Spektakulär unspektakulär
Interim für das Bundespräsidialamt von sauerbruch hutton
Spektakulär unspektakulär
Interim für das Bundespräsidialamt von sauerbruch hutton
Weil der Amtssitz des Bundespräsidenten rund um Schloss Bellevue saniert werden muss, stapelt das Land Holzmodule auf einem vergleichsweise engen Grundstück mitten im Regierungsviertel. Ist das angemessen?
Möglicherweise hat es noch nie derart viel Aufmerksamkeit für einen Interimsbau gegeben wie für den des Bundespräsidialamtes. Möglicherweise war aber auch der Anspruch selten so hoch gesteckt: schnell sein und zugleich Maßstäbe für ressourcenschonendes Bauen setzen. Trotz beengter Rahmenbedingungen die protokollarischen und sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen und dennoch auf eine zeitgemäße Art repräsentieren. Viereinhalb Jahre haben die Beteiligten gebraucht, den in einem VgV-Verfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb erfolgreichen Entwurf der ARGE sauerbruch hutton / Drees & Sommer (Berlin) zu realisieren. Ende August war Schlüsselübergabe im sogenannten Amtssitz am Spreebogen.
Um den Planungsprozess zu beschleunigen, hatte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als Bauherrenvertretung einen Mehrparteienvertrag im Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA) aufgesetzt, nicht zuletzt, um aus dem Claim Management herauszufinden, das Bauen immer wieder verteuert. Es ist eines der ersten abgeschlossenen Hochbauprojekte der öffentlichen Hand in Deutschland.
Kaufmann Bausysteme (Reuthe) mit Primus Developments (Hamburg) traten wie bereits beim Bürohaus Luisenblock im Berliner Regierungsviertel wo sie Generalübernehmer waren, als Generalunternehmer auf. Die Generalplanung übernahm die ARGE sauerbruch hutton / Drees & Sommer. Bis zum Ende der Sanierungsarbeiten, die aktuell auf acht Jahre geschätzt werden, soll das Bundespräsidialamt das Haus nutzen, danach eine andere Bundesbehörde einziehen.
Um den Planungsprozess zu beschleunigen, hatte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als Bauherrenvertretung einen Mehrparteienvertrag im Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA) aufgesetzt, nicht zuletzt, um aus dem Claim Management herauszufinden, das Bauen immer wieder verteuert. Es ist eines der ersten abgeschlossenen Hochbauprojekte der öffentlichen Hand in Deutschland.
Kaufmann Bausysteme (Reuthe) mit Primus Developments (Hamburg) traten wie bereits beim Bürohaus Luisenblock im Berliner Regierungsviertel wo sie Generalübernehmer waren, als Generalunternehmer auf. Die Generalplanung übernahm die ARGE sauerbruch hutton / Drees & Sommer. Bis zum Ende der Sanierungsarbeiten, die aktuell auf acht Jahre geschätzt werden, soll das Bundespräsidialamt das Haus nutzen, danach eine andere Bundesbehörde einziehen.
Viel Stadt, wenig Platz
Die Lage ist urbaner als im Tiergarten und es gibt viel weniger Platz. Was zuvor auf drei Gebäude verteilt war – Schloss Bellevue, Bundespräsidialamt sowie Wach- und Kontrollgebäude – verdichtet der Neubau auf einem 4043 Quadratmeter großen Grundstück zwischen öffentlicher Straße und einer als Naturdenkmal geschützten Rotbuche und Platane.
Die unterschiedliche Höhe der beiden Baukörper vermittelt zwischen den Blöcken am Hauptbahnhof und der Polizei- und Feuerwache, die 2004 ebenfalls nach Plänen von sauerbruch hutton entstand. Waren es damals Glasschindeln in verschiedenen Farbtönen, sind es nun mehrfarbig glasierte Keramikelemente, die der Fassade eine prägnante Erscheinung verleihen.
