Wissenschaft in der Fußgängerzone
Umbau in München von OSA Ochs Schmidhuber Architekten
Wissenschaft in der Fußgängerzone
Umbau in München von OSA Ochs Schmidhuber Architekten
Nutzungsmischung statt Monokultur des Kommerzes – das wünscht sich die Stadt München für ihr Zentrum. Dasselbe Ziel verfolgt auch die lokale Investorenriege, die das Ganze möglich machen kann. Direkt am Karlsplatz ist ein Institut der Max-Planck-Gesellschaft als größter Mieter in den umgebauten Bestand des ehemaligen Karstadt Sports eingezogen. Das Projekt will dabei auch den jüngsten Entwicklungen in der ansonsten stockenden Umgestaltung der Innenstadt trotzen.
Die zentralste Fußgängerzone Münchens resultiert aus dem letzten großen Stadtumbau anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972. Wie vielerorts muss sich der nur temporär belebte und vom schwindenden stationären Handel geplagte Stadtraum neu erfinden. Gleich hinter dem Karlstor ist mithilfe der Transformation ehemaliger Handelsflächen zu Büros und maßgeschneiderten Räumlichkeiten für das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb ein Schritt in Richtung Nutzungsvielfalt erfolgt.
Rund 10.000 der insgesamt 14.000 Quadratmeter besetzt das Institut. Die übrigen Flächen sind an Rechts- und Wirtschaftskanzleien vergeben, zur Einkaufsmeile hin wahrt ein schwedischer Sportartikelladen einen Hauch der früheren Nutzung. Eigentümerin ist die Euro Real Estate, ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Grünwald, das der Wilhelm von Finck Gruppe angehört. Nach sechsjährigem Umbau durch das Büro OSA Ochs Schmidhuber Architekten (München), das in Direktbeauftragung für den Münchner Entwickler Accumulata agierte, ist vergangenen Sommer die Immobilie fertiggestellt worden.
Früheres Signa-Objekt
Der Standort für das Projekt Herzog Max ist in mehrfacher Hinsicht „historisch“. Nicht nur gründet der Bau auf Teilen der alten Stadtmauer oder ist die barocke Fassade des Eckhauses denkmalgeschützt. Das Objekt liegt auch in einer Achse mit der Alten Akademie und weiteren brachliegenden Immobilienprojekten der bis vor wenigen Jahren hochspekulativ agierenden Signa Holding. Tatsächlich war auch das Haus an der Ecke Neuhauser Straße / Herzog-Max-Straße einst im Portfolio des inzwischen insolventen Unternehmens, dieses veräußerte es jedoch schon 2012 und damit noch lange bevor die Geschäftspraktiken des Vorbesitzers in die öffentliche Wahrnehmung gerieten.
Rund 10.000 der insgesamt 14.000 Quadratmeter besetzt das Institut. Die übrigen Flächen sind an Rechts- und Wirtschaftskanzleien vergeben, zur Einkaufsmeile hin wahrt ein schwedischer Sportartikelladen einen Hauch der früheren Nutzung. Eigentümerin ist die Euro Real Estate, ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Grünwald, das der Wilhelm von Finck Gruppe angehört. Nach sechsjährigem Umbau durch das Büro OSA Ochs Schmidhuber Architekten (München), das in Direktbeauftragung für den Münchner Entwickler Accumulata agierte, ist vergangenen Sommer die Immobilie fertiggestellt worden.
Früheres Signa-Objekt
Der Standort für das Projekt Herzog Max ist in mehrfacher Hinsicht „historisch“. Nicht nur gründet der Bau auf Teilen der alten Stadtmauer oder ist die barocke Fassade des Eckhauses denkmalgeschützt. Das Objekt liegt auch in einer Achse mit der Alten Akademie und weiteren brachliegenden Immobilienprojekten der bis vor wenigen Jahren hochspekulativ agierenden Signa Holding. Tatsächlich war auch das Haus an der Ecke Neuhauser Straße / Herzog-Max-Straße einst im Portfolio des inzwischen insolventen Unternehmens, dieses veräußerte es jedoch schon 2012 und damit noch lange bevor die Geschäftspraktiken des Vorbesitzers in die öffentliche Wahrnehmung gerieten.
Nutzungsbedingte Anpassung
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das ursprüngliche Gebäude errichtet. Kriegsschäden und Wiederaufbau, eine Erweiterung entlang der Seitenstraße sowie ein radikaler Umbau 1990 führten zur Ausgangslage für die jüngste Transformation. Es galt, die großen Tiefen und schlechte Belichtungssituation der vorherigen Handels- und Lagerflächen in eine adäquate Büroumgebung zu verwandeln. Der Ankermieter, der sich neben der natur- auch der geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschung widmet, bezog das 1. bis 3. Obergeschoss sowie eine immense Bibliothek im Untergeschoss, die rund 270.000 Bände umfasst und teils auch öffentlich nutzbar ist.
Das Fundament musste für die höheren Lasten durch die Bibliothek und den statisch herausfordernden Einschub einer zweigeschossigen Lobby sowie generell aufgrund einer komplexen Vorsituation der Gründung ertüchtigt werden. In den oberen Geschossen ist das Tragwerkskonzept aus den 1990er Jahren als Stahlbetonkonstruktion mit einem Stützenraster von 10 x 10 Metern weitgehend gleichgeblieben.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das ursprüngliche Gebäude errichtet. Kriegsschäden und Wiederaufbau, eine Erweiterung entlang der Seitenstraße sowie ein radikaler Umbau 1990 führten zur Ausgangslage für die jüngste Transformation. Es galt, die großen Tiefen und schlechte Belichtungssituation der vorherigen Handels- und Lagerflächen in eine adäquate Büroumgebung zu verwandeln. Der Ankermieter, der sich neben der natur- auch der geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschung widmet, bezog das 1. bis 3. Obergeschoss sowie eine immense Bibliothek im Untergeschoss, die rund 270.000 Bände umfasst und teils auch öffentlich nutzbar ist.
