Andalusische Dachlandschaft
Jugendzentrum bei Sevilla von Felipe Retuerto und Dunar Arquitectos
Eine schöne Idee: Mitten im dicht bebauten historischen Zentrum von Alcalá de Guadaíra, 20 Kilometer östlich von Sevilla, war die alte Markthalle überflüssig geworden, und statt die Parzelle meistbietend zu verkaufen, beschloss die Gemeinde, dort ein Jugendzentrum zu errichten. Den Entwurf entwickelten Felipe Retuerto (Sevilla) und Dunar Arquitectos (Mérida).
Die Architekt*innen machten sich dabei die Hanglage des Grundstücks zunutze und planten ein Gebäude, dessen für alle zugängliche Dachlandschaft unmittelbar auf die Topografie reagiert. Rampen, Treppen und Terrassen fügen sich zu einem zusammenhängenden öffentlichen Raum mit kleinen Pätzen. „Die Topografie“, schreiben Retuerto und Dunar, „ist hier für uns kein zu korrigierendes Hindernis, sondern wird zum ordnenden Instrument des Entwurfs. Das Gebäude beansprucht den städtischen Boden nicht einfach nur für sich, sondern rekonstruiert ihn und gibt ihn an die Stadt zurück.“
Im Süden befindet sich der höchste Punkt des Geländes. Hier entstand auf Straßenniveau ein begrünter und barrierefreier Platz. Nach Norden folgt die zweite, 4,20 Meter tiefer gelegene Stufe. Hier gibt es einen zweiten, von großen Glasfronten gerahmten Platz, hinter denen die Hauptbereiche des Jugendzentrums angeordnet sind. Die Glasflächen können bei Bedarf geöffnet werden, sodass die Aktivitäten im Inneren auch den Außenraum temporär beleben. Das dritte Gebäudeniveau folgt dann 7,90 Meter unterhalb des ersten. Es umfasst nach Norden einen Parkplatz, Zugänge und Lieferbereiche sowie alle technischen Räume.
Begrünte Rampen, Treppen und Aufzüge verbinden alle drei Ebenen. Wege kreuzen sich und ermöglichen verschiedene Routen mit diverse Ein- und Ausgängen. Ein Wasserspiel und Bepflanzungen unterstreichen den Charakter einer über mehrere Ebenen verteilten öffentlichen Grünfläche. Dazu kommt eine Tapas-Bar, die nach Süden zur Straße ins Bauprogramm integriert wurde.
Die Organisation im Inneren unterscheidet zwei Bereiche: Verwaltung, Nass- und IT-Räume sind fest definiert, aber Mehrzweck- und Eingangshalle, Musikräume und ein Theaterstudio können durch bewegliche Trennwände flexibel miteinander verbunden werden. Stahlbeton, viel Glas, Pflanzen und perforiertes Wellblech lassen das Gebäude zugleich als robuste städtische Infrastruktur erscheinen. (fh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Felipe Retuerto und Dunar Arquitectos
- TGA:
- Antonio Vallejo Lopez
- Statik und Tragwerk:
- Jica Andaluza
- Bauherrschaft:
- Excmo. Ayuntamiento de Alcala de Guadaira
- Fläche:
- 2.866 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 3.280.330 € Bruttobaukosten
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