Tempelhofer Freiheit
gross.max gewinnen Wettbewerb in Berlin
Wer am Wochenende in Ruhe auf dem Tempelhofer Feld spazieren, flanieren oder radfahren will, muss früh aufstehen. Die Berliner haben die weite Freifläche auf dem ehemaligen Flugfeld bereits in ihr Herz geschlossen und hier einen geeigneten Rückzugsort vor den Touristenströmen gefunden – ab Mittag sind Wiesen und Landebahnen der neuen „Grünen Lunge“ Berlins bereits gut gefüllt. Auch wenn der Park kaum noch den Charakter einer Brachfläche hat – er ist noch gar nicht fertig. Vergangene Woche wurde endlich das Wettbewerbsverfahren für die Neugestaltung der riesigen innerstädtischen Parkanlage entschieden. Das schottische Team gross.max Landschaftsarchitektur und Sutherland and Hussey Architects (beide aus Edinburgh) konnte sich mit seinem Entwurf „Tempelhofer Freiheit“ in der zweiten Phase gegen die fünf anderen Teams aus Deutschland durchsetzen (siehe BauNetz-Meldung zum Vorentscheid vom 15. Juni 2010), darunter namenhafte Büros wie das Dresdner Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten und die Berliner Landschaftsarchitekten Topotek1. Insgesamt hatte die Jury unter Vorsitz des Landschaftsplaners Andreas Kipar 78 Wettbewerbsbeiträge zu bewerten und zu vergleichen.
Der Siegerentwurf schlägt für die Parklandschaft eine collagenartige Mischung unterschiedlichsten Landschafts- und Parkelemente vor: Wiesen, eine Wüste, Wasserbecken, Bäche, ein künstlicher Berg, Naturschutzbereiche und Industriebrachen sorgen innerhalb der 380 Hektar großen Parklandschaft für Abwechslung. Zum Vergleich: Der Große Tiergarten ist mit einer Fläche von 210 Hektar fast nur halb so groß, wie die neue „Tempelhofer Freiheit“. Besonderes Highlight wird mit Sicherheit der 60 Meter hohe Kletterfelsen im Osten sein, auf dessen Spitze Alexander von Humboldt in Form einer Statue auf den Park hinunter blickt.
Das Wegesystem ist Planetenbahnen nachempfunden, die Enden der beiden ehemaligen Landebahnen sollen in die geplanten Neubaugebiete hinein verlängert werden und dienen dabei als Hauptzugänge des rund 285 Hektar großen Parkareals. Die nördliche Ex-Landebahn ist als eine Art belebter Boulevard des Parks gedacht, im Süden soll es ruhiger zugehen. Am geplanten Pavillon entsteht ein Kreuzungspunkt mit neu anzulegenden Wegen, die von Norden nach Süden das Gelände durchqueren. An zehn Stellen soll das Gebiet zu den benachbarten Quartieren geöffnet werden. Der große Zaun sowie die nächtliche Schließung des Parks sollen bleiben.
Der Park, soll in nun in drei Phasen realisiert werden. 2013 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, 2017 auf einem 80 Hektar großen Teilstück die Internationalen Gartenausstellung (IGA) zu sehen sein. 2020 ist auf dem Flughafengelände eine neue Internationale Bauausstellung (IBA) geplant, die sich vor allem mit der Gestaltung rund um das Areal befassen soll.
Der Entwurf bietet viele Nutzungsmöglichkeiten, so wie sie zum Teil jetzt auch schon geschehen, dazu aber auch das, was noch fehlt, nämlich kleinteiligere Angebote in der Nähe der vorhandenen und geplanten Quartiere. Alles parkübliche Angebote, plus viel Raum für Neues.
Was das mit dem Medley soll, ist mir genauso unerfindlich. Topolski (5) hat vollkommen recht. Die wesentliche Elemente des Entwurfs, Kreis, ellipsoide Wege, Landebahnen waren von Anfang an da. Nur wird der Kreis jetzt anders ausgebildet, nicht durch eine Baumschule, die den Blick versperrt hätte sondern durch ein Landform, die gleichzeitig einen Raum formuliert und dennoch den Blick und die Weite beibehält. Damit wird das Gebäude in das Feld einbezogen, und das ist genau das, was kein anderer Entwurf leistet. Eine solche Geste gab es weder im Wettbewerb noch im nachfolgenden Verhandlungsverfahren von einem anderen Büro.
Dieser Entwurf ist der einzige, der nur hier sein kann. Alle anderen könnten mit Anpassungen auch an anderen Orten sein.
Und was den Büronamen betrifft: gross.max. ist die Abkürzung für maximalen Inhalt, das findet man als Beschriftung auf Schiffsgut und ähnlichem.
Was die Jury-Beschimpfung von Staubkind betrifft, kann man nur sagen: völlig daneben. So alt war niemand in der Jury, dass sich sein oder ihr Geschmack in den 80ern hätte bilden können. Und wenn ich an die Grünanlagen denke, die damals entworfen und gebaut wurden, so kann ich nicht eine Parallele zu diesem Entwurf feststellen. Zum Glück!
Naja, Staub zu Staub.
vielen Dank für dieses Ergebnis. Hier und jetzt wissen wir endlich ganz genau, wie es um Ihren Geschmack und Ihr fachliches Urteilsvermögen steht.
Unterstützt durch Preisrichterinnen und -richter, deren Schönheitsempfinden sich in den 1980 Jahren geschärft hat, ist es Ihnen gelungen einen der letzten authentischen Orte der Stadt preiszugeben für den Entwurf eines Lunaparks. Damit treten Sie würdevoll das Erbe Ihres Vorgängers Hans an.
Wer könnte wohl besser mit dem Maßstab des Tempelhofer Felder umgehen, als Monsieur Girot: Wir erinnern uns kurz an den sinnlos monumentalen Invalidenpark in Berlin Mitte: ein Grabmal, ein Ort für eine Opferung? Nein - bloß ein öder Stadtplatz.
Wie gerecht, das sich alle übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils mit einem Teil-Beitrag wiederfinden durften. Nicht genug, in dieses Best-Of-Medley des Siegerbeitrags durfte dann auch noch eine Diät-Version von Jakob Tigges Berg-Idee mit hinein. Gut, das hier die Jury einmal alle Augen zugedrückt hat.
Was hat diese Kombination aus Stimmungskitsch, Spass-Gesellschaft und Zynismus mit dem Tempelhofer Feld zu tun? Nebensächlich! Und was treibt einen Mann bloß dazu sein Büro grossmax zu nennen?
Liebe Regula, vielleicht gibt es ja auch noch andere Städte, die von Ihrer Kompetenz profitieren möchten. Wir würden uns freuen.
die idee eines künstlichen bergs ist prinzipiell schön. ich hoffe, die planer bringen genug "langen atem" mit, denn ein solcher berg muss wie die trümmerberge nach dem 2.WK über lange jahre sich entwickeln dürfen. ein schönes ergebnis nach 5-10 jahren ist fast auszuschließssen, es sei denn, man möchte da ein komplett küpnstliches ding mit grün angemalten bäumen eröffnen.
mir gefällt der entwurf insgesamt. er lässt viel freiheit, damit die berliner das feld genau so bespielen können, wie sie es bereits tun!
ob der gewinner dabei aus deutschland kommt oder sonst woher ist mir sowas von piepenhagen...
konnte man in der sz lesen.