Die Lage ist urbaner als im Tiergarten und es gibt viel weniger Platz. Was zuvor auf drei Gebäude verteilt war – Schloss Bellevue, Bundespräsidialamt sowie Wach- und Kontrollgebäude – verdichtet der Neubau auf einem 4043 Quadratmeter großen Grundstück zwischen öffentlicher Straße und einer als Naturdenkmal geschützten Rotbuche und Platane.
Die unterschiedliche Höhe der beiden Baukörper vermittelt zwischen den Blöcken am Hauptbahnhof und der Polizei- und Feuerwache, die 2004 ebenfalls nach Plänen von sauerbruch hutton entstand. Waren es damals Glasschindeln in verschiedenen Farbtönen, sind es nun mehrfarbig glasierte Keramikelemente, die der Fassade eine prägnante Erscheinung verleihen.
Demokratie als Farbspiel
Längst sind die farbigen Fassaden zum Markenzeichen von sauerbruch hutton geworden. Und es liegt auf der Hand, sie im Falle des Bundespräsidialamt-Interims als Symbol für eine lebendige Demokratie zu deuten. Dass diese auch geschützt werden muss, lässt die Planung hingegen weniger vordergründig erkennen. So zeigt sich der Spagat zwischen Transparenz, Sicherheit und Gestaltung unter anderem an der Form des Zaunes, wo die Staatsgäste vorfahren oder wo die Übertragungswagen der Presse andocken. Ein Staketenzaun aus Rundstahlprofilen schält sich förmlich aus der Fassade heraus, umfasst das Grundstück und verbindet sich am anderen Ende wieder wie ein Reißverschluss.
Während im kleineren Baukörper vor allem Räume für den Sicherheitsdienst untergebracht sind, teilen sich Protokoll, Verwaltung und Repräsentation den größeren Baukörper. Verbunden sind beide durch ein Eingangsgeschoss. Dieses wirkt wie ein Pavillon und erinnert mit seiner schlichten, teils schwungvollen Ausgestaltung und den Oberlichtern im begrünten Dach an skandinavische Räume. Auf einen roten Teppich müssen die Staatsgäste dennoch nicht verzichten. In einer Empfangsrotunde mit Holzpaneelen, die wie ein Vorhang wirken, können sie sich ins Gästebuch eintragen und in einem sorgfältig möblierten Raum die Garderobe ablegen.
Längst sind die farbigen Fassaden zum Markenzeichen von sauerbruch hutton geworden. Und es liegt auf der Hand, sie im Falle des Bundespräsidialamt-Interims als Symbol für eine lebendige Demokratie zu deuten. Dass diese auch geschützt werden muss, lässt die Planung hingegen weniger vordergründig erkennen. So zeigt sich der Spagat zwischen Transparenz, Sicherheit und Gestaltung unter anderem an der Form des Zaunes, wo die Staatsgäste vorfahren oder wo die Übertragungswagen der Presse andocken. Ein Staketenzaun aus Rundstahlprofilen schält sich förmlich aus der Fassade heraus, umfasst das Grundstück und verbindet sich am anderen Ende wieder wie ein Reißverschluss.
Während im kleineren Baukörper vor allem Räume für den Sicherheitsdienst untergebracht sind, teilen sich Protokoll, Verwaltung und Repräsentation den größeren Baukörper. Verbunden sind beide durch ein Eingangsgeschoss. Dieses wirkt wie ein Pavillon und erinnert mit seiner schlichten, teils schwungvollen Ausgestaltung und den Oberlichtern im begrünten Dach an skandinavische Räume. Auf einen roten Teppich müssen die Staatsgäste dennoch nicht verzichten. In einer Empfangsrotunde mit Holzpaneelen, die wie ein Vorhang wirken, können sie sich ins Gästebuch eintragen und in einem sorgfältig möblierten Raum die Garderobe ablegen.
