Temporäres Zuhause fürs Drama
Umbau in Ljubljana von Vidic Grohar Arhitekti
Mit wenigen Eingriffen verwandelten Vidic Grohar Arhitekti (Ljubljana) einen ehemaligen Industriekomplex aus den 1960er-Jahren in den temporären Sitz des Slowenischen Nationaltheaters Drama Ljubljana. Der Umzug war nötig, da das historische Theatergebäude von 1911, Heimat des 44-köpfigen Ensembles, seit 2024 saniert wird. Bis voraussichtlich Ende dieses Jahres spielt das Ensemble daher nicht mehr im Zentrum Ljubljanas, sondern im nördlichen Stadtteil Litostroj im Veranstaltungsort L56.
Bei dem Projekt, das zu den Finalisten der Mies van der Rohe Awards 2026 gehört, handelt es sich weniger um eine radikale Umnutzung als um eine schrittweise Adaptierung: nach jahrelangem Leerstand wurden die beiden Hallen bereits ab 2017 sukzessive zu einem multifunktionalen Veranstaltungsort für Konzerte, Messen und Symposien entwickelt – ebenfalls nach Plänen von Vidic Grohar Arhitekti. Für die Umnutzung zum Theater investierte die Eigentümerin von L56, die Firma Alterna Intertrade, laut Website von Drama Ljubljana rund 1,4 Millionen Euro.
Auf rund 4.000 Quadratmetern entstanden zwei Bühnenumgebungen mit Foyers sowie Service‑ und Publikumsbereichen. Der größere Saal bietet Platz für 361 Gäste, inklusive Lobby, Bar und Terrasse, die sich zum Innenhof öffnet. Im kleineren Saal finden etwa 100 Zuschauer*innen Platz. Hinzu kommen zwei Proberäume und ein pavillonartiger Mitarbeiterbau mit Bar, der sich ebenfalls Richtung Innenhof orientiert.
Beim Umbau kamen überwiegend recycelte und wiederverwendbare Materialien zum Einsatz. So sollen beispielsweise großformatige Brettsperrholzplatten aus den Bühnenbereichen nach der temporären Bespielung leicht demontiert und einer anderen Nutzung zugeführt werden können. Auf einen langfristigen Gebrauch auch nach Auszug des Dramas sind Eingangsbereiche, Pavillon und die Terrasse ausgelegt. Sie wurden in Sichtbeton errichtet.
Der Haupteingang zum großen Saal ist als kleiner überdachter Platz mit länglicher Bank gestaltet. Leichte Dachkonstruktionen aus Wellblech und silbern glänzende Türen greifen den industriellen Charakter auf. Innen strukturieren vor allem textile Elemente die Räume: silbrig schimmernde, an Materialien aus der Raumfahrt erinnernde Vorhänge setzen einen Kontrast zu schweren roten Samtvorhängen, die ganz klassisch auf die derzeitige Theaternutzung verweisen. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Vidic Grohar Arhitekti
- Bauherrschaft:
- Alterna Intertrade / L56
- Fläche:
- 4.000 m²
- Baukosten:
- 1.400.000 €
Mehr zur Schallabsorption durch Vorhänge bei BauNetz Wissen.