Klug verkleinert
Einfamilienhaus in Unterfranken von ToB. Studio
Im Dialog mit seiner Bauherrschaft entwarf der Würzburger Architekt Tobias Ruppert ein Wohnhaus im unterfränkischen Burgsinn, das kürzlich fertiggestellt wurde. Bereits zuvor hatte die Familie im Ort ein Eigenheim bewohnt – mit rund 180 Quadratmeter Wohnfläche ein recht stattliches dazu. Doch als die Familie das dritte Kind erwartete, wollte sie sich nicht etwa weiter vergrößern. Vielmehr verwirklichten sie sich mit einem Holzhybridbau steil am Hang ihren Wunsch, etwas Besonderes zu schaffen. Der bemerkenswerte Neubau ist Rupperts Erstlingswerk. 2021 machte er sich unter dem Namen ToB.Studio in Würzburg selbständig.
Der steil ansteigende Teil des Grundstücks wurde von der Familie der Bauherrschaft schon lange als Weide für die eigenen Schafe genutzt. Darauf spielt auch der Projektname des dreigeschossigen Holzbaus an: Form follows Schaf. Denn in den „Trampelpfaden und Terrassen, die über Jahrzehnte von weidenden Schafen in den Hang gezeichnet wurden“ hatte der Architekt auch seine Inspiration für die interne Erschließung gefunden. Zwei einläufige Treppen verbinden die Geschosse in einem flüssigen Raumverbund. Für die Kinder geht es sogar noch eine Etage höher, denn jedes der drei Kinderzimmer verfügt über eine eigene Bettnische.
Das Wohnkonzept beschreibt der Architekt als „radikal offen“ – kaum Innenwände und wenig Türen, dafür Blickachsen quer durch das Haus. Zwischen Elternbett und Badezimmer, dort wo man einen Teppich erwarten würde, ermöglicht ein Fangnetz Verschnaufpausen und Durchblicke ins darunterliegende Geschoss. Von Konzept bis Materialwahl arbeitete der Architekt dabei eng mit der Bauherrschaft zusammen. Am Ende hat sich die Familie jedenfalls verkleinert, sogar deutlich: 110 Quadratmeter Wohnfläche bietet der kompakte Neubau an einer Stelle, die lange als unbebaubar galt. (tg)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- ToB.Studio
- Projektpartner:
- Sebastian Schneider
- Tragwerksplanung:
- Tragraum Ingenieure
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 110 m² Wohnfläche
Mit dem Potenzial zu groß gewordener Einfamilienhäuser beschäftigt sich unsere aktuelle BauNetz WOCHE #689. Gleichzeitig zeigt unsere Ausgabe #647 „Erstlingswerk Elternhaus“, dass neu errichtete Eigenheime nach wie vor ein wichtiges Sprungbrett in die Selbständigkeit junger Architekt*innen sind.






Trotzdem meldet sich hier meine innere Hausfrau mit ganz praktischen Fragen. Das regelmäßige Bettbeziehen in den Dachnischen muss der Horror sein, vom Wäscheschleppen über somit drei Ebenen ganz abgesehen. Auch das Fensterputzen da oben? Beim Baden ja nichts überschwappen lassen, sonst läuft es durch die Öffnung runter in die Küche? Leider schlecht auf den Plänen zu erkennen, aber Stauraum für einen fünfpersonenhaushalt sehe ich hier auch nicht wirklich. Wahrscheinlich gibt es dafür alles eine Lösung und die Hausarbeit wird durch Personal erledigt. Trotzdem halte ich diese Überlegungen bei einer eher unüblichen Baugestalt für interessanter, als Baunetzprosa über Schäfchentrampelpfade.
Aber vermutlich wären die beiden spätestens dann aufgewacht, wenn sich die jungen Leute mit Ihren Gästen leicht kichernd die Treppe hinauf quälen.