Konzerthaus am Schloss
Sanierung und Umbau in Kiel von der ARGE gmp und bbp
Konzerthaus am Schloss
Sanierung und Umbau in Kiel von der ARGE gmp und bbp
Mit dem denkmalgerecht sanierten Konzerthaus am Schloss verfügt Kiel seit Anfang des Jahres über ein kulturelles Schmuckstück, das hoffentlich Impulse in die darbende Altstadt bringt. Die ARGE gmp und bbp inszenierten neue Ausblicke auf die Förde, verhalfen einer alten Idee zu neuem Glanz und frischten den wunderbar hierarchiefreier Saal in aller gebotenen Zurückhaltung auf.
Konzertsaal im Kieler Schloss. Das klingt nach nordischem Barock, ist aber feinste Nachkriegsmoderne. Denn Kiel war Marinestützpunkt, wurde im Zweiten Weltkrieg massiv bombardiert. Von Altstadt und historischem Schloss blieb wenig übrig. Was sich heute Kieler Schloss nennt, entstand (neben einem Flügel aus dem späten 18. Jahrhundert) im Wesentlichen als schlicht elegantes Ensemble aus vier Bauteilen in den Jahren 1961–65 nach Plänen des Hamburger Büros Sprotte & Neve. Neben dem hoch aufragenden Ostflügel aus rotem Klinker (der die Kubatur des zerstörten Vorgängerbaus nachzeichnet) ist das zeittypisch gestaltete Konzerthaus der auffälligste Bauteil des Ensembles.
Im Januar feierte Kiel die Eröffnung des sanierten Konzerthauses am Schloss, von dem sich die Stadt auch neue Impulse für die Innenstadt erhofft, die sichtlich unter dem Niedergang des Einzelhandels leidet. 47 Millionen Euro kostete die von der ARGE gmp Generalplanungsgesellschaft (Hamburg) und bbp : architekten (Kiel) verantwortete, denkmalgerechte Ertüchtigung des Hauses, das an der nordöstlichen Ecke des historischen Stadtkerns sitzt, an einem Geländesprung zwischen Altstadt und Hafenbereich. Da dieser mit seinen Werften und Industrieanlagen in der Nachkriegszeit als unansehnlich galt, orientierten Sprotte & Neve das Konzerthaus mit seinem gebäudehoch verglasten Foyer zur Altstadt, während Anlieferung und Künstler*inneneingang in bester funktionalistischer Manier im Sockelgeschoss und Richtung Wasser zu finden sind.
Weißes Corian, schwarzer Walzstahl, rote Polster
In den langen Jahrzehnten seiner vielfältigen Nutzung wurde das Haus zwar nicht grundlegend, aber immer wieder baulich verändert, sodass die ursprüngliche gestalterische Klarheit des Entwurfs verloren gegangen war. Diese wiederherzustellen lautete oberste Prämisse für gmp und bbp. So wurde die große Glasfassade in Anlehnung an den Bestand komplett entsprechend aktueller klimatischer Erfordernisse erneuert. Bei der Instandsetzung der Natursteinfassaden aus dunkelgrünem Alta-Quarzit konnten rund 70 Prozent des Materials wiederverwendet werden. Das restliche Drittel bezogen die Planer*innen aus dem norwegischen Steinbruch, in dem bereits Sprotte & Neve in den 1960er Jahren eingekauft hatten. Rundum erneuert zeigt sich der Windfang des Hauses.
Im Januar feierte Kiel die Eröffnung des sanierten Konzerthauses am Schloss, von dem sich die Stadt auch neue Impulse für die Innenstadt erhofft, die sichtlich unter dem Niedergang des Einzelhandels leidet. 47 Millionen Euro kostete die von der ARGE gmp Generalplanungsgesellschaft (Hamburg) und bbp : architekten (Kiel) verantwortete, denkmalgerechte Ertüchtigung des Hauses, das an der nordöstlichen Ecke des historischen Stadtkerns sitzt, an einem Geländesprung zwischen Altstadt und Hafenbereich. Da dieser mit seinen Werften und Industrieanlagen in der Nachkriegszeit als unansehnlich galt, orientierten Sprotte & Neve das Konzerthaus mit seinem gebäudehoch verglasten Foyer zur Altstadt, während Anlieferung und Künstler*inneneingang in bester funktionalistischer Manier im Sockelgeschoss und Richtung Wasser zu finden sind.
