Gläsern über dem Rhein
Neugestaltung des Drachenfelsplateaus
Der Tourismus am Mittelrhein ist im Wandel, wie wir vor kurzem begutachten konnten (siehe Baunetzwoche#318, „Qualität statt Kegelclubs“). Wo früher Besuchermassen das Bild bestimmten, mussten inzwischen zahlreiche Betriebe aufgeben. Auch die Umgestaltung des Drachenfelsplateaus, gelegen zwischen Königswinter und Bad Honnef, steht unter diesem Vorzeichen. In den siebziger Jahren hatte man noch eine Großgaststätte neben das heute denkmalgschützte Hotel gesetzt, die nun jedoch von Pool 2 Architekten aus Kassel durch einen pavillonartigen Neubau ersetzt wurde.
Der Hauptaugenmerk der Architekten lag jedoch zunächst auf dem Plateau selbst, das bisher fast vollkommen überbaut war und nur stark festgelegte Ausblicke auf die Rheinlandschaft zuließ. Nach der Neugestaltung zusammen mit den Landschaftsarchitekten Plan drei (Erfurt) erwartet die Besucher nun eine offene Platzsituation, die eine vielfältigere Erfahrung der Umgebung ermöglicht. Mal steht man direkt am Abgrund, mal scheint die Landschaft nur im Hintergrund auf oder wird von den Gebäuden malerisch gerahmt.
Eine weitere Perspektive bietet der zweigeschossige Neubau, der zurückhaltend in der Linie des ebenfalls von Pool 2 renovierten Hotels angeordnet ist, sich aber deutlich über das Plateau erhebt. Seine äußere Gestalt nimmt mit den hellen Betonstützen und dem dunklen Glas die Schwere des Altbaus auf, ohne sich jedoch allzu sehr zu verschließen. Was das ermöglicht, wird deutlich, wenn man den Gastraum im Obergeschoss betritt. Man scheint da in einer Glaskanzel gelandet zu sein, die spektakulär über der Landschaft schwebt.
Auch ist die Verbindung zum historischen Bau und dessen vielfältige Formen aus meiner Sicht grandios misslungen. Für mich wirkt der Neubauwürfel eher wie ein Bruch.
Dass Ihnen, Herr Speelmanns, die Kommentare weh tun, ist schade. Andere Meinungen sollte man in einer Demokratie schon respektieren und achten.
Des weiteren weiß ich nicht, was den Architekten zu Beginn vorschwebte, ich könnte mir vorstellen sie hätten auch lieber in Stein gebaut.
Leider lassen sich "zumthor´sche" Lösungen argumentativ und monetär nur in den seltensten Fällen verkaufen, bzw. realisieren.
Alles in allem sehr gelungen finde ich. Werd´s mir bei gelegenheit mal vor Ort anschauen.
Die Form des Neubaus mag als zeitgeistig verschrieen werden, ist es der Altbau denn nicht auch? Ist es denn nicht richtig, zeitgeistig zu bauen?
Der Würfel bedarf selbstverständlich eines Bindeglieds an den Bestand: nur so wird der Würfel eigenständig. Doch nicht etwa an den Bestand ankleben, oder?
Die Architektur greift in der Wahl der Elemente und deren Dimensionen die 50er Jahre auf. Zu Recht: siehe Balkon des Altbaus und überhaupt Architekturhighlights in Bonn.
Eins allerdings bleibt: Riemchen aus Kostengründen ist keine Lösung, dann lassen wir es doch lieber bewachsen, als Beispiel.
Wäre ja so als ob ich anstelle Holzdielen einfach Fototapete mit Holzoptik auf den Boden legen würde, wer kommt denn auf so eine Idee..
War diesen Sommer da, Bau ist nicht schlimm, aber gähnend langweilig. Sieht von der Strasse am Fuße des Felsens auch eher bescheiden aus - warum gibt es bei 25 Bildern aber auch nicht eines, das diese prominente, weil jeden Tag sichtbar, Perspektive zeigt?
Lustig, wie auf Bild 9 unheimlich dilettantisch mit Photoshop der Grünraum 'aufgehübscht' wurde.
Der entwurfliche Entscheid des Altbaus eher in die Horizontale gehen erscheint mir indes richtig. Auf den Fotos kann man gut sehen, wie ehedem ein kräftiger Kontrast zwischen sich wegduckendem Neuen und hochaufragendem Alten hergestellt wurde. Auch die für die Zeit typische Abtreppung des Baukörpers passt überraschend gut auf den zerklüfteten Fels.
Der Neubau ist indes ein einfacher Würfel. Dafür gewinnt man wahrlich keinen Innovationspreis. Die Entscheidung für diese Form wird noch unverständlicher, wenn man bedenkt, dass der Würfel noch eines Bindegliedes bedarf, um an den Bestand anzuschliessen. Wozu sich aber dann eines Würfels bemühen? Dies sind, meines Erachtens, keine akademischen, sondern grundsätzlich architektonische Überlegungen, welche auch nicht am niedrigen Budget scheitern.