Batterielabor in der Neckarspinnerei
Umnutzung in Wendlingen von Robi Wache Architekten
In der Neckarspinnerei im Wendlinger Stadtteil Unterboihingen produzierten Heinrich Otto & Söhne (HOS) von 1861 bis bis 2020 Garne. Nun will die zur HOS Gruppe gehörende HOS Projektentwicklung das verwaiste historische Gebäudeensemble zum Neckarspinnerei Quartier mit Raum für Wohnungen und Gewerbeflächen transformieren. Das Projekt soll im Rahmen der IBA’27 StadtRegion Stuttgart umgesetzt werden, 2023 wurde ein städtebauliches Werkstattverfahren entschieden.
Teil des Spinnereikomplexes ist auch der sogenannte Batteurbau, in dem früher Baumwollballen für den Spinnprozess vorbereitet wurden. In das 1904/05 nach Plänen von Philipp Jakob Manz errichtete zweigeschossige Gebäude zog bereits das Batterie-Start-up Batene ein. Für die moderne High-Tech-Nutzung wurde der Bestand nach Plänen von Robi Wache Architekten (Stuttgart) in enger Absprache mit der Denkmalpflege suffizient saniert und umgebaut.
Statt eine vollständige Generalsanierung durchzuführen, setzten sie ein Haus-in-Haus-Konzept um. In die bestehende Gebäudehülle stellten die Architekt*innen im Erdgeschoss eine transparente, rückbaubare Laborstruktur mit eigener Lüftungsanlage. Die historische Ziegelfassade mit Sprossenfenstern blieb dabei weitgehend unangetastet. So konnte man die Bauzeit kurz halten und Flexibilität für künftige Nutzungsänderungen schaffen.
Im Zuge des Projekts wurden unter anderem Stahlstützen im Erdgeschoss konstruktiv ertüchtigt, Wandoberflächen gereinigt, lose Bestandteile gesichert und ein neuer, schwimmend verlegter Industrieestrich mit Imprägnierung eingebracht. Brandschutzmaßnahmen setzten die Planer*innen minimalinvasiv um. Während das Erdgeschoss das Forschungslabor aufnimmt, entstand im Obergeschoss eine Werkstatt. Im Untergeschoss ist die Haustechnik untergebracht.
Vor dem Umbau nahmen Restaurator*innen eine umfassende Bestandsaufnahme vorhandener Bauteile ebenso wie eine Schadstoffanalyse und -beseitigung sowie eine Farbanalyse vor. Nicht tragfähige oder nicht mehr benötigte Bauteile ließen die Architekt*innen zurückbauen, darunter nachträglich hinzugefügte Rampen und nicht historische Installationen. Wo möglich, wurden Originalelemente behutsam instandgesetzt, restauratorisch aufgearbeitet oder zur späteren Wiederverwendung gesichert und eingelagert. (da)
- Fertigstellung:
- 2023
- Architektur:
- Robi Wache Architekten
- Projektteam:
- Robi Wache, Annkatrin Bueser, Elisabeth Wiest, Florian Dreisigacker
- Tragwerksplanung:
- Ingenieurbüro Rathgeb
- Prüfstatik:
- Gerhard Rothfuss
- Bauphysik:
- GN Bauphysik
- Brandschutz:
- Sigra Brandschutz
- HLS:
- Keppler + Kähn
- Elektro:
- Achim Eberhardt Elektroplanung
- Schadstoffgutachten:
- Intergeo Augsburg
- Restaurator Farbanalyse:
- Aedis
- Mineraloge:
- Michael Figgmeier
- Entwurf Laborplanung:
- Vincent Möller, Arthur Neznanow, Nicolás Gomez Herrera
- Bauherrschaft:
- HOS Projektentwicklung
- Fläche:
- 2.392 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 1.600.000 € Bruttokosten KG 300–700
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