Frischer Wind an den Landungsbrücken
Sanierung von Trapez Architektur in Hamburg
Als einer der ältesten Bahnhöfe der Hansestadt Hamburg blickt die S- und U-Bahn-Haltestelle Landungsbrücken auf eine ebenso wechselhafte wie auch spannende Geschichte zurück. Das im Jahr 1910 nach Plänen von Johann Emil Staudt errichtete und 1923 von Walter Puritz erweiterte Gebäude wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem charakteristischen Bestandteil des reizvollen Ensembles zwischen der heutigen Hafencity und den namensgebenden Landungsbrücken.
Seine jetzige Form mit markanter Kupferfassade und Fußgängerbrücke erhielt die Haltestelle nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erst 1959 durch Fritz Trautwein. Die direkt hier anschließende Hafenpromenade von Zaha Hadid Architects erlaubt seit Kurzem einen eindrucksvollen Blick auf die Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron.
Seit Anfang 2017 arbeiteten Trapez Architektur (Hamburg) an der mittlerweile nötig gewordenen denkmalgerechten Instandsetzung und dem gleichzeitigen barrierefreien Ausbau. Das Projekt im Auftrag der Hamburger Hochbahn umfasste die Sanierung der Zugangsbereiche und der Hochbahn; der unterirdisch liegende S-Bahnhof waren nicht Teil der Planung. Im März letzten Jahres wurde das Vorhaben abgeschlossen. Für die Architekt*innen galt es, den geforderten barrierefreien Umbau und die Anliegen des Denkmalschutzes unter einem Hut zu bringen. Da die Einschränkungen für die Fahrgäste möglichst minimal bleiben sollten, fanden die Arbeiten an nahezu allen Bereichen gleichzeitig und bei laufendem Betrieb statt.
Der U-Bahnsteig samt Außenwand und Dach wurde weitgehend zurückgebaut. Parallel dazu wurden die beiden Schalterhallen von Puritz und Trautwein entkernt, die notwendigen Einbauten reorganisiert und die Oberflächen erneuert. Ein wichtiges Ziel war, der halbrunden Schalterhalle von Puritz ihre originale Erscheinung zurückzugeben. Hier findet sich auch der entscheidende zeitgenössische Beitrag der Architekt*innen: zwei Aufzugstürme binden die Zugangshalle barrierefrei an die erhöht gelegenen U-Bahnsteige an.
Die Verwitterung machte einen Austausch der Kupferplatten an der Fassade erforderlich. Originalgetreue, vorpatinierte Elemente bewahren dennoch den prägenden Charakter der Haltestelle.
Text: Marius Birnbreier
Fotos: Maike Hansen (Archimage), Jan Sieg
Wenn ich in einer heruntergekommenen Gegend ein Objekt instand setze, werte ich das Umfeld nicht auf, sondern stelle durch den neuen Kontrast den bedauernswerten Zustand des Ensembles nur umso eindrücklicher zur Schau.
Hoffen wir, daß es der Auftakt zu einer neuen Sanierungswelle in der Hansestadt ist.
Einziger Kritikpunkt ist die Integration der Aufzüge, die man aus Sicht des Laien besser in den Trautwein-Bau hätte legen sollen. Vermutlich wurde das nicht getan, weil dieFussgängerbrücke an ihrem Ende auch keinen Aufzug hat. Aber das ist Spekulation.