Fahrstuhl statt Freitreppe
In den darauffolgenden fünf Büroetagen und repräsentativen Räumen im Obergeschoss wird jedoch so manche Gewohnheit auf den Kopf gestellt. Die Beamten tauschen die schwarz-weiße Amtsoptik aus dem Tiergartendomizil gegen Holzoberflächen und Farbe im Modulbüro, Staatsgäste die Freitreppe vom Schloss gegen eine Fahrstuhlanlage. Für einige verbessert die Raumorganisation wiederum deutlich die Arbeitsbedingungen.
Denn die Mitarbeiter*innen der Küche haben nun statt Kunstlicht von der Anrichte eine Aussicht über den Tiergarten und die bundesdeutsche Regierungslandschaft. Und auch die Floristin, die die Flaggenfarben der jeweiligen Staatsgäste in florale Kunstwerke übersetzt, sieht aus ihrer Werkstatt ein Meer von Baumkronen. Nur die Bankettstühle, die ebenfalls ganz oben lagern, müssen sich mit einem Blick auf die Schießscharten-Fassaden der Bebauung neben dem Berliner Hauptbahnhof begnügen.
In den darauffolgenden fünf Büroetagen und repräsentativen Räumen im Obergeschoss wird jedoch so manche Gewohnheit auf den Kopf gestellt. Die Beamten tauschen die schwarz-weiße Amtsoptik aus dem Tiergartendomizil gegen Holzoberflächen und Farbe im Modulbüro, Staatsgäste die Freitreppe vom Schloss gegen eine Fahrstuhlanlage. Für einige verbessert die Raumorganisation wiederum deutlich die Arbeitsbedingungen.
Denn die Mitarbeiter*innen der Küche haben nun statt Kunstlicht von der Anrichte eine Aussicht über den Tiergarten und die bundesdeutsche Regierungslandschaft. Und auch die Floristin, die die Flaggenfarben der jeweiligen Staatsgäste in florale Kunstwerke übersetzt, sieht aus ihrer Werkstatt ein Meer von Baumkronen. Nur die Bankettstühle, die ebenfalls ganz oben lagern, müssen sich mit einem Blick auf die Schießscharten-Fassaden der Bebauung neben dem Berliner Hauptbahnhof begnügen.
Die rund 350 Mitarbeiter*innen arbeiten derweil in einem dreihüftigen Holz-Hybrid-Bau. Ihre Bürofenster kann man öffnen, eine Lamellendecke im Flur kaschiert die offenliegenden Stränge, die Mittelzone nimmt Sanitärräume, Erschließung und Technik auf. An den Gebäudeenden gibt es Holzmodule in tortenstückförmiger Ausführung. Einzelne Einheiten lassen sich verbinden oder trennen – und so auch an die Nachnutzung anpassen. Die rund 400 Sanitär- und Büro-Module wurden in der Produktionshalle von Kaufmann Bausysteme in Berlin-Köpenick gefertigt, acht bis zehn kamen pro Tag auf die Baustelle.
Maßvoll statt monumental
Und die anderen? Im Obergeschoss werden Staatsgäste empfangen, Kanzler*innen ernannt, Minister*innen vereidigt und Bundesverdienstkreuze verliehen. Wie im Schloss Bellevue steht hier eine Enfilade von Räumen bereit. Doch statt Stuck gibt es textile Lichtdecken, statt Gold leuchten in royalen kräftigen Blau-, Grün- und Rottönen gestrichene Wände, statt Schlosspark grüßen Tiergarten, Kanzleramt und andere Bauten des Regierungsviertels hinter den Fenstern.
Zusammenrücken, sich in die Augen schauen, nahbar und doch sicher sein, das sind die Botschaften dieser Architektur. So geht Understatement made in Germany. Spätestens hier ist die Anfangsfrage beantwortet: Ja, das ist der Zeit völlig angemessen.
