Berlin vor der Wahl
Verbände fordern Kurswechsel in der Stadtentwicklung
Berlin vor der Wahl
Verbände fordern Kurswechsel in der Stadtentwicklung
Am 20. September sind Wahlen in Berlin. Aus diesem Anlass legten die Architektenkammer Berlin und der Berliner BDA sowie neun weitere Verbände der planenden Berufe ein Positionspapier vor, das es in sich hat. Es formuliert sehr konkrete Vorschläge, fordert einen fundamentalen Kurswechