumindest ist es kein Bauwerk, für das ich zwei Stunden mit der Familie quer durch Norwegen fahren würde, wie mal gemacht für das Aasentunet Museum von Sverre Fehn.
Das geht los mit dem ungelenken Rampenbauwerk davor, setzt sich fort in den lieblosen Leuchten im Saal – inzwischen ergänzt durch massige Lautsprecher – und zeigt sich ebenso in der seltsam anmutenden "Sparkassenbestuhlung" (die Stühle der Cafeteria hätten fast besser in den Saal gepasst) bis hin zu den Odenwalddecken in den Gruppen- und Aufenthaltsräumen im Obergeschoss.
Einzig aufgrund der Ziegelfarbe musste ich ganz, ganz entfernt an die Östra Kyrkogården in Malmö denken in Bezug auf, was an Leuchtkörpern, Tageslichtführung und Bestuhlung mehr Wirkung gezeigt hätte.
Sehe aber ein, dass es ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen ist.
Hier Kulturhaus mit einem Kreuz an der Wand, dort Aussegnungshalle.