Das Fundament musste für die höheren Lasten durch die Bibliothek und den statisch herausfordernden Einschub einer zweigeschossigen Lobby sowie generell aufgrund einer komplexen Vorsituation der Gründung ertüchtigt werden. In den oberen Geschossen ist das Tragwerkskonzept aus den 1990er Jahren als Stahlbetonkonstruktion mit einem Stützenraster von 10 x 10 Metern weitgehend gleichgeblieben.
Einschnitte und Angleichungen
Größere Eingriffe nahmen die Planenden durch nun versetzte Treppenhauskerne vor, die eine aussteifende Funktion haben und fortan seitlich statt zentral verortet sind. Ebenfalls wurden drei Lichthöfe geschaffen, die teilweise bis in das Erdgeschoss reichen. Eine Gebäudebrücke zum benachbarten Kaufhaus wurde gekappt, eine unterirdische Verbindung ist aufgrund der gemeinsamen Tiefgaragennutzung erhalten geblieben. Insgesamt ist durch Gastronomie, Begrünung und neue Beleuchtung die flankierende Herzog-Max-Straße vom schmalen, dunklen Verbindungsweg zum einladenden Stadtraum avanciert. Ebenfalls ist der nichtöffentliche Innenhof aufgewertet worden. Dort sollen auch Teile eines der bislang unterirdisch verlaufenden Stadtbäche freigelegt werden.
Denkmalgeschützt ist die Fassade des Vorderhauses, der Innenhof und die historische Dachaufsicht – jedoch nicht die Dachkonstruktion selbst. Diese wurde in Holz, Stahl und Beton von Grund auf neu aufgebaut, mit Kupfereindeckungen und Biberschwanzziegel gedeckt und der ursprünglichen Dachlandschaft entsprechend gestaltet. Die umfassend sanierte Fassade des Vorderhauses behielt ihre ursprünglichen Proportionen. Die Schauseite des hinteren Erweiterungsbaus ist der historischen angeglichen und um mehr Fenster für die neue Büronutzung ergänzt.
Synergien durch Standortwahl
Das öffentlich finanzierte Max-Planck-Institut mietet zunächst über 20 Jahre. Zu Baukosten und Mietpreisen äußern sich weder Entwickler noch Nutzer. Letzterer betont jedoch, die neue Miete sei günstiger als die der bisherigen Standorte, die von der Generalverwaltung am Marstallplatz bis nach Berlin reichten. Die prestigeträchtige neue Adresse böte zudem kurze Wege zu den Universitäten LMU und TU, deren Studierende in die Forschung – und damit in die Münchner Fußgängerzone – angezogen werden sollen.
Größere Eingriffe nahmen die Planenden durch nun versetzte Treppenhauskerne vor, die eine aussteifende Funktion haben und fortan seitlich statt zentral verortet sind. Ebenfalls wurden drei Lichthöfe geschaffen, die teilweise bis in das Erdgeschoss reichen. Eine Gebäudebrücke zum benachbarten Kaufhaus wurde gekappt, eine unterirdische Verbindung ist aufgrund der gemeinsamen Tiefgaragennutzung erhalten geblieben. Insgesamt ist durch Gastronomie, Begrünung und neue Beleuchtung die flankierende Herzog-Max-Straße vom schmalen, dunklen Verbindungsweg zum einladenden Stadtraum avanciert. Ebenfalls ist der nichtöffentliche Innenhof aufgewertet worden. Dort sollen auch Teile eines der bislang unterirdisch verlaufenden Stadtbäche freigelegt werden.
Denkmalgeschützt ist die Fassade des Vorderhauses, der Innenhof und die historische Dachaufsicht – jedoch nicht die Dachkonstruktion selbst. Diese wurde in Holz, Stahl und Beton von Grund auf neu aufgebaut, mit Kupfereindeckungen und Biberschwanzziegel gedeckt und der ursprünglichen Dachlandschaft entsprechend gestaltet. Die umfassend sanierte Fassade des Vorderhauses behielt ihre ursprünglichen Proportionen. Die Schauseite des hinteren Erweiterungsbaus ist der historischen angeglichen und um mehr Fenster für die neue Büronutzung ergänzt.
Synergien durch Standortwahl
Das öffentlich finanzierte Max-Planck-Institut mietet zunächst über 20 Jahre. Zu Baukosten und Mietpreisen äußern sich weder Entwickler noch Nutzer. Letzterer betont jedoch, die neue Miete sei günstiger als die der bisherigen Standorte, die von der Generalverwaltung am Marstallplatz bis nach Berlin reichten. Die prestigeträchtige neue Adresse böte zudem kurze Wege zu den Universitäten LMU und TU, deren Studierende in die Forschung – und damit in die Münchner Fußgängerzone – angezogen werden sollen.
Bautafel
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- OSA Ochs Schmidhuber Architekten
- Bauherrschaft:
- Accumulata
- Fläche:
- 14.000 m²
Kommentare
Schwabylon
Ein gelungenes Projekt, dass der Verelendung und Verramschung der Fußgängerzone entgegenwirken könnte.
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