Abstraktes Modell eines Hauses
Weingut von PLANT am Plattensee
Wo es bei uns draußen gerade immer kälter wird und streng auf Weihnachten zugeht, da erreicht uns frohe Kunde aus Ungarn: Die Architekten von PLANT – Atelier Peter Kis schicken Fotos des Neubaus, den sie bereits im Spätsommer für ein ungarisches Weingut eröffnet haben.
Es liegt direkt am Plattensee im Südwesten Ungarns, einem der ehemals wohl beliebtesten Reiseziele der reisebeschränkten DDR-Bürger. Hier, wo der Berg Badacsony seine Füße in den See schiebt und eine Landzunge formt, schiebt sich nun aus den letzten Ausläufern des Berges, mitten im dicht besiedelten Sprawl entlang des Seeufers, das neue, strahlend weiße Weingut Laposa. Die Architekten schreiben, sie hätten die Topographie des Bergs, der schnell auf 440 Meter ansteigt, als Ausgangspuntk für den Entwurf genommen: Ein Großteil der Weinkeller, Lager- und Produktionsräume ist unterirdisch in den Hang geschoben. Über der Erde bleibt so nur ein recht moderates Volumen sichtbar, etwa ein Viertel der gesamten Anlage. Diese bezieht sich einerseits mit ihrem Satteldach auf die Bebauung der Umgebung, hebt sich aber andererseits durch die lang gezogene, leicht gebogene Form und das strahlende Weiß von der durch das vulkanische Basaltstein geprägten Landschaft deutlich ab.
Die Architekten beschreiben das Gebäude als „abstraktes Modell“ eines Hauses. Tagsüber ist zwischen den offenen und den geschlossenen Fassadenteilen kaum zu unterscheiden, die einen sind aus gefärbtem Sichtbeton, die anderen aus Glas mit einer darüber liegenden Metallhaut. Auf beide Materialien haben die Architekten das Ornament einer Weinpflanze übertragen – so, als würde das abstrakte Haus von einer abstrakten Weinranke umhüllt.
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Vor eingen Jahren war ich am Plattensee und habe dort an einem Ortsrand giebelständig aufgereihte Weinkeller gesehen. Auch hier gingen die Keller in Verlängerung des oberirdischen Eingangshäuschen tief in den Hang hinein.
Plant hat also "nur" die traditionelle Struktur gekonnt ins 21. Jahrhundert übertragen! Es muss also kein Fehler sein, Bewährtes neu zu interpretieren.