Auf das Wesentliche reduziert
Trauerhalle in der Oberpfalz von kraus.krauss Architekten
Bereits 2016 startete die Planung zum Neubau einer nicht konfessionsgebundenen Aussegnungshalle durch das Büro kraus.krauss Architekten (Neumarkt in der Oberpfalz), die bis vor Kurzem unter dem Namen Knychalla+Team Architekten und Stadtplaner firmierten. Entstanden ist es im kleinen Pfarrdorf Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz, auf der Fränkischen Alb im Dreieck zwischen den Großstädten Nürnberg, Regensburg und Ingolstadt gelegen. Zwischenzeitlich ausgesetzt und verzögert durch die Pandemie oder die bayerischen Kommunalwahlen, konnte der Bau schließlich 2022 auf einem Areal des bestehenden Friedhofs unweit der katholischen Pfarrkirche St. Vitus für rund 1,6 Millionen Euro fertiggestellt werden.
Die Architekt*innen entwarfen für die Trauerfeiern ein eingeschossiges Gebäude, das auf 230 Quadratmetern einen Andachts- und Abschiedsraum mit circa 80 Sitzplätzen sowie ein Seelsorgezimmer und einen gekühlten Raum zur Sargaufbewahrung umfasst. Die Gemeinde Berg entschied sich beim Neubau des Leichenhauses auf sichtbare religiöse Symbole zu verzichten und mit einer auf das Wesentliche reduzierten, neuen Aussegnungshalle, einen angemessenen Abschiedsort für Menschen aller Bekenntnisse zu schaffen.
Entstanden ist eine Konstruktion aus Stahlbeton auf rechteckigem Grundriss, deren Fassaden aus Ortbeton oder vorgesetzten Betonfertigteilen eine klare Gliederung in Form von Sockel, Lisenen oder Attika aufweisen. Ein überdachter Hof mit Sitzgelegenheiten öffnet sich zum Friedhofsvorplatz, der mit schattenspendenden Bäumen ebenfalls neu gestaltetet wurde. Glastüren erschließen den großzügigen Innenraum, der mit harmonischen, auf dem goldenen Schnitt basierenden Proportionen besticht. Die Raumwirkung wird zum einen durch die Materialien – gestockter und glatter Beton sowie naturbelassenes Eichenholz – zum anderen durch die Lichtführung intensiviert. So werden einzelne Bereiche durch indirektes Licht einerseits betont, andererseits wird der Blick durch flügelartig ausgestellte Betonscheiben vor den Wandöffnungen nach außen Richtung Natur und Himmel gelenkt. (uav)
Fotos: Reinhard Mederer, kraus.krauss Architekten
Die Typologie der Trauerhalle mit zurückhaltender Sachlichkeit zu behandeln, zeigt sich auch an zwei Beispielen aus Katalonien und in der Nähe von London.
Eine Focus-Ausgabe zum Umgang mit Räumen der Gedenk- und Bestattungskultur gibt außerdem bei baunetz CAMPUS.
Hier wurde sich einmal mehr nicht tiefer mit der Bauaufgabe auseinander gesetzt. Was sehr schade ist, weil hier ein großes Potential verschenkt wurde.
wenn nicht sind sie NOCH fragwürdiger, da lenkt gar nix!
schade
Raumeindruck, Materialien, Proportionen sind der Aufgabe sehr angemessen und ein echter Gewinn für Berg.
K.K - lasst Euch nicht verunsichern: die - wie meist schweigende - Mehrheit ist in der Lage, die Qualität zu erkennen.
Ist das Projekt ein Graus oder Grauss?
Mir gefällt Bashing eigentlich nicht, aber das man hier eine wirklich unglaublich schöne Entwurfsaufgabe so verhunzt macht mich eher etwas wütend, als traurig.
Gab es da einen Wettbewerb? Wahrscheinlich nicht. Warum lobt man da nicht einen aus, wo sich auch mal jüngere Büros profilieren könnten? Und ich sag es mal so ... für 1,6 Millionen Euro hätte die Buzze jeder hingekriegt. Das Risiko wäre also sehr gering gewesen, da mal etwas unerfahrenere Architekten ran zu lassen.
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