Turmartig mit modernem Gewölbe
Museum in Marbach von Webler + Geissler und Knappe Innenarchitekten
Man mag es kaum glauben, wenn man das kleine Altstadthaus in Marbach sieht, aber dieser Ort hat gewissermaßen einen nicht unerheblichen Beitrag zur Revolutionierung der westlichen Seefahrt geleistet. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde hier nämlich der Astronom, Kartograph und Mathematiker Tobias Mayer geboren. Dessen Mondtabellen ermöglichten eine besonders präzise Standortbestimmung auf See. Seit 1988 gibt es in der Stadt am Neckar zu Ehren Mayers ein kleines Museum, das nun von Webler + Geissler Architekten (Stuttgart) nach einem Entwurf des Büros Knappe Innenarchitekten (Marbach) erweitert wurde. Die Ausstellungsarchitektur stammt von der Agentur Vista Rasch (Leinfelden-Echterdingen).
Das Museum befindet sich am Göckelhof im mittelalterlichen Zentrum von Marbach, wo der Trägerverein bereits 2012 das benachbarte Gebäude zum Zweck der Erweiterung erwerben konnte. Der historische Kontext stellte dabei besondere Anforderungen, zumal das neue Gebäude größer als der abgerissene Bestandsbau ausfiel. Von Anfang an arbeitete man darum mit der Denkmalschutzbehörde zusammen. Bei der kantigen Erweiterung resultierte dies beispielsweise in der Verwendung handgeschöpfter Klinkersteine. Jene erlaubten eine zeitgenössische Anmutung, aber – im Sinne der Handwerklichkeit des Materials – auch ein Anknüpfen an die Tradition des Kontexts.
Die Architekten betonen mit ihrer Kubatur die Ecklage des Grundstücks, was in einem eher aufstrebenden Charakter zum Ausdruck kommt. Archäologische Befunde laut denen hier schon früher ein turmartiges Gebäude stand, dienten als Inspiration. In ihren Grundzügen ist die Architektur monolithisch, aber eine gewisse Kleinteiligkeit in der Ausgestaltung sorgt mit Blick auf die Umgebung für die richtige Balance. Dazu gehören die sechseckigen Fenster im Obergeschoss, die sich auf die Farbenlehre Mayers beziehen. Insgesamt steht jetzt eine Ausstellungsfläche von 160 Quadratmetern zur Verfügung. Im Erdgeschoss geht es um die Themenbereiche Kartografie und Kupferstich, im 1. Obergeschoss wird Mayers Mondforschung präsentiert und im 2. Stock befindet sich eine Bibliothek.
Die leichte Hanglage der Erweiterung ermöglichte zudem einen besonderen Nutzungsakzent: Über eine halbe Treppe von der Gasse aus direkt zu erreichen liegt ein moderner Gewölbekeller, der nicht nur für Veranstaltungen und Sonderausstellungen, sondern auch für den Ausschank von Bier und Wein zur Verfügung steht. So fügt sich das Gebäude nicht nur ins touristische Gefüge, sondern auch ins Marbacher Alltagsleben. (sb)
Fotos: Oliver Rieger Photography
Vielleicht ein Architekturprofessor der daheim für Modelleisenbahn schwärmt und dem ein Faller Haus mit 1:1 zu groß geraten ist.
In 30 Jahren wird man es vielleicht als zeittypisch feiern, was aber doch eher ein schwacher Trost ist.
also besser dieser klinkerbau hier als die standard-"architektur".
eines aber können wir nicht ändern: unsere heutige lebensweise (insbes. automobilität mit zugehörigem einkaufsverhalten auf basis des allgemein explodierten wohlstandes) ist weit entfernt von der, die in den kleinstädten über jahrhunderte vorherrschte - das ist das eigentliche todesurteil der historischen altstädte. und wir werden das so schnell nicht ändern, es sei denn, wir schaffen das auto ab (wonach es aber nicht aussieht).
Gegen den Neubau an sich ist nichts Negatives zu nennen, im Gegenteil. Aber im Kontext der Bestandsbauten ist das Bauwerk mehr als fragwürdig.