Weißes Corian, schwarzer Walzstahl, rote Polster
In den langen Jahrzehnten seiner vielfältigen Nutzung wurde das Haus zwar nicht grundlegend, aber immer wieder baulich verändert, sodass die ursprüngliche gestalterische Klarheit des Entwurfs verloren gegangen war. Diese wiederherzustellen lautete oberste Prämisse für gmp und bbp. So wurde die große Glasfassade in Anlehnung an den Bestand komplett entsprechend aktueller klimatischer Erfordernisse erneuert. Bei der Instandsetzung der Natursteinfassaden aus dunkelgrünem Alta-Quarzit konnten rund 70 Prozent des Materials wiederverwendet werden. Das restliche Drittel bezogen die Planer*innen aus dem norwegischen Steinbruch, in dem bereits Sprotte & Neve in den 1960er Jahren eingekauft hatten. Rundum erneuert zeigt sich der Windfang des Hauses.
Als gestalterischer Clou des Foyers entpuppt sich die weiße Wand zum Saal. Sie bestand ursprünglich aus melaminbeschichteten Platten und wurde in Corian getreu der ursprünglichen Form neu aufgebaut. Einst wurde sie durch Strahler beleuchtet. Das transluzente Corian ermöglicht nun, dass die Wand von innen illuminiert werden kann. Die zentrale architektonische Idee aus den Sechzigern wurde durch die neuen technischen Möglichkeiten quasi perfektioniert. Ob die Einbauten aus robust verarbeitetem Schwarzstahl – mit denen sich die Architekt*innen vom Bestand abheben wollen – die richtige Antwort auf die Eleganz der 1960er Jahre sind, kann man hingegen diskutieren. Vermutlich gewinnen der in das Foyer eingestellte Liftturm sowie die Tresen in ästhetischer Hinsicht noch, wenn der hier verwendete Stahl patiniert.
Das Herzstück des Hauses bildet ein wunderbar schwellenloser Saal über prismatischem Grundriss, bei dem die 1.300 Sitze um eine fast ebenerdige Bühnensituation herum angeordnet wurden. Man kann das als kleine Variante von Hans Scharouns Philharmonie in Berlin lesen (bei dem Sprotte in der Zwischenkriegszeit gearbeitet hatte). Im norddeutschen Raum sei diese hierarchiefreie und intime räumliche Konfiguration eines Konzertsaals einmalig, betonen die Verantwortlichen. Neue, hydraulische Bühnenelemente erleichtern die Nutzung ungemein. Zwölf verstellbare Akustiksegel verbessern den Klang. Die Bestuhlung konnte erhalten bleiben und wurde aktuell gepolstert.
Ausblicke von der Förde bis ins Baltikum
Ein wichtiger Punkt im Zuge von Sanierung und Umbau bestand in der Öffnung des Hauses zum Wasser. Das zur Altstadt orientierte Hauptfoyer ist zwar ein guter Raum, bietet aber keine besonders spektakuläre Aussicht. Nur der aufgeständerte Flachbau, der den Konzertsaal mit dem hoch aufragenden Ostflügel aus rotem Klinker verbindet, verfügte bereits historisch über eine Fensterfront zur Kieler Förde. Der einstige Raucherbereich nennt sich nun Fördefoyer. Da dieser Raum in den 1980er Jahren stark überformt worden war, spielten denkmalpflegerische Aspekte eine marginale Rolle und ermöglichten den Architekt*innen, eine stimmungsvoll dunkel gehaltene Bar einzurichten. Neu konzipiert und erschlossen wurde auch der Bereich unter dem Fördefoyer, der nun als Außengastronomie genutzt werden kann.
Das Sanierungs- und Umbauprojekt ist nicht nur architektonisch gelungen, sondern ein wichtiger bau- und kulturpolitischer Erfolg Kiels. Denn das Schloss war 2003 für einen symbolischen Euro an zwei Privatleute verkauft worden, von denen einer – Klaus-Peter Marschall – das Konzerthaus bereits seit den 1980ern mit viel Einsatz und Herzblut bespielt hatte. Seit 2019 gehört das gesamte Ensemble wieder zum Eigentum der Stadt, die dafür 4,1 Millionen Euro zahlte. Sicherlich gut angelegtes Geld, denn die Anlage bietet beste Möglichkeiten, der darbenden Altstadt frische Impulse zu geben.
