Familiensache
Wohnhaus in Bregenz von Michael Mayer und Laura Untertrifaller
Das haben wir wirklich selten in unseren Meldungen: Ein Bauprojekt, das nicht von einem Architekturbüro stammt, sondern das angestellte Architekt*innen für die eigene Familie entwickelt und umgesetzt haben. Das Haus für vier Generationen in Bregenz ist eine solche Unternehmung.
Hinter dem Vorhaben stehen Michael Mayer und Laura Untertrifaller. Er arbeitet im Büro Cukrowicz Nachbaur, sie bei Dietrich Untertrifaller. Und um auch diese naheliegende Frage gleich zu klären: Bürogründer Much Untertrifaller ist der Vater der verantwortlichen Architektin. In der Entwicklungsphase habe er mitgewirkt, erklärt Mayer gegenüber BauNetz, nun nutzt er mit seiner Frau eine Wohnung im Erdgeschoss. Die Großmutter lebt direkt daneben. In beiden Wohnungen wurden Dusche beziehungsweise Badewanne in den Schlafbereich integriert. Die junge Generation (die Architektin und ihre Schwester samt Familie) bewohnt wiederum die beiden Maisonetten im ersten und zweiten Obergeschoss. Im Keller gibt es außerdem ein Atelier und eine Werkstatt.
Konstruktiv handelt es sich um einen Hybridbau. Im Kern wurde mit Stahlbeton gearbeitet, die Außenwände wurden als Holzrahmenbau ausgeführt. Sechs Stahlstützen in den nichttragenden Außenwänden leiten gezielt Lasten einzelner Betonwände ab. Die Architekt*innen betonen den Gegensatz von weitläufigen, mineralischen „Allgemeinbereichen“ mit großen Panoramafenstern und den komplett mit Weißtanne ausgekleideten „Kammern“, die nur kleine Fensteröffnungen erhielten. „Zusammensein“ und „Mit-sich-Sein“ werden so architektonisch klar artikuliert.
Ein genauer Blick auf die Pläne offenbart Stufen in den beiden Erdgeschosswohnungen. Etwas verwunderlich für ein Mehrgenerationenhaus, denkt man bei dieser Bauaufgabe doch sofort an Barrierefreiheit. Mayer erklärt, dass dieser Kompromiss bewusst in Kauf genommen wurde. Seine Frau und er haben „ein spezifisches Haus und keine eierlegende Wollmilchsau“ bauen wollen. Über ihren Ansatz schreiben sie zusammenfassend: „Die Entscheidung, ein gemeinsames Haus zu bauen, versteht das Leben in der großen Familie als Qualität – räumlich, sozial und ökonomisch. Aus diesem Verständnis entsteht ein ehrliches, leistbares Zuhause, das Gemeinschaft und Intimität gleichermaßen ermöglicht.“
Der eigene Beitrag beim Bau sei hoch gewesen, betonen die Architekt*innen. Die gesamte Holzauskleidung der Kammern habe man selbst erledigt. Das verwundert bei einem solchen Projekt ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Fotograf erst im letzten Jahr da war, um das bereits 2023 fertiggestellte Haus für die Publikation abzulichten. (gh)
- Fertigstellung:
- 2023
- Architektur:
- Michael Mayer und Laura Untertrifaller
- Tragwerksplanung:
- Mader Flatz Schett
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 736 m² Bruttogrundfläche
städtebaulich und gestalterisch - na ja. vor 25 jahren wäre das vielleicht revolutionär gewesen, heute ist es nicht mehr als ganz gut gemachter, aber durchaus hinterfragbarer minimalismus mit hang zu berufständischer selbstverliebtheit, die ihr architektonisches haltbarkeitsdatum leider schon etwas überschritten hat.
Warum eigentlich? Hoffen wir mal, dass keiner der Bewohner mal so gebrechlich wird, dass man sich bei dieser Sau zumindest nach ein paar barrierefreien Eiern zurücksehnt. Wäre ja wirklich problemlos umsetzbar gewesen. Wir leben selbst in einem -deutlich größren- Mehrgenerationenquartier und sehen sehr oft, was für eine Qualität es in sich trägt, wenn man seine verwurzelte Wohnumgebung bis ins hohe Alter nutzen kann, weil die Wohnungsplanungen das schon mitgedacht hatten.
Ein Blick in zahlreiche Neubausiedlungen der letzten 20 bis 30 Jahre in deutschen Dörfern und Städten offenbart vielerorts einen deutlichen Verlust an Baukultur und gestalterischer Sorgfalt. Ein Gebäude mit dieser konzeptionellen Tiefe infrage zu stellen sagt letztlich mehr über die Haltung der Kritiker*innen aus als über die architektonische Qualität des Projekts selbst.