Münsteraner Himbeer-Pop
Wohnhausumbau von Kresings
In Münster sind Gebäudefassaden entweder aus Sandstein oder aus rotem Klinker – wenn nicht wie bei den barocken Kirchen und Palais von Johann Conrad Schlaun beide Baustoffe zur sogenannten „Westfälischen Sinfonie“ kombiniert werden. Auch jüngere Projekte zeigen, dass man sich nach wie vor an die Formel „Klinker oder Sandstein“ hält: etwa beim Verwaltungsbau von behet bondzio lin architekten oder dem Landesmuseum von Staab Architekten.
Wenn nun ein Wohnhaus im zentralen Hansaviertel mit Metall verkleidet und zudem in ein poppiges Himbeerrot getaucht wird, dann ist das Ergebnis ein veritabler Exot. Das war auch die Absicht des ortsansässigen Büros Kresings, die ein bestehendes Mehrfamilienhaus aus den 1950er Jahren nach heutigen Nutzungs- sowie Energiestandards umgebaut und dabei eben jenes Rot augenfällig zum Einsatz gebracht haben. „Etwas Farbe“ könne „das Viertel sehr gut vertragen“, heißt es dazu betont nüchtern in der Pressemitteilung des Projekts. Dessen Bauherren – der Architekt Kilian, der mit seinem Vater das Büro Kresings leitet, und sein Bruder, der Kaufman Konstantin Kresing, – sind selbst Münsteraner und gut mit dem Viertel bekannt.
Die knallige Farbe der Metallpaneele ist Teil und Ausdruck einer Reihe klarer Maßnahmen, mit denen die Architekt*innen den Bestand neu denken wollten. Dazu gehören große bodentiefe Fenster anstelle alter Standardgrößen, ein eigenes Fassadentragwerk aus Holz, mineralische Dämmstoffe, effiziente Wohnungsgrundrisse und mehr gemeinschaftliche Nutzungen. 15 Wohneinheiten entstanden auf einer Gesamtfläche von 450 Quadratmetern. Dafür senkten Kresings den Halbkeller um 60 Zentimeter ab, bauten das Spitzdach aus und integrierten die bestehenden Balkone in den Wohnraum, in dem sie die neue Hülle vorbauten. Die Wohneinheiten sind meist ohne Flur, dafür alle mit einem französischen Fenster ausgestattet. Ein Kunstgriff, der den Wegfall der Balkone kompensieren soll.
Städtebaulich ist das Wohnhaus weiterhin gut in die Struktur des Viertels eingebettet. Kresings folgten mit ihrer Sanierung allen Höhen und Referenzpunkten der Umgebung. Insbesondere die markante Traufe der Nachbargebäude haben die Architekt*innen detailliert nachempfunden – nur eben nicht mit rostrotem Klinker, sondern mit himbeerrot beschichtetem Metall. (sj)
Fotos: Roman Mensing
Bleint nur noch die Frage: Warum ist die BauNetz Redaktion nicht in der Lage auch solche kritischen Seiten eines Projekts zu beleuchten??
Sicherlich ist eine gute Farbgestaltung ein elementarer Bestandteil von "guter Architektur" – es ist aber auch das subjektivste Kriterium überhaupt. Gibt es da noch weitere Argumente als "tolle Farbe" und dass studentisches Wohnen generell gut ist? Falls es zu manchen Kollegen aus der Provinz noch nicht durchgedrungen ist – in wachsenden Studentenstädten, ist die Rendite für Investoren bei Apartments enorm! Momentan schießen diese wie Pilze aus dem Boden und über 500 € kalt für 20qm, ist da eher die Regel und nicht die Ausnahme. Die Bonbonfarbe versüßt, dahingehend sicherlich den Lebensunterhalt eines jeden Studenten. Lebendige Studentenviertel entstehen anders. Unsaniert hätten hier Studenten in WG´s sicherlich die Hälfte an Miete gezahlt (mit vielleicht etwas mehr Nebenkosten) – ein paar Eimer Farbe in "Himbeerrot" wären da allemal drin gewesen.
Sie erwarten zu viel von unserer Zunft (und unseren Bauherrn), die allgmeine Farblehre und Entscheidung dazu hat schon manchen mir Bekannten das Semester gekostet... Der reduzierte RAL-Farbfächer kann da Schützenhilfe leisten... ...und außerdem sollten wir der Farbchemie wieder mehr auf die Spünge helfen, die habens halt auch echt schwer in diesen Zeiten - Regenbogenfarbenfassaden schaffen Arbeitsplätze! ...was mich wundert: hier wurde noch gar nicht das Lokdepot von RobertNEUN in Berlin zitiert. Gut so, denn der Vergeich wäre hier auch absolut verfehlt...