Das dritte Tor
Besucherzentrum am Hunsrück von DBCO
Seit 2015 gibt es den Nationalpark Hunsrück-Hochwald, der sich zwischen den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland auf einer Fläche von über 10.000 Hektar erstreckt. Er hat drei Zugänge, an denen Besucherzentren über die jeweilige Region erzählen. Das dritte und letzte dieser Zentren entstand in Otzenhausen bei Nonnweiler auf saarländischer Seite. Die Architektur stammt von DBCO (Berlin/Köln/Münster). Das Büro hatte einen einstufigen Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren für sich entscheiden können.
Als Thema für das Zentrum in Otzenhausen waren die Kelten naheliegend, denn in der Nähe wurden die Reste eines großen Ringwalls aus keltischen Zeiten ausgegraben. Vermutlich schützte dieser vom 5. bis 1. Jahrhundert vor Christus eine stadtähnliche Siedlung der Treverer. Seit 2016 kann eine rekonstruierte Keltensiedlung mit Wehrzaun besichtigt werden. Das Besucherzentrum für den Nationalpark wurde direkt neben diesem Freiluftmuseum errichtet und verbindet beide Touristenattraktionen. Der naheliegende Name des Projekts: Nationalpark-Tor Keltenpark.
DBCO griffen in ihrem Entwurf dieses Thema auf und entwickelten das Gebäude aus der Form eines Keltenkreuzes. Das Haus schiebt sich in den Hang und tritt zur Ringwallstraße im Nordwesten als zweigeschossiger, geschwungener Holzbau in Erscheinung. In Richtung des Keltendorfes im Südosten hingegen verbinden sich die begrünten Dächer mit der Landschaft.
Die Kreuzform definiert um das Gebäude vier Freibereiche, denen unterschiedliche Programmpunkte zugeordnet wurden. Erstens der Vorplatz zur Straße mit Eingang, Shop und Café; zweitens der Wirtschaftshof mit Verwaltung und Werkstätten; drittens das Thema Bildung mit „Lehrwiese“, Ausstellungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten und viertens die Natur mit Blick auf das Keltendorf.
Innen zeigen sich alle Räume robust und wandlungsfähig. Die Dauerausstellung wird in einem „veredelten Rohbau“ mit offen sichtbarer Technikdecke präsentiert. Veranstaltungsräume können über Faltschiebewände zu einem großen Saal zusammengelegt werden.
Konstruktiv besteht das Haus aus einem massiven Fundament und einer Kernstruktur aus Stahlbeton. Um diesen Kern herum wurden die Räume als Holzbau angelegt. Eine Pfosten-Riegel-Fassade aus Holz und Aluminium öffnet Foyer und Gastronomie zum Außenraum. Ansonsten tragen Holzständer eine vorgehängte hinterlüftete Fassade aus Lärchenholz. Am auffälligsten ist sicher die Deckenkonstruktion über dem Foyer: ein Dreieckstragwerk mit Doppelträgern aus Buchenfurnierschichtholz und Nebenträgern aus Nadelholz.
Auch die technische Versorgung nimmt Bezug auf die Waldregion. Eine Holzpelletheizung versorgt die Niedertemperatursysteme von Fußbodenheizung und Deckenstrahlplatten. Die mehrfach geschichtete Holzfassade, die extensive Dachbegrünung und selbst der Sichtbeton mit Abdrücken sägerauer Schalung sollen dazu beitragen, den Neubau mit dem Keltenpark nebenan und der speziellen Landschaft am Hunsrück zu verbinden, schreiben die Architekt*innen. (fh)
- Fertigstellung:
- November 2023
- Architektur:
- DBCO
- Projektsteuerung:
- tribast Projektmanagement
- Tragwerksplanung und Bauphysik:
- WPW Ingenieure
- TGA:
- Drees & Sommer SE Luxemburg
- Brandschutz:
- FS Brandschutz Engineering
- Freianlagen:
- HDK Dutt & Kist
- Ausstellungsgestaltung:
- BOK + Gärtner
- Bauherrschaft:
- Zweckverband Nationalpark-Tor Keltenpark
- Fläche:
- 2.220 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 16.770.000 € (KG 200–700)
- Auszeichnungen:
- iF Design Award 2025, Public Architecture




Das Gebäude finde ich übrigens ziemlich gut gemacht.