Zurück zum Erstlingswerk
Alvaro Siza saniert Wohnhaus in Matosinhos
Nach heutigen Maßstäben und auf den schnellen Bick sind die Quatro Casas in der Rua Doutor Filipe Coelho in Portos Hafenvorstadt Matosinhos nicht weiter auffällig. Heller Rauputz, mit roten Ziegeln gedeckte Pultdächer und dunkle Holzbalkone lassen an einen fast schon generischen südlichen Stil denken: In den Kubaturen modern, aber in Materialien und Details durchaus voller vernakulärer Bezüge. Ähnliches findet man überall auf der iberischen Halbinsel.
Beim näheren Hinsehen gibt es allerdings vieles zu entdecken. Kein Wunder, stammt das Ensemble doch mit Álvaro Siza Vieira von einem der bekanntesten Architekten der Gegenwart. Das große Eckhaus namens Casa d’Abreu Neto gilt als sein Erstlingswerk. Gerade mal 23 Jahre alt war er bei seiner Fertigstellung. Es wurde nun im Dialog mit Siza vollständig renoviert.
Das Haus befindet sich heute im Besitz von Maria Manuel Neto, der Enkeltochter der Erbauer. Bereits vor einigen Jahren hat sie das Gebäude im Rahmen des Iconic Houses-Netzwerks geöffnet. Sie ist selbst im Haus geboren und lebte dort bis zu ihrem 10. Lebensjahr. Heute finden hier kleine Kulturveranstaltungen statt und Übernachtungen werden angeboten. Knapp 70 Jahre nach der Fertigstellung 1956 war es höchste Zeit für eine umfangreche Instandsetzung, die in Zusammenarbeit mit Alvaro Fonseca als Projektarchitekt erfolgte. Das Casa d’Abreu Neto steht längst unter Denkmalschutz.
Der etwas ketzerisch formulierte erste Eindruck dürfte spätestens verfliegen, sobald man das Innere des Hauses betritt. Das ist in einen Wohn- sowie einen Schlaf- beziehungsweise Küchentrakt unterteilt und wird durch eine kompakte Eingangshalle mit gegenläufiger Treppe erschlossen. Von dort gelangt man in einen spektakulären, mittels mehrerer Ebenen strukturierten Wohnraum. Auch hier gibt es eine Treppe ins Obergeschoss, was – die heutige Hausherrin erwähnt rauschende Feste – eine gute Gelegenheit für glamouröse Auftritte gegeben haben dürfte.
Die frühe Meisterschaft von Álvaro Siza lässt sich in der Architektur gut erkennen. Die Raumorganisation ist ebenso originell wie souverän. Und die Materialpalette mit ihren regionalistischen Tendenzen, aber auch Bezügen zu Vorbildern wie Alvar Aalto oder Le Corbusier, wirkt schon sehr eigenständig.
Vor diesem Hintergrund erfolgte die Sanierung sehr umsichtig, was insbesondere auch in der Küche erkennbar ist. Mit ihren Mosaikfliesen und Marmorflächen weitestgehend im Originalzustand erhalten, zeigt sie eine fast schon laborartig anmutende Organisation mit zwei eigenständigen Arbeitsbereichen. (sb)
- Urpsrüngliche Fertigstellung:
- 1956
- Sanierung:
- 2024
- Architektur:
- Álvaro Siza
- Projektarchitekt der Sanierung:
- Álvaro Fonseca, in Zusammenarbeit mit Álvaro Siza
- Bauherrin:
- Maria Manuel Neto
- Fläche:
- 260 m²
- Auszeichnungen:
- Iconic Houses Network




