Kössener Kreuzelstich
Schule mit Kindergarten in Tirol von Pedevilla und gbd
Für deutsche Ohren klingt es ein wenig veraltet, aber in Österreich wird die Primarstufe bis heute offiziell als Volksschule bezeichnet. Ihren Neubau der ARGE Pedevilla Architects (Bruneck) und gbd Holding (Dornbirn) will die Volksschule Kössen in Tirol aber doch als Bildungszentrum verstanden wissen, um begrifflich klarzumachen, dass ihr pädagogischer Anspruch und die dazu passenden Räume in der Gegenwart verortet sind.
Das Bildungszentrum richtet sich an Grundschüler*innen und kleine Kinder. Neben der eigentlichen Volksschule mit den Klassenstufen 1–4 gibt es einen annähernd gleich großen Bereich, in dem Kindergarten und -krippe (mit acht beziehungsweise zwei Gruppenräumen) untergebracht sind. Ein Hort im eingeschossigen Seitenflügel sowie eine fensterlose Turnhalle im zweiten Untergeschoss komplettieren das Programm. Ein Verbindungsgang auf der untersten Ebene des Hauses erschließt eine bestehende Dreifachsporthalle, die auch von der benachbarten Hauptschule genutzt wird.
Obwohl die Beschreibung des Hauses erstaunlicherweise auf den Begriff Cluster verzichtet, folgen sowohl Schule als auch Kindergarten diesem Gliederungsprinzip. Alle Klassen- beziehungsweise Gruppenräume sind jeweils um einen zentralen „Dorfplatz“ herum angeordnet. Große Dachfenster und vertikale Öffnungen bringen Licht in die Tiefe der beiden „Dorfplätze“.
Konstruktiv handelt es sich um einen Stahlbetonbau, der mit Holz verkleidet wurde. Olivgrün bestimmt die Außenerscheinung, pointiert kombiniert mit Gelb und etwas Rot. Die geschossweise zunehmenden Auskragungen der Hülle dienen in erster Linie der optischen Gliederung der Fassade, erklären die Architekt*innen auf Nachfrage. Innen kamen massiv verarbeitete Weißtanne für Böden und Möbel sowie geglätteter Kalkputz zum Einsatz, bei stark frequentierten Fußböden auch Zementspachtelung.
Gestalterischer Clou des Entwurfs ist das abstrahierte Dekor in Anlehnung an den traditionellen Kreuzstich, den man in Tirol Kreuzelstich nennt. Ob am Haupteingang, in der Signaletik oder dezent an der Decke, wo entsprechend gestaltete Öffnungen teilweise als Lüftungsauslässe fungieren – im ganzen Haus findet sich diese feine Reminiszenz an das vernakuläre textile Gestalten der Region wieder, um den Neubau historisch zu verankern.
Der Neubau in der Gemeinde direkt hinter der Grenze zu Deutschland ging pünktlich zum Start des Schuljahrs im Herbst 2025 in Betrieb. Er ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der im August 2022 entschieden wurde. Laut Architekt*innen kostete das Bildungszentrum Volksschule Kössen 16,5 Millionen Euro. (gh)
- Fertigstellung:
- August 2025
- Architektur:
- Pedevilla Architects
- Mitarbeit Architektur:
- Franziska Nuber (Projektleitung), Johanna Herzog, Anna-Lena Bodendörfer, Roman Holzinger, Paula Thurow, Pia Engler
- Statik:
- gbd Holding
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Kössen
- Fläche:
- 5.855 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 16.500.000 €
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