Säulenhalle mit Backsteingiebel
Stadthaus in Kiel von Kraus Schönberg
In Kiel sind nicht mehr viele Altbauten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn die Stadt bei Grundstücken mit historischem Bestand besondere Auflagen für eine Neubebauung macht. Das Gebäude an der Falckstraße 16, dessen hier präsentierter Nachfolgebau von den Hamburger Architekten Kraus Schönberg stammt, ließ sich aufgrund statischer Herausforderungen in Folge einer nebenan enstehenden Tiefgarage nicht mit vertretbarem Aufwand erhalten. Im ausgeschriebenen Wettbewerb zur Wiederbebauung war daher der Wunsch formuliert, das neue Haus solle die gestalterischen Qualitäten seines Vorgängers zeitgemäß interpretiert wieder aufnehmen.
Tobias Kraus und Timm Schönberg gestalteten ein Volumen, das mit spitzem Giebel die Straßenecke markiert. Typologisch lehnt es sich an die multifunktionalen Backsteingebäude norddeutscher Hansestädte an. Maßstäblichkeit und Fassadenmaterial des gründerzeitlichen Vorgängerbaus waren den Planern Inspiration für die Proportionierung des neuen Baukörpers.
Im Erdgeschoss, wo sich im alten Haus ein bei den Kielern recht beliebtes Café befand, ist eine markante Gewerbeeinheit entstanden. Die Fassade ist hier über Eck mit schmalen Fensterformaten zweigeschossig geöffnet. Im Inneren wirkt der Raum in leerem Zustand wie eine Säulenhalle aus Beton. Aktuell hat sich ein japanisches Restaurant eingemietet, das den hohen Raum durchaus zu nutzen versteht. In der hinteren Gebäudehälfte wird diese sogenannte „Dielenhalle“ in zwei Ebenen unterteilt, die als Werkstatt, Büro, Küche oder Lager dienen können. Die Erschließung befindet sich auf dem erhöhten Niveau des Platzes an der Giebelseite.
In den Geschossen darüber befinden sich bis hinauf ins Dach große Wohnungen. Insgesamt bietet das Gebäude 720 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Laut dem Beirat für Stadtgestaltung ist hier „mutiges Haus“ entstanden, das deshalb auch mit dem Kieler Bauherrenpreis 2020 bedacht wurde. (tl)
Fotos: Hagen Stier
Die "Säulenhalle" dient nicht als Abstellfläche für Kinderwägen, sondern ist eine eigenständige Gewerbeeinheit, in der ein japanisches Feinschmeckerrestaurant ("Ann") seine Heimat gefunden hat.
bedauerlicher weise ist in der altstadt das potenzial seitens der stadt und anderen bauträgern auf diese art und weise noch nicht erkannt worden. die benachbarte bebauung des schlossquartiers oder der alten feuerwache mag zwar in den fachmedien als gelungen bewertet worden sein - steht diese doch so eindringlich für die monotonie und simplizität der immer gleichen idee der lückenschließung, die hier im kontext der altstadtinsel bisher scheinbar nicht hinterfragt wurde...
der umstand der kleinparzelierten bebbaung dieser hervorstechenden neubebauung des giebelhauses ist dem hintergrund der abgebrochenen restscheibe der alten feuerwache aus dem 19. jahrhundert verschuldet...
vielleicht führt dieser hintergrund ja zukünftig zu einer einsicht seitens stadt und bauträgern den wert und das potenzial solcher kleinteiligkeit für die altstadt wiederzuerkennen:
für die architektonische vielfalt, für die menschen der stadt, das stadtbild, die attraktivität, stadtleben in dichte und kontext der besonderen lage...
...warum ist die dänische straße so beliebt...?
...dann halt mal direkt an die projektentwickler:
...was der (kieler-)markt nicht hat, sollte vielleicht mal angeboten werden... ?
Und das kommt daher, dass tatsächlich nicht jeder Sichtbeton kann, vor allem die Planer nicht.
auch die formen.
aber die "Säulenhalle" ist als hervorgehobenes element für mich eher einladend zum fahrräder, kinderwägen, bobbycars abstellen und gleich noch von den verschiedenen papierhäufen die werbeheftchen mit zur wohnung zu nehmen....
macht mal fotos in zwei jahren bitte