Das Konzerthaus wird mit der Neueröffnung als städtischer Eigenbetrieb geführt und ist endlich offizielle Heimspielstätte des Philharmonischen Orchesters Kiel. Darüber hinaus bleibt es ein wichtiger Spielort des Schleswig-Holstein Musik Festivals und bietet weiterhin ein breites Programm jenseits des Konzertbetriebs. Auch Pläne für den hochaufragenden Ostflügel liegen bereits vor. Er soll kulturell bespielt werden und unter anderem ein Kunstzentrum beheimaten – mit programmatischem Blick über die Förde und die Ostsee auf den gesamten baltischen Raum.
Ausblicke von der Förde bis ins Baltikum
Ein wichtiger Punkt im Zuge von Sanierung und Umbau bestand in der Öffnung des Hauses zum Wasser. Das zur Altstadt orientierte Hauptfoyer ist zwar ein guter Raum, bietet aber keine besonders spektakuläre Aussicht. Nur der aufgeständerte Flachbau, der den Konzertsaal mit dem hoch aufragenden Ostflügel aus rotem Klinker verbindet, verfügte bereits historisch über eine Fensterfront zur Kieler Förde. Der einstige Raucherbereich nennt sich nun Fördefoyer. Da dieser Raum in den 1980er Jahren stark überformt worden war, spielten denkmalpflegerische Aspekte eine marginale Rolle und ermöglichten den Architekt*innen, eine stimmungsvoll dunkel gehaltene Bar einzurichten. Neu konzipiert und erschlossen wurde auch der Bereich unter dem Fördefoyer, der nun als Außengastronomie genutzt werden kann.
Das Sanierungs- und Umbauprojekt ist nicht nur architektonisch gelungen, sondern ein wichtiger bau- und kulturpolitischer Erfolg Kiels. Denn das Schloss war 2003 für einen symbolischen Euro an zwei Privatleute verkauft worden, von denen einer – Klaus-Peter Marschall – das Konzerthaus bereits seit den 1980ern mit viel Einsatz und Herzblut bespielt hatte. Seit 2019 gehört das gesamte Ensemble wieder zum Eigentum der Stadt, die dafür 4,1 Millionen Euro zahlte. Sicherlich gut angelegtes Geld, denn die Anlage bietet beste Möglichkeiten, der darbenden Altstadt frische Impulse zu geben.
Das Konzerthaus wird mit der Neueröffnung als städtischer Eigenbetrieb geführt und ist endlich offizielle Heimspielstätte des Philharmonischen Orchesters Kiel. Darüber hinaus bleibt es ein wichtiger Spielort des Schleswig-Holstein Musik Festivals und bietet weiterhin ein breites Programm jenseits des Konzertbetriebs. Auch Pläne für den hochaufragenden Ostflügel liegen bereits vor. Er soll kulturell bespielt werden und unter anderem ein Kunstzentrum beheimaten – mit programmatischem Blick über die Förde und die Ostsee auf den gesamten baltischen Raum.
Bautafel
- Fertigstellung:
- Januar 2026
- Architektur:
- ARGE gmp Generalplanungsgesellschaft und bbp : architekten
- Projektleitung gmp:
- Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke und Christian Hellmund
- Projektleitung bbp:
- Björn Bergfeldt mit Christine Slomski, Britta Stange
- Mitarbeit gmp:
- Myriam Aykurt, Jens Förster, Birte Oberbossel, Annette Löber
- Mitarbeit bbp:
- Amil Chalabi, Yvonne Dietz, Johan Jambor, Johanna Karstens, Nina Kassian
- Objektüberwachung bbp:
- Sven Ahrens, Amil Chalabi, Christian Fischer, Julian Holst, Serdar Iskender, Cordula Murmann, Stefanie Rimbach, Eva Scharfenberg, Julia Smid-Wehdeking
- Projektsteuerung:
- Schmitz.Reichard
- Bauherrschaft:
- Stadt Kiel
- Baukosten:
- 47.000.000 € Gesamtkosten
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Zum Haus:
Scheint ein bißchen wie bei der "weißen Moderne" zu sein, deren Schwarzweiß-Fotos ikonisch werden konnten, weil sich kaum jemand die Originale vor Ort zu Gemüte führte. Und auch die Lichtstimmungen der Fotos wirken eher per Bildbearbeitungsfilter denn als Dokumentation dessen was ist …
Das bunte Leben bleibt also Aufgabe des Publikums.