Nischen für den Karlsplatz
Café in Wien von PPAG architects
Zwischen Karlskirche, Secession, Wien Museum und Technischer Universität gibt es seit vergangenem Jahr ein neues Cafégebäude. Am Karlsplatz trifft touristische Postkartenkulisse auf alltäglichen Durchgangsraum. Hier, im Resselpark, stand seit 1958 das Café Restaurant Resselpark – ein etwas aus der Zeit gefallenes, holzverkleidetes Lokal mit eigensinnigem Charme. Nun wurde es durch einen Neubau von PPAG architects (Wien) ersetzt. Bauherrin ist die Familie Trattner, die das Haus auch betreibt.
Es waren vor allem die marode Bausubstanz und die fehlende Barrierefreiheit, die den Bestandsbau unhaltbar machten, so die Architekt*innen. Zwischen den ersten Planungen im Jahr 2014 und der Fertigstellung verging jedoch mehr als ein Jahrzehnt. Intensive Einbeziehung der Stadt, Genehmigungsprozess, Pandemie und Baukostensteigerungen verzögerten das Projekt entsprechend.
Der Neubau mit rund 480 Quadratmetern Bruttogrundfläche steht im Südwesten des Parks, innerhalb eines von Hecken gefassten Ovals. Auch ein denkmalgeschützter Brunnen und mehrere Bestandsbäume mussten in die Planung einbezogen werden. Entstanden ist ein pavillonartiges Gebäude, das auf den ersten Blick weniger wie ein einzelner Bau denn eine kleine Ansammlung mehrerer Häuschen wirkt. Über Ecken, Rücksprünge und Ausbuchtungen legt sich eine fragmentierte Dachlandschaft, die zugleich die Außensitzbereiche verschattet. So bewegt sich die Form gibt, so ruhig wirkt die Oberfläche aus grauen Fassadenplatten. Hinter der zergliederten Hülle öffnet sich ein stützenfreier Gastraum, ausgekleidet mit Weißtannen-Brettsperrholz.
Im Inneren werden die vielen Knicke des Grundrisses produktiv: Sie bilden Nischen, in denen durchlaufende Sitzbänke installiert sind. Schiebefenster und insgesamt vier Eingänge öffnen das Café in alle Richtungen. Ein südlicher Kern fasst Küche, Bar und Müllbereich zusammen; auch Treppe und Aufzug zur Dachterrasse sind hier untergebracht. Diese bleibt vom Boden aus jedoch weitgehend unsichtbar und verschwindet hinter der gestaffelten Dachlandschaft. Ein Untergeschoss nimmt Sanitär-, Technik- und Lagerräume auf. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- PPAG architects
- Projektteam:
- Anna Popelka, Georg Poduschka, Paul Fürst, Jessica Klabunde, Billie Murphy, Stefan Pall, Philipp Stützner
- Freiraumplanung:
- EGKK Landschaftsarchitektur
- Tragwerksplanung:
- Werkraum Ingenieure ZT
- TGA/Bauphysik:
- Bauklimatik
- Bauherrin:
- Trattner im Resselpark
- Fläche:
- 480 m² Bruttogrundfläche
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