Holzhülle fürs Korn
Getreidelager auf der Schwäbischen Alb von a+r Architekten
Auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, rund acht Kilometer östlich von Reutlingen, liegt der Gestütshof St. Johann. Er ist Teil des Haupt- und Landgestüt Marbach und seit über vier Jahrhunderten in stetigem Wachstum. 14 Gebäude beherbergen Wohn- und Wirtschaftsbereiche, Stallungen und Reithalle. Viele sind als Fachwerk ausgeführt. Das Ensemble ist denkmalgeschützt und zeugt von der langen Pferdezucht-Geschichte in der Region. 2017 fiel die historische Getreidescheune einem Brand zum Opfer. Das Büro a + r Architekten (Stuttgart/Tübingen), das schon mehrfach für das Hauptgestüt plante, entwarf den Ersatzbau: ein neues Lager in prominenter Lage an der Zufahrt des Hofs.
Der Neubau folgt der architektonischen Sprache vieler Landwirtschaftsbauten aus jüngerer Zeit. Nicht zuletzt ist die Verwandtschaft zur direkt benachbarten Reithalle erkennbar, die a + r selbst bereits 2011 realisierten. Vertikale, leicht geneigte Elemente aus unbehandelter Douglasie an den unteren Fassadenpartien treffen auf eine waagerechte Schalung im oberen Bereich. Die Scheune zeigt sich so als geschlossenes, rhythmisch gegliedertes Volumen.
Das Tragwerk ist eine Hybridkonstruktion. Auf einem massiven Betonsockel ruhen Holz- und Betonstützen. Im Innenraum prägen sechs gebogene Leimholzbinder den Satteldachraum und überspannen eine Bruttogrundfläche von 816 Quadratmetern. Die südliche Hälfte nehmen vier große Lagerboxen ein, die bis zu 800 Tonnen Getreide fassen. In diesem Bereich bestehen die Außenwände aus Beton. Sechs Silos nehmen kleinere Mengen Korn, Hülsenfrüchte oder Futterpellets auf.
Die Funktionalität des Gebäudes ist dabei klar ablesbar: Die Zufahrtsachse verläuft quer durch den Bau. Traktoren fahren ein, kippen ab und gelangen auf der anderen Seite wieder hinaus. Das angelieferte Getreide wandert über Fördertechnik zunächst in ein Teiluntergeschoss und von dort durch die Laterne, einem schmalen Aufbau über dem Dachfirst, nach oben, um anschließend in die Lagerboxen oder Silos verteilt zu werden. Seitlich der Silos sitzen Staubkammer, Heizraum und die Steuerzentrale, von der aus sämtliche Abläufe vernetzt und überwacht werden. (gk)
- Fertigstellung:
- 2023 (Außenanlagen: 2025)
- Architektur:
- a+r Architekten
- Tragwerksplanung:
- tragwerkeplus
- Nutzer:
- Haupt- und Landgestüt Marbach
- Bauherrschaft:
- Land Baden-Württemberg vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau, Amt Tübingen
- Fläche:
- 816 m² Bruttogrundfläche