Aufatmen trotz Abriss
Zu den geänderten Umbauplänen des Lindenau-Museums in Altenburg
Als Anfang letzten Jahres die Umbaupläne für das Lindenau-Museum im thüringischen Altenburg bekannt gemacht wurden, war die Empörung immens. Auch im BauNetz wurde ausführlich über den Entwurf des Büros Kummer. Lubk. Partner diskutiert. Das 1876 eröffnete Museum wurde 1910 um eine neubarocke Treppenanlage ergänzt. Insbesondere deren Rückbau erhitzte die Gemüter gewaltig, denn die Erfurter Planer*innen schlugen vor, die massive Anlage durch eine schlichte Plattform auf schrägen Stützen zu ersetzen und den neuen Sockelbau voll verglast nach außen zu öffnen.
Der Entwurf wäre blind gegenüber dem historischen Kontext, der alte Eingangsbereich werde zum Fragment degradiert, kommentierten viele BauNetz-Leser*innen. Neben dem Entwurf wurde der gesamte Planungsprozess in Frage gestellt. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Dem VgV-Verfahren war allem Anschein nach weder ein Abwägen noch Beraten vorangegangen. Der ganze Prozess sei mehr als intransparent und undemokratisch. Die Tatsache, dass es keinen Architekturwettbewerb gab, stieß bei vielen auf Unverständnis.
Die Verantwortlichen lenkten ein, berieten sich neu und holten den Wettbewerb nach. In einem Bearbeitungsverfahren wurden sechs Vorschläge zur Neugestaltung des Eingangsbereiches eingereicht. Im Februar dieses Jahres entschied sich die 14-köpfige Jury für den Entwurf von Hoskins Architects (Berlin/Glasgow). Unter den teilnehmenden Büros wurden keine weiteren Preise oder Anerkennungen vergeben. Die eingereichten Entwürfe kamen von Lederer Ragnarsdóttir Architekten (Berlin), Atelier ST (Leipzig), Springer Architekten (Berlin), BASD Schlotter und Kruschel Architekten (Berlin) und Peter Zirkel Architekten (Dresden). Zur weiteren Bearbeitung ihres Entwurfs sollen Hoskins Architects nun mit dem ursprünglich beauftragten Büro Kummer. Lubk. Partner zusammenarbeiten.
Auch im jetzt durchgeführten Konkurrenzverfahren gelang es nur Springer Architekten, das geforderte Raumprogramm so unterzubringen, dass der zur Disposition stehende historische Sockel erhalten werden konnte. Die Bemühungen der Berliner blieben jedoch erfolglos.
Der ausgezeichnete Entwurf von Hoskins Archietcts sieht eine Fassade aus Lehm und Kalk vor. Ganz im Gegensatz zum Vorgängerentwurf, der durch viel Glas und schmale Stützen einen schwebenden Effekt zu erzeugen suchte, verleiht der massige Unterbau von Hoskins dem Museum eine gewisse Erdung. Auf dem Dach soll sich eine Terrasse befinden. Zwischen Bestand und Erweiterung setzten die Architekt*innen zwei schmale Lichthöfe, die das Innere erhellen sollen.
Als Begründung für den Abriss der historischen Treppenanlage wird die Barrierefreiheit herangezogen. Alle anderen Lösungsversuche, die Treppe doch zu erhalten, seien unbefriedigend gewesen, betont Landeskonservator Holger Reinhardt gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk. In dem Artikel wird die Erleichterung aller Beteiligten deutlich. „Wir haben Einigkeit gewonnen. Wir sind aus der gefühlten Sackgasse rausgekommen. Wir haben jetzt ein salomonisches Ergebnis, mit dem wir wieder in die Projektarbeit einsteigen können“, wird etwa die Projektingenieurin Ute Wittstock zitiert.
Trotz Kursänderung besteht weiterhin der Eindruck, dass es sich für die Verantwortlichen noch immer um eine heikle Angelegenheit handelt und ein Offenlegen aller Informationen scheinbar als nicht selbstverständlich erachtet wird. So bleibt man in Altenburg weiterhin zurückhaltend und möchte beispielsweise kein Juryprotokoll zur Verfügung stellen. Zugänglich sind also nur ein paar wenige Auszüge aus dem Protokoll, die auf der Webseite des Lindenau-Museums nachzulesen sind. (dsm)
Ich hätte mich sehr darüber gefreut,
LRO hätten sich hier durchgesetzt,
auch wenn der jetzige Wettbewerbssieger
den Bestand weit weniger nun verletzt,
als dies beim ursprünglichen Sieger geschah.
Ob die Freitreppe mehr dem Sitzen dienen
sollte, darüber ließe sich streiten,
doch würde sie ganz selbstverständlich die Gäste
an des Hauses einzig wahren Eingang leiten.
Schade, dass die Jury das (noch?) anders sah!
Gratuliert sei dennoch den Auslobern,
den Fehler des Erstwettbewerbs zu gesteh´n!
Das macht Hoffnung, dass man ist auch weiterhin offen,
auch das zweite Verfahren noch einmal zu dreh´n,
denn das Gute liegt nun schon so nah!
Warum allerdings kein "normaler" Wettbewerb nach RPW mit einer angemessenen Anzahl von Teilnehmern?
Warum wurde nach all der Empörung nicht gleich ein offener Wettbewerb gestartet? Dies wäre doch die demokratischste Möglichkeit zur Lösungsfindung gewesen und häte sich am stärksten vom damaligen Gemauschel unterschieden?
Schräge Stützen und Glas weg, dafür massige Säulen mit Riemchen verkleidet her. Wenig überraschend, dass ausgerechnet dieser Entwurf gewonnen hat. Da passt dann die zukünftige Zusammenarbeit mit Kummer-Lubk wie die Faust aufs Auge; wenn es diese Zusammenarbeit nicht in irgendeiner Form schon vorab gab? Wer weiß.
Denk ich an Thüringen in der Nacht, ...
...mit zentralem Eingang über das Untergeschoss können meiner Meinung nach alle nicht vollständig überzeugen......die Auslagerung in ein Nebengebäude ist ein grundsätzlich ein guter Vorschlag...die Ausformulierung dieses Gebäudes durch Springer Architekten ist aber so abwegig, das diese Lösung im Preisgericht vermutlich nicht ernsthaft diskutiert wurde......jegliche Phantasie fehlt mir dazu wie die Zusammenarbeit zwischen dem Wettbewerbsgewinner und den rührigen und scheinbar bestens vernetzten Lokalmatadoren aussehen soll.....mal ganz ehrlich...die sind aus verschiedenen Galaxien....das kann nicht funktionieren...