Auf der Suche nach Koexistenz
Wohnhaus von OF Architects und Ignacio G Galán in Ávila
Spanien brennt. Rund um Madrid und Ávila scheint sich die Lage langsam zu stabilisieren. Ausgerechnet hier steht ein Haus, mit dem die Architekt*innen den Wald nicht als Kulisse begreifen wollen, sondern als Teil eines „Ökosystems“, mit dem der Mensch verbunden ist. Camp Alliances heißt das private Wohnhaus, das nach Plänen von Ignacio G. Galán (New York/Madrid) und OF Architects (Madrid) in einem Kiefernwald bei Ávila, rund 80 Kilometer nordwestlich von Madrid, entstand. Sein Name verweist auf Sommerlager und die Kindheitserinnerungen der Bauherrschaft an gemeinsames Entdecken, das Leben im Wald und die dabei entstehenden Allianzen – nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit Pflanzen, Tieren und Wasser.
Viele spanische Kiefernwälder sind keine natürlichen oder naturnahen Wälder, sondern Monokulturen, die im 19. Jahrhundert für die Holz- und Harzgewinnung angelegt wurden. Heute machen dichte Bestände, trockenes Unterholz und der Klimawandel sie besonders anfällig für großflächige Brände. In der Provinz Ávila, wo Camp Alliances steht, hat man diese Bedrohung Ende Juli unmittelbar gespürt: Orte wurden zeitweise abgeriegelt, einzelne Siedlungen in der Umgebung mussten evakuiert werden.
Ein eiserner Aussichtsturm aus dem späten 19. Jahrhundert – häufig fälschlicherweise Gustave Eiffel zugeschrieben – erinnert an die Zeit, als der Wald als Wirtschafts- und Forstgebiet überwacht wurde. Für die Architekt*innen ist er Sinnbild eines Naturverständnisses, das auf Kontrolle und Ausbeutung beruht. Mit Camp Alliances wollen sie dieser Haltung eine andere entgegensetzen. Das Projekt suche die Koexistenz mit dem Wald.
Der Baukörper greift so wenig wie möglich in den Baumbestand ein. Natürliche Belüftung, eine hinterlüftete Keramikfassade und eine großzügige Veranda tragen zur klimatischen Regulierung des Hauses bei. Die Veranda bildet einen zusätzlichen Puffer und soll als eigentlicher Aufenthaltsort des Hauses dienen. Ganz anders als der historische Aussichtsturm, der den Wald aus der Distanz überblickt, bringe sie die Bewohner*innen auf Augenhöhe mit den Bäumen, so Ignacio G. Galán und OF Architects. Weil das Haus am Hang steht, schwebt sie auf V-Stützen gestelzt eine ganze Geschosshöhe über dem Boden.
Das Grundstück ist nicht an eine Kanalisation angeschlossen. Deshalb entwickelten die Architekt*innen ein eigenes Wassermanagementsystem. Statt den Großteil des Abwassers in einer Klärgrube zu sammeln, wird es biologisch gereinigt und in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt – ein Konzept, das sie als „un-tanking“ bezeichnen. Das gereinigte Wasser speist einen neu angelegten Teich, der Lebensraum für Amphibien, Insekten und Vögel schafft. Ergänzt durch Pflanzen für Bestäuber soll so ein geschädigtes Ökosystem regeneriert und die Artenvielfalt gestärkt werden.
Der Zugang zum Haus erfolgt über einen geschützten Eingang an der Nordseite. Eine Wendeltreppe führt hinauf auf die Veranda. Eine Aussparung macht Platz für einen bestehenden Baum, der durch die Konstruktion hindurchwächst. Im Erdgeschoss gliedert eine Schiebewand den Grundriss. Sie trennt den rückwärtigen Küchen- und Sitzbereich vom Wohnraum, der sich über Schiebetüren entlang der Südfassade wiederum zur Veranda öffnen lässt.
Holzoberflächen, Fliesenböden, schlanke grüne Stützen und transparente Vorhänge prägen die Innenräume. Eine zweite Wendeltreppe mit grüner Metallverkleidung führt vom Eingangsbereich ins Obergeschoss. Durch die Kombination aus Sattel- und Pultdächern besitzt jeder Raum Fenster an mindestens zwei Fassaden, was für Tageslicht, natürliche Querlüftung und Ausblicke in den Wald sorgt. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Ignacio G. Galán, Álvaro M. Fidalgo, Arantza Ozaeta
- Mitarbeit:
- Natalia Molina (Entwurf und Darstellung); Bella Carriker und Pablo Saiz del Rio (Darstellung)
- Landschaftsarchitektur:
- Ambienta Paisajismo
- Tragwerksplanung:
- Alfredo Lafuente
- Kostenplanung:
- Jorge Chico Jiménez
- Bauherrschaft:
- privat
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der wald ist gross genug, das riesenhaus hat sich ein grundstück gesucht und jetzt steht es da. und dass es nicht ans wasser angeschlossen ist ist wohl eher der entfernung zuzuschreiben. mit ein bischen brauchwasseraufbereitung kommt man da nicht sehr weit....