Die Altstadt im Wesen wieder gründen
Wettbewerb in Frankfurt entschieden
Die Bemühungen der Stadt Frankfurt, auf dem Gelände des abgängigen Technischen Rathauses eine Altstadt-Simulation zu errichten, sind mit einer Wettbewerbsentscheidung von Ende Dezember 2009 einen Schritt weiter gekommen. Dabei ging es um den Neubau eines „Stadthauses am Markt“ und die Einbeziehung des vorhandenen „Archäologischen Gartens“. Die Jury unter Vorsitz von Franz Pesch vergab diese Preise:
- 1. Preis: Prof. Bernhard Winking Architekten BDA, Berlin, Hamburg
- 2. Preis: Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, Dülmen-Rorup
- 3. Preis: Braun & Schlockermann und Partner, Frankfurt am Main, Berlin
- 4. Preis: Meurer Architekten + Stadtplaner, Frankfurt / Main; cba - christian bauer & associés architectes, Luxembourg
- Engere Wahl: Max Dudler Architekt, Berlin, Zürich, Frankfurt/Main
- Engere Wahl: Atelier 30 Architekten GmbH - Fischer, Creutzig, Kassel
Bei dem Wettbewerb waren umfangreiche Vorgaben einzuhalten. Aus der Auslobung: „Erwartet wird eine Lösung, die das historisch geprägte Ensemble Dom-Altstadt-Römerberg ergänzt und bereichert. Die Teilnehmer müssen sich mit unterschiedlichen Gebäuden aus verschiedenen Epochen auseinandersetzen. Hierzu zählen der Kaiserdom St. Bartholomäus, das aus den 1960er Jahren stammende Gebäude des Kunstvereins, das aus den 1980er Jahren stammende Gebäude der Kultur-Schirn, das kürzlich fertig gestellte katholische Kultur- und Begegnungszentrum ‚Haus am Dom‘ sowie die vorgesehene Bebauung auf dem Grundstück des Technischen Rathauses.
Es ist beabsichtigt, die Altstadt Frankfurts in ihrem Wesen wieder zu gründen. Aus diesem Grund soll in Zusammenhang mit der Überbauung des Archäologischen Gartens auch eine Häuserzeile am so genannten Krönungsweg, dem Straßenzug ‚Markt‘ wieder entstehen, die zwei für eine Rekonstruktion vorgesehene Fachwerkhäuser einbezieht. Die Gebäude ‚Rotes Haus‘ im Westen und ‚Goldene Waage‘ im Osten sollen möglichst originalgetreu rekonstruiert werden. Diese Häuserzeile ist funktional und gestalterisch in die Bebauung ‚Archäologischer Garten‘ zu integrieren.“
Die Jury beurteilte den ersten Preis so: „Ein großes stattliches Gebäude für das neue Stadthaus am Markt – eine schöne Idee. Die Entscheidung, die Häuserzeile entlang des Markts weitestgehend zu rekonstruieren, hält den Verfassern den Rücken frei, eine wunderbar gelassene städtebauliche Lösung mit einem großen Haus, in dem alle Funktionen des Stadthauses untergebracht sind. Dadurch, dass das Raumprogramm auf das unbedingt Erforderliche reduziert wird, gelingt es den Verfassern, den Fußabdruck des Gebäudes auf das Ausmaß der Karolingischen Königshalle zu beschränken. Das hat zur Folge, dass sowohl vor dem Dom als auch zur Schirn hin großzügig dimensionierte Platzräume gebildet werden.
Insgesamt handelt es sich um einen sehr wertvollen Beitrag der auf überraschende Weise die komplexe Aufgabenstellung in einem (scheinbar) einfachen Haus löst und der auch hinsichtlich einer eventuellen Weiterentwicklung großes Potenzial aufweist.“
Eine Ausstellung der Siegerarbeiten ist noch bis zum 27. Januar 2010 im Atrium des Planungsdezernats zu sehen. Alle Beiträge werden vom 1. bis 15. Februar 2010 in den Römerhallen im Rathaus Römer der Stadt Frankfurt ausgestellt.
Kommentare
the passenger
An Sebi: Danke für die Literaturemfehlung!
sebi
so, jetzt noch ein ernst gemeinter kommentar zu den entwürfen. vielen dank herrn winking. das ständehaus als eigenständiger ablesbaren baukörper zu formulieren, ist sicher die glücklichste der hier gezeigten lösungen.
sebi
er wäre doch schön, wenn die stadt frankfurt an den toren zur altstadt demnächst gehröcke und schirme für den herren und sonnenhüte für die damen austeilen würde - leihweise versteht sich. literaturempfehlung:Adolf Loos, Warum ein Mann gut angezogen sein sollte, Neuauflage im Metroverlag von 2007
bullit
das sepia bild von kleihues ist in sich stimmig und gibt den geist des entwurfes und die geistige haltung des büros eigentlich sehr gut wieder. von gestern eben.
Lars U.
hat Frankfurt ein neues Straßenbahndepot.
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