Wohnen wie Egon Eiermann
Sanierung in Baden-Baden von no w here architekten designer
Mit dem 1959–1962 für sich selbst erbauten Wohn- und Atelierhaus schuf Egon Eiermann am Baden-Badener Krippenhof ein beispielhaftes Stück deutscher Nachkriegsarchitektur. Einige Jahre nach seinem Tod 1970 verkaufte die Familie die Immobilie, die seitdem mehrmals die Besitzer wechselte. Nun fanden sich zwei architekturbegeisterte Käufer, die no w here architekten | designer mit einer Sanierung und weitestmöglichen Rückführung in den Originalzustand beauftragten. Das Stuttgarter Büro übernahm alle Leistungsphasen 1 bis 9.
Als no w here die Anfrage zur Sanierungseinschätzung einer „Design-Ikone“ erhielt, habe er beim Öffnen des Exposés seinen Augen nicht getraut, schreibt Büropartner Karl Amann in seinen ungewöhnlich emotional gefassten Erläuterungen zum Projekt. Bei dem Objekt mit einer Bruttogrundfläche von 560 Quadratmetern handelte es sich um nichts anderes als das Eiermann-Ensemble, das als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung auf der Landesdenkmalliste steht. Es befand sich in einem außerordentlich guten baulichen Zustand, war allerdings teilweise durch „etwas unglückliche Einbauten und Möblierungen“ beeinträchtigt, so der Architekt.
Im Zuge der Sanierung wurden diese später vorgenommenen Zumauerungen entfernt, um die ursprüngliche, offenere Raumfolge wiederherzustellen. Neue bauliche Interventionen in Ankleide, Flur und Bädern beschränkten die Architekt*innen auf ein Minimum und führten sie als reversible, an die Gestaltung Eiermanns angelehnte Einbauten aus. Des Weiteren erfolgte eine am bauzeitlichen Zustand orientierte Farbgebung der Räume, die Erneuerung der Haustechnik sowie die Planung der Möblierung. Erhaltene Elemente wie beispielsweise die in Oregon Pine ausgeführte Küche wurden restauriert und teilweise Originalmöbel wieder in das Haus zurückgeführt.
Den Maßnahmen vorausgegangen war eine umfangreiche restauratorische Untersuchung ebenso wie ein Studium der Originalunterlagen aus der Entstehungszeit im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (SAAI). Während der intensiven Beschäftigung mit dem Gebäude sei die durch permanentes Ausreizen von Gegensätzen herrührende Spannung im Werk Eiermanns, seine Detailverliebtheit und Faszination für japanische Architektur auf eindrückliche Weise greifbar geworden, resümiert Architekt Amann. Außerdem sei es „eine Freude zu sehen, dass das Haus weiterlebt und nicht in einem musealen Zustand verharrt.“ (da)
Fotos: Studio Olaf Becker
1. Der Unterschied der schwarz-weiß Aufnahmen zu den farbigen auf dem Bildschirm: Ach, ich bin so an sw gewöhnt, dass die Farbe mir fremd vorkommt, aber die war ja immer!
2. Heute sieht es etwas kahl aus alles: In den Schalen auf den Balkonen fehlt die Kapuzinerkresse, auf dem Sockelblock die Kunst, die weißen, faltenwerfenden Gardinen vor der Terrasse des Esszimmers und unten, die Schiebelamellenläden (oder sind sie nur nicht im Blickwinkel?)
und innen die Fingerpalme, die den ganzen Wohnbereich durchwuchwerte, und das Spinett auf dem Zeichentischgestell mit dem Hocker auf einem kleinen Kelim, die ganzwandiden Regale...und - ich höre auf...
Das soll bitte nicht als Kritik aufgefasst werden, es leben ja andere Menschen hier nun...
Nur ein Eindruck, der vielleicht interessieren könnte. Auf jeden fall eine Freude für mich, dass es so lebt, das Haus.
Eine Architektur, der alle Breitspurigkeit, aber auch alles So-tun-als-ob fremd ist. Sie fordert den mündigen Menschen, der ein bisschen aufpasst, wenn er die Treppe runtergeht, und der nicht im Vollsuff mit dem Bierbauch an die Umwehrung rempelt. Sie lässt diesen mündigen Menschen unbeschwert sein Leben leben und bildet die förderliche, schöne, zurückhaltende Hüllde dazu.
Würde ich dort wohnen können, wäre mein größter Wunsch, mit den Füßen voraus dieses Haus zu verlassen.