Kette, Stapel, Rippen
Schule bei Zürich von Penzisbettini. Architekten
Die Region Limmattal nordwestlich von Zürich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Um sie besser zu vernetzen, wurde viel in neue Infrastrukturen investiert, darunter etwa die 14 Kilometer lange Straßenbahnstrecke Limmattalbahn, die Ende 2022 in Betrieb ging. In der Gemeinde Urdorf hält die Tram direkt vor der Kantonsschule Limmattal.
Passend zur neuen Haltestelle „Kantiallee“ (Kanti ist der umgangssprachliche Begriff für Kantonsschule, was im Wesentlichen einem Gymnasium entspricht) entstanden hier zwei Neubauten nach Plänen von Penzisbettini. Architekten (Zürich), die die bestehende Schulanlage um ein Gebäude für Naturwissenschaften sowie einen Bau mit zwei Doppelturnhallen und einer Aula ergänzen.
2016 lobte der Kanton Zürich einen offenen Wettbewerb für die Erweiterung der Schule aus, die ursprünglich 1984–86 nach Plänen von Bolliger Hönger Dubach errichtet worden war. Penzisbettini überzeugten mit ihrem Beitrag „Collana“ – italienisch für „Kette“. Die bestehenden Bauten ergänzten sie um zwei weitere eigenständige Baukörper, die Struktur, Materialität und Ausdruck des Bestands aufgreifen.
Während sich das viergeschossige Volumen mit den Klassenräumen (Trakt E) an der Höhe des Bestands orientiert, ragt der Sporthallen- und Aulatrakt (Trakt F) darüber hinaus und bildet zur Limmattalbahn hin einen städtebaulichen Abschluss. Erscheinungsbild und Raumstruktur der beiden Volumen werden ganz wesentlich durch ihr Tragwerk bestimmt.
In Trakt E prägen vorfabrizierte Balken-Stützen-Elemente und Stirnwände aus Ortbeton zur Horizontalaussteifung das Bild. Die vorgefertigten Fassadenstützen erstrecken sich über die gesamten vier Geschosse. Im Inneren wird die Struktur durch nichttragende Wände ergänzt, während die Haustechnik zwischen den Rippen geführt wird. Die Gebäudemitte dient der Erschließung und Hauptverteilung, die Klassenräume sind entlang der Fassaden angeordnet.
Trakt F mit seinen zwei Doppelsporthallen, einem großzügigen Foyer und einer Aula mit rund 500 Plätzen kommt noch etwas kompakter daher. Die Aula wurde zwischen die beiden Sporthallen geschoben und um 90 Grad gedreht. Diese Stapelung, die auch von außen sichtbar wird, trage zur strukturellen Effizienz bei und halte den Fußabdruck des Gebäudes gering, so die Architekt*innen. Der Trick: Das Zwischengeschoss übernimmt die Funktion eines durchlaufenden Ober- und Unterzugs und reduziert so die statischen Höhen des Gesamtgebäudes.
Die vom Rohbau entkoppelte Holzkonstruktion der Aula ermöglicht den gleichzeitigen Betrieb von Aula und Sporthallen. Erhöht, aber im gleichen Geschoss wie Aula und Foyer liegen außerdem Übungsräume für Musik und Gesang. Hier sorgen dicke, profilierte Betonwände für eine besondere Ästhetik und die richtige Raumakustik. Durch die kompakte Bauweise konnte laut Architekt*innen zudem der Freiraum im Westen erhalten bleiben, der im Wettbewerb noch für die Erweiterungsbauten vorgesehen war.
Ihren Entwurfsansatz nennen Penzisbettini „Typostruktur“. Darunter verstehen sie „die integrale Zusammenführung von Raum und Tragwerk als Werkzeug nachhaltigen Bauens“. Durch die Trennung von Tragwerk und nichttragenden Wänden werde die Lebensdauer des Gebäudes verlängert, da es flexibel und langfristig nutzbar bleibt. Gleichzeitig werde das Bauvolumen durch die Kombination von Tragrippen und Installationsebenen sowie eine gezielte Vorspannung minimiert. Rund die Hälfte des verbauten Betons ist Recyclingbeton.
Wie bei der Schulanlage Wiesental in Baar wurde die Erweiterung bei laufendem Schulbetrieb realisiert. Nach Fertigstellung der Neubauten bauten Penzisbettini auch den bestehenden Gebäudekomplex um und ertüchtigten ihn brandschutztechnisch. Unter anderem wurden bisher geschlossene Lagerräume zu Gruppenräumen und eine Studiobühne im Untergeschoss zum Lernzentrum umgebaut. Die bestehende Mensa wurde zum Außenraum hin geöffnet. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architekur:
- Penzisbettini. Architekten
- Baumanagement:
- Laterza Graf Baupartner
- Landschaftsarchitektur:
- S2L Landschaftsarchitektur
- Bauingenieurwesen:
- ingegneri pedrazzini guidotti sagl
- Fassadenplanung:
- Dr. Lüchinger + Meyer
- Gebäudetechnik (HLKS):
- ahochn
- Elektroplanung:
- R+B Engineering
- Akustik:
- Bakus Bauphysik + Akustik
- Bauherrschaft:
- Hochbauamt Kanton Zürich
- Auszeichnungen:
- Betonpreis 2025 (Kategorie Hochbau)





fassade? was ein durcheinander der klötze untereinander, man denkt es sind lauter anbauten oder ergänzungen. Bild 2 ist das schlimmste....was für ein gefummel. leider grade völlig im trend. jetzt fehlen nur noch die pastelligen ausstell-rollos.
wirklich trostlos
Und außerdem kann das Gebäude und die FARBEN doch deutlich mehr - Sie müssen sich nur drauf einlassen + die Bilder richtig angucken. Dauert aber länger als auf Insta ;-)
Loeliger Strub Architektur
knapkiewicz fickert
Lukas Imhof
um nur eine kleine Auswahl anzubieten...