Ein Holzhochhaus für Nürnberg
Spengler Wiescholek gewinnen Wettbewerb für UmweltBank
„Mein Geld macht Grün“ lautet der Slogan der in Nürnberg ansässigen UmweltBank. Das private Institut verspricht mit den Einlagen seiner Kund*innen ausschließlich in ökologische und soziale Projekte und Unternehmen zu investieren. Kein Wunder, dass dieser Anspruch künftig auch für die eigene Immobilie gelten soll. Bisher arbeitet die Bank in einem unscheinbaren, eher konservativen Nachkriegsbau. In naher Zukunft aber ist ein Umzug an den Nordwestring geplant, wo ein früherer Bürokomplex des Marktforschungsunternehmens GfK rückgebaut und durch ein kleines Hochhaus samt niedrigerem Sockel ersetzt werden soll. Das Neubauprojekt sieht neben 300 bankeigenen Arbeitsplätzen auch Flächen für externe Mieter vor, darunter ein Bio-Supermarkt und ein Café. Im nichtoffenen Wettbewerb mit vorgeschalteten Auswahlverfahren konnte sich das Hamburger Büro Spengler Wiescholek durchsetzen. Betreut wurde das Verfahren von Kohler Grohe mit Hauptsitz in Stuttgart. Das Ergebnis des Verfahrens:
- 1. Preis: Spengler Wiescholek, Hamburg
- 2. Preis: haascookzemmrich Studio2050, Stuttgart
- 3. Preis: Steimle Architekten, Stuttgart
- Anerkennung: agn Niederberghaus & Partner, Ibbenbüren
- Anerkennung: Lorber Paul Architekten, Köln
- Anerkennung: Muffler Architekten, Tuttlingen
Zwei Anforderungen prägten den Wettbewerb: Erstens sollte ein für die UmweltBank sowohl in ästhetischer wie auch ökologischer Hinsicht adäquater architektonischer Ausdruck gefunden werden. Zum Zweiten ging es darum, eine möglichst effiziente und flexible Raumstruktur für die zukünftigen Untermieter zu entwickeln. Das mit Büros wie Sauerbruch Hutton, Graft oder Lederer Ragnarsdóttir Oei rundum prominent besetzte Teilnehmerfeld fand hierfür erstaunlich vielfältige Ausdrucksformen. Die Verwendung bestimmter Materialien wie Ziegel und Naturstein wurde dabei schon in der Auslobung kritisch bewertet und letztlich ausgeschlossen. Der Neubau solle einen Beitrag zu den Themen nachwachsende Rohstoffe, Holzbau, Klimaschutz und Nachhaltigkeit darstellen und dies auch sichtbar machen, hieß es dort.
Das Gewinnerprojekt von Spengler Wiescholek sieht vor, das Hochhaus der UmweltBank in Relation zum niedrigeren Miettrakt entlang des Nordwestrings um 90 Grad zu drehen. Das Gebäude wird so nach Meinung der Jury unter Vorsitz von Jörg Aldinger am besten dem Anspruch gerecht, die Veränderungen im stadträumlichen Gefüge zu akzentuieren. Ihr Entwurf sieht einen konsequenten Holzbau vor, bei dem lediglich die Kerne aus Beton sind. Pittoresk wirken in dieser Hinsicht die verwundenen Baumstämme, die im doppelgeschossigen Foyer als Stützen dienen. Dem Gebäude, dessen Fassadenelemente ebenfalls aus Holz bestehen, soll ein Stahlgerüst für Wartung und Sonnenschutz vorgehängt werden. Das ergibt ein erstaunlich filigranes Gesamtbild, das an Bürobauten der 60er Jahre denken lässt. Aufgelockert wird die Serialität des Volumens durch ein teilweise geöffnetes Gartengeschoss und eine Dachterrasse.
Von den übrigen Teilnehmern wählten insbesondere die mit dem 3. Preis ausgezeichneten Steimle Architekten eine im Vergleich zum Gewinnerprojekt ähnlich filigrane Lösung mit ebenfalls vorgehängter Gitterstruktur. Der 2. Preis von haascookzemmrich Studio2050 präsentiert sich hingegen als deutlich massiverer Bau, der auch in der Fassade viel Holz zeigt. Ein grünes Trajekt über mehrere Geschosse hinweg sorgt zumindest für eine besondere räumliche Dynamik. Die drei Anerkennungen überzeugen ebenfalls, geraten aber deutlich konventioneller. Interessant sind hier die Staffelungen der Baukörper bei den Entwürfen von Muffler Architekten und agn Niederberghaus & Partner. Bei Letzteren wirkt die an sich spannende Fassade aus recyceltem Aluminium für die Bauaufgabe allerdings ein wenig zu streng. Lorber Paul Architekten versuchen sich als einziges Büro an einer skulpturalen Holzfassade, bei der schräggestellte vertikale Elemente für Tiefe sorgen.
Mit dem Abschluss des Wettbewerbs für das neue Hauptgebäude der UmweltBank ist der erste Schritt für die Transformation des gesamten Geländes am Nürnberger Nordwestring gemacht. Denn das Leuchtturmprojekt mit einer Bruttogrundfläche von rund 16.000 Quadratmetern soll zugleich Mittelpunkt eines kleinen Quartiers werden, wie die UmweltBank schon im Mai bekanntgab. Neben dem Eckgrundstück für die eigenen Räumlichkeiten hat sie inzwischen auch das restliche Areal erworben, um es als nachhaltiges Stadtquartier mit Wohnungen, Gewerbe und sozialer Infrastruktur zu entwickeln. (sb)
Wenn man aber die eigene Arbeit und die Lösungen weiterer, nicht ausgezeichneter Kolleginnen und Kollegen kennt, ist das Ergebnis schon sehr irritierend.
Die ausgezeichneten Arbeiten geben dabei vollständig und ausschließlich die Meinung und Auswahl der hochexpertisen Fach- und Sachpreisrichter wieder.
Vielleicht sollte deren Mut und/oder Wagnis gegenüber Architektur einmal genauso hinterfragt werden wie die als ach so belanglos diskutierten Arbeiten selbst...
was mich eher etwas traurig gemacht hat, ist, dass alle teilnehmer rechtwinklige rasterfassaden mit integrierten großflächig verglasten "grünen schaufenstern" gezeichnet haben. es liegt somit nahe, dass all dies von den teilnehmern verlangt wurde.
es wäre schön, wenn bauherrn - gerade wenn sie sich als innovativ und zukunftsgewandt sehen, was ja offenbar der fall ist - so etwas nicht im detail vorgeben müssten. oder, was noch schlimmer wäre, alle architekten hatten freie hand und haben ganz im sinne kleinkariert-deutscher mentalität in vorauseilendem gehorsam gehandelt. so oder so - ein sehr "deutsches" ergebnis.
man unterhalte sich mal außerhalb deutschlands (noch besser außerhalb der eu) mit architekten über deutsche architektur. das urteil ist meiner erfahrung zufolge relativ eindeutig ausfallen. mutlos, gesichtlos, belanglos. und dieses projekt hier ist mal wieder sehr symptomatisch dafür.
ich finde, das darf man sehr wohl kritisieren.
Dieser Raum ist nämlich schon da, da brauchst du dich nicht davor zu verkriechen und dir ein Loch bauen.
Architektur ist Raum, nur Raum und der beginnt ganz außen.
Öko ist der Luftraum>>die Natur>>unser lächerlicher Baurest in dieser Reihenfolge von außen nach innen.
Dadurch werden alle Bauaufgaben ganz klein und gestaltbar. Das schafft den räumlichen Überblick.
Komm ins Offene (Hölderlin?)
Mehr Licht (Goethe!)
Bitte schließen Sie ihre weitaufklaffenden Wissenslücken bzgl. CO2-Emissionen. Sie werfen "verbranntes Holz aus aktuellen Wäldern" mit "verbrannten fossilien Brennstoffen" in den gleichen CO2-Topf!