Höfe und Hänge in der Großwohnsiedlung
Gemeinschafts- und Bildungszentrum in Metz von ABC Studio
Metz mag es weiß. Zumindest was jüngere Bautätigkeiten in der Großwohnsiedlung Borny angeht. Kürzlich stellten ABC Studio (Nancy) dort ein Gemeinschafts- und Bildungszentrum fertig – in strahlendem Weiß. Mit dem Centre socio-éducatif à Metz füllten die Architekt*innen damit eine unbebaute Fläche in dem östlich gelegenen Stadtteil, dessen ursprüngliche Struktur aus den 1960ern nach der Jahrtausendwende von umfassenden Abrissen gezeichnet wurde.
Borny zählt zu jenen Planungen, mit denen Frankreich in suburbanen Gegenden auf den Wohnraummangel der Nachkriegszeit reagierte. Jean Dubuisson entwarf ein Ensemble aus Punkthochhäusern und langen Riegeln, die städtebaulich sogenannte „carrés urbains“ bildeten und Platz für 4.000 Wohnungen boten. In einem 2002 gestarteten, staatlich finanzierten Stadterneuerungsprogramm (ANRU) ließ man drei der ursprünglich fünf Karrees abreißen.
In eine dieser Lücken setzten ABC Studio nun ihren zweistöckigen Neubau. Und taten es damit dem Nachbarn, der Boîte à Musique, gleich, einem 2012 von Rudy Ricciotti errichteten Konzerthaus. Wie dieser von konfettiartigen Öffnungen durchlöcherte Bau, sind auch andere Sanierungen oder Neubauten in direkter Umgebung in Weiß gehalten. Für das Centre socio-éducatif à Metz, hervorgegangen aus einem städtischen Wettbewerb von 2020, entschied sich das Team um Doonam Back und Yann Caclin von ABC für eine Interpretation des Farbthemas in Form von einer Fassade aus Metall.
Insgesamt 2.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfasst das „pädagogisch und gemeinschaftsorientierte Programm“. Das großflächig verglaste Erdgeschoss schiebt sich in eine sanfte Topografie, die den Bau als Park umfängt. Hier sind öffentliche Bereiche angeordnet. Neben einer großen Empfangshalle, die sich durch die Sitztreppe als Auditorium nutzen lässt, gibt es etwa einen Mehrzwecksaal, Tagungs- und Betreuungsräume sowie einen Jugendtreff. Prominent an der schräg verlaufenden Glasfassade, direkt am Vorplatz befindet sich Gastronomie.
Das Obergeschoss beherbergt das eigentliche Sozialzentrum sowie Räume für Quartiersvereine, Versammlungen und frühkindliche Pädagogik. Vier Terrassen oder Höfe gliedern den Bau, einer davon als Tiefhof im Erdgeschoss integriert. Die übrigen im oberen Stock sind dank der leichten Parkhänge auch von außen erreichbar. In der Fassade zeigen sich die Freiräume durch weiße Metallnetze und erlauben Passant*innen einen Blick auf ihre umfangreiche Begrünung. ABC verstehen das als „visuelle Erweiterung des öffentlichen Raums“. (mh)
- Weitere Planungsbeteiligte:
- BET Trigo, Leslie Acoustique, Ecohal
- Bauherrschaft:
- Metz
- Fläche:
- 2.000 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 6.970.000 € Baukosten (ohne Steuern)














