Aufgestockt am Kalterer See
Unterkünfte für Mitarbeitende von Flaim Prünster Architekten
Am Kalterer See in Südtirol befinden sich zwei Anfang der 1970er Jahre entstandene, touristische Bauten von Othmar Barth. Das Werk des Brixener Architekten gilt als einflussreich für die Nachkriegsarchitektur der Region. Bekannter dürfte heute das Seehotel Ambach sein, das ganz für sich an der Nordwest-Ecke des Sees steht. Gegenüber am nordöstlichen Ufer, in Sankt Josef am See, liegt, eingebettet zwischen etlichen Feriennutzungen, die Badeanlage samt Restaurant Gretl am See. Den zugehörigen Umkleidetrakt stockten Flaim Prünster Architekten (Bozen) zuletzt mit Unterkünften für saisonale Mitarbeiter*innen der Gastronomie auf.
Beide Barth-Bauten, so der in Kaltern aufgewachsene Architekt Michael Obrist in der Bauwelt, seien in seiner Jugend als wichtige Orte aufgefasst worden. „Im Gretl hatte man immer das Gefühl von Aufbruch, Liberalität und Moderne. Es herrschte nicht das stickige Gefühl wie in den übrigen Kitsch-Strandbädern und Ausflugslokalen.“ Diese Wertschätzung würden auch die heutigen Besitzer*innen der Ferienanlage teilen, schreiben Flaim Prünster. Entsprechend wollten sie das grundsätzliche Gestaltungsprinzip Barths trotz des Umbaus erhalten.
Die Badeanlage mit direktem Zugang zum See und einem zusätzlichen Pool wird von Restaurant, kleinem Supermarkt und dem Umkleidetrakt gebildet. Letzterer grenzte die Liegewiese als eingeschossiger Baukörper von den Parkplätzen ab, was mit nunmehr zwei Etagen umso besser funktionieren dürfte. Während sich unten weiterhin Umkleidekabinen befinden, ließen die Architekt*innen das ehemals geneigte Dach abtragen, um ein neues Wohngeschoss über 450 Quadratmeter Fläche aufzusetzen.
Dabei führten sie die bestehende Struktur aus Stahlprofilen im neuen außenliegenden Tragwerk fort, hoben es farblich allerdings ab – unten schwarz, oben weiß. Die elf Studioeinheiten für die Mitarbeitenden setzen sich als gedämmte Holzkonstruktion mittig in die Stahlstruktur, beidseitig umgeben von Außenbereichen. Richtung Parkplatz findet sich ein Laubengang, eingehüllt von gelochtem Wellblech, dem Flaim Prünster eine textile Anmutung zuschreiben. Auf der Seeseite hingegen werden die Balkone unter dem auskragenden Dach tatsächlich mit Textil – in Form schräger Markisen – vor allzu viel Sonne geschützt.
Das Seehotel Ambach haben Flaim Prünster übrigens auch in ihrem Portfolio. Gemeinsam mit dem ortsansässigen Architekten Walter Angonese ergänzten sie es um eine Spa- und Wellnesslandschaft im Hotelgarten. Dass sich dieses Team gerne mit Werken italienischer Größen auseinandersetzt, zeigt zudem die Erweiterung der Casa Taberelli, dessen ursprüngliche Planung unter anderem Carlo Scarpa zugeschrieben wird. (mh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Flaim Prünster Architekten
- Team Architektur:
- Loris Clara, Roberto Zanini, Martino Stelzer
- Tragwerkplanung:
- Holzner & Bertagnolli
- Anlagenplanung:
- Ing. Carlini
- Fläche:
- 450 m² Geschossfläche