Und die anderen? Im Obergeschoss werden Staatsgäste empfangen, Kanzler*innen ernannt, Minister*innen vereidigt und Bundesverdienstkreuze verliehen. Wie im Schloss Bellevue steht hier eine Enfilade von Räumen bereit. Doch statt Stuck gibt es textile Lichtdecken, statt Gold leuchten in royalen kräftigen Blau-, Grün- und Rottönen gestrichene Wände, statt Schlosspark grüßen Tiergarten, Kanzleramt und andere Bauten des Regierungsviertels hinter den Fenstern.
Zusammenrücken, sich in die Augen schauen, nahbar und doch sicher sein, das sind die Botschaften dieser Architektur. So geht Understatement made in Germany. Spätestens hier ist die Anfangsfrage beantwortet: Ja, das ist der Zeit völlig angemessen.
Bautafel
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- sauerbruch hutton, Berlin
- Generalplanung:
- ARGE sauerbruch hutton/Drees & Sommer
- Partner:
- Matthias Sauerbruch, Louisa Hutton Sibylle Bornefeld (Projektpartnerin), Jürgen Bartenschlag (Projektpartner)
- Team:
- Philipp Hesse (Projektleitung), Madeleine Appelros, Lou-Salome Bienvenu, Marc Broquetas, Neeraj Chatterji, Aleksandra Ciezka, Katharina Fleck, Cristian Gheorghe, Mina Gospavic, Sokbom Hong, Kwang Min Lee, Jan Müller, Konrad Opitz, Anna Luise Pfau, Tanja Reiche-Hoppe, Katharina Riedel, Nelson Schleiff, María Silvestre Martinez, Alina Tapley
- Generalunternehmerin:
- Kaufmann Bausysteme GmbH, Reuthe, mit Primus Developments GmbH, Hamburg
- Bauherrin:
- Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
- Fläche:
- 18.700 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 205.000.000 €
Zum Thema
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(meine Frau war Lehrerin an einer Berliner Grundschule, wenn nach einigen Wochen nach Schuljahresbeginn das Kopierpapier allmählich zu Ende ging, konnte sie das anschließend selbst bezahlen, weil es das Budget nicht mehr hergab!)
Jetzt mal bitte keine Schnappatmung kriegen, bei den klammen Kassen noch 205 Mio € ausgeben, ist schon ein Hammer an sich.
Es dürfte doch mal drüber nachgedacht werden, was das mit dem ganzen Pomp soll. Das ganze Gedöns mit den ausländischen Gästen mit einem Selbst- und Kostenbewussten zu zelebrieren, das hätte mal was.
Wo wurde der kasachische Präsident durch den Bundespräsidenten diese Woche am 29.9.2026 empfangen? Nein, nicht hier, im Verteidigungsministerium, im Bendlerblock. Dieser "angemessene" Interimsbau ist für die angemessenen Ehren und diplomatischen Gepflogenheiten eben nicht angemessen. Auch der Staatsempfang zuvor fand nicht hier statt, ...
Nur vor 2 Wochen fand die Botschafterakkreditierung im Interimsbau statt und zeigte selbst bei dem kleineren Zeremoniell die Unzulänglichkeit dieses Neubaus: der mikrige "Ehrenhof", eher eine Garagenvorfahrt, wirkt vollkommen peinlich, die Prozedur muss quasi halb auf der Straße stattfinden, dazwischen der nette Sicherheitszaun. Unwürdig hoch 10. Kein Wunder, dass bei den 50 Bildern dieses Artikels von dieser gebauten Peinlichkeit nichts zu sehen ist.
Repräsentation der Bundesrepublik ist die Aufgabe des Bundespräsidenten. Staatsgäste würdevoll empfangen. Und genau dies vermag dieses Gebäude nicht zu leisten. Thema verfehlt. 205 Millionen Euro, damit die Floristen eine schöne Aussicht genießen können. Wie angemessen.