Bezahlbarer Wohnraum in besten Lagen
European Collective Housing Award
In San Sebastián wurde kürzlich zum zweiten Mal der European Collective Housing Award vergeben. Der Preis würdigt Mehrfamilienhäuser in ganz Europa, die architektonisch, aber vor allem durch ihre positiven Auswirkungen auf Nachbarschaften hervorstechen. Gewonnen haben zwei Pariser Projekte, die laut Jury die herkömmlichen Vorstellungen davon hinterfragen, wo in der Stadt Sozialwohnungen hingehören. Indem sie diese in gefragte Lagen bringen würden, trügen sie zu inklusiven und ausgewogenen urbanen Räumen bei.
Ins Leben gerufen hatten den Preis 2024 das Baskische Institut für Architektur und das Arc en Rêve Centre d'Architecture aus Bordeaux in Kooperation mit dem Baskischen Ministerium für Raumordnung, Wohnungsbau und Verkehr. Den Initiator*innen geht es dabei explizit um ein Bewusstsein für die Bedeutung von Wohnungspolitik und eine Vielfalt an Lösungen vom öffentlichen Sektor bis zum privaten Markt.
In diesem Sinne durften nicht nur Planer*innen, sondern auch Bauträger, politische Entscheidungsträger, Wohnungsgenossenschaften, Bauunternehmen und die Bewohner*innen einreichen – sofern sich die Projekte in einem der 46 Mitgliedsstaaten des Europarats (Council of Europe) befinden. Kamen bei der ersten Ausgabe 171 Bewerbungen aus 19 Ländern zusammen, waren es dieses Jahr 192 Beiträge aus 36 Ländern. Eventuell ist das unter anderem darauf zurückzuführen, dass der European Collective Housing Award im Vorfeld dieses Mal eine kleine Europatour mit Veranstaltungen in Barcelona, Amsterdam, Ljubljana und Sarajevo unternahm.
Die Auszeichnungen erfolgen in zwei Kategorien: „New Construction“ und „Renovation“. Wobei sowohl die Anzahl der Bewerbungen als auch die geografische Reichweite bei den Umbauprojekten deutlich geringer ausfielen. Deutschland war hier beispielsweise gar nicht vertreten. Zur Jury unter Leitung von Architektin Carme Pinós zählten Jin Liu von SO-IL, Catherine Sabbah, Geschäftsführerin des Wohnungsbau-Think-Tanks IDHEAL, Soziologe David Madden und Stadtforscherin Lucia Tozzi. Sie kürten je einen Preisträger und weitere Finalisten.
Gewinner der Kategorie „Renovation“
- Umbau eines Parkhauses in Paris von Atelier Téqui Architectes
Finalisten
- Umbau eines Nachtclubs in Antwerpen von Woonwerk Architecten
- Umbau eines Parkhauses in Paris von NZI Architectes
- Umgestaltung der ehemaligen Notunterkunft Cité de Beutre in Mérignac von Christophe Hutin Architecture
Zwei Parkhäuser, ein Nachtclub und eine ehemalige Notunterkunft – das sind die Bestandsbauten, aus denen die ausgezeichneten Projekte dieser Kategorie hervorgingen. Gewonnen hat der Umbau einer 1957 von Claude Béraud (Preisträger des Grand Prix de Rome) entworfenen mehrgeschossigen Parkgarage im elften Pariser Arrondissement, in der nun 63 Wohnungen und ein Ladengeschäft unterkommen. Atelier Téqui Architectes (Paris) entfernten die mittigen Rampen, um hier Lichthöfe und ein Treppenhaus einzufügen, behielten aber die Split-Level-Geschosse bei. Auch die Fassade aus Beton- und Fensterbändern blieb, bekam aber eine zweite Schicht aus Holzpaneelen und Faltschiebetüren. Zudem stockten die Architekt*innen anstelle des Schrägdachs drei Geschosse als Konstruktion aus Stahlpfosten und Brettsperrholzdecken auf.
Gewinner der Kategorie „New Construction“
- Wohnungsbau La Métropolitaine in Paris von IP—A & TB A
Finalisten
- Wohnungsbau Air Passage im spanischen Masnou von Peris+Toral Arquitectes
- Wohnensemble Common Woods in Amersfoort von Space&Matter
- Geschosswohnungsbau Illa Glòries in Barcelona von Cierto Estudio
- Nachverdichtung Yimby in Kortrijk von Maker Architecten
Auch die Preisträger der Sektion Neubauten, IP—A und TB A (beide Paris), arbeiten mit bewohnbaren Pufferschichten, allerdings in zwei Variationen. Zur Straße hin schützen wiederum mit Faltläden ausgestattete Wintergärten vor Lärm und Luftverschmutzung der Verkehrsachse, die von der Pariser Innenstadt in den Vorort Clichy führt. Auf der anderen Seite, in Richtung eines schmalen Grünstreifens und eines Fußballplatzes, liegen die Eingänge der zweiseitigen Einheiten in bepflanzten Loggien. Die Jury würdigt zudem den Mix aus Sozialwohnungen, Studierenden-Apartments und öffentlichen sowie gemeinschaftlichen Einrichtungen. (mh)
In der letzten Ausgabe gewannen La Borda in Barcelona von Lacol und die Umnutzung eines alten Weinlagers in Basel von Esch Sintzel Architekten.
europeancollectivehousingaward.eu



