Schwarze Flocken in Künzelsau
Kunstpavillon von David Chipperfield Architects
Elf Meter hoch und 7,10 Meter breit – das sind die Maße von Anselm Kiefers Bild „Schwarze Flocken“ aus dem Jahr 2007. Das großformatige Gemälde bezieht sich auf ein gleichnamiges Gedicht von Paul Celan, der darin traumatische Erinnerungen an den Holocaust verarbeitete. Die Arbeit, gemalt mit Ölfarben, Schellack, Erde und aufgebrachten Zweigen, ist das größte Kiefer-Werk in der Sammlung des deutsch-österreichischen Industriellen Reinhold Würth. Bislang konnte es aufgrund seiner beeindruckenden Dimensionen nicht gezeigt werden. Das hat sich nun geändert: Am 13. Oktober 2026 wurde der Anselm-Kiefer-Pavillon auf dem Gelände des Kunstmuseums Würth 2 am nordwestlichen Rand von Künzelsau bei Heilbronn eröffnet.
Der Entwurf des Pavillons stammt von David Chipperfield Architects (London/Berlin). Das Volumen zum Bild ist 14,50 Meter hoch, elf Meter breit und 12,50 Meter tief. Es steht auf einer kleinen Anhöhe in der äußersten südwestlichen Ecke des Skulpturengartens. Von seiner erhöhten Position aus wendet der Pavillon seinen Eingang in Richtung des Museums und schafft eine Blickbeziehung über das Freigelände hinweg.
Das Gebäude entstand in enger Zusammenarbeit mit Kiefer. Der Künstler definierte auch Format, Organisation und Materialität des Innenraums. Ein extrem reduzierter Portikus markiert den Eingang und eine kleine Sitzbank aus Beton zitiert die Proportionen des Vordachs. Durch eine Glastür ist bereits ein Ausschnitt des gewaltigen Bilds zu sehen.
Die massiven, gestockten Betonwände setzen die Materialität des Museums fort, das ebenfalls nach Entwürfen von David Chipperfield Architects errichtet worden war. Im Innenraum beruhen alle Proportionen, Öffnungen und die leichte Farbigkeit der Wände auf Kiefers Vorgaben, wobei die Präsentation des Bildes keinen strengen klima- und lichttechnischen Anforderungen unterliegt. Ein dreischichtiger Wandaufbau aus Beton, Ziegelmauerwerk und Lehmputz soll dafür sorgen, dass der Pavillon auch ohne Technik unterschiedliche klimatische Bedingungen auszugleichen vermag und er vor allem frostfrei bleibt.
Die Holzbalken der Deckenkonstruktion liegen sichtbar über dem Raum, dazwischen lassen Dachöffnungen gedämpftes Licht ins Innere fallen, das mit den Tages- und Jahreszeiten wechselt. Laut Projektbeschreibung entsteht so „eine konzentrierte, ruhige Atmosphäre, die das Sehen verlangsamt und den Blick auf das Kunstwerk richtet“. Groß genug dafür ist es ohnehin. (fh)
- Architektur:
- David Chipperfield Architects
- Bauherrschaft:
- Adolf Würth GmbH & Co KG
- Team David Chipperfield Architects:
- David Chipperfield, Martin Reichert (verantwortliche Partner), Berhard Danigel, Thomas Schöpf (Projektarchitekten), Dirk Gschwind, Frithjof Kahl
- Ausführende Architekten:
- Kraft + Kraft Architektenpartnerschaft
- Statik und Tragwerk:
- Mayer-Vorfelder und Dinkelacker Ingenieurgesellschaft für Bauwesen
- Bauphysik:
- Ingenieurbüro Hausladen
- Licht:
- Gabriele von Kardorff, Kardorff Ingenieure Lichtplanung
- Fläche:
- 140 m² Gross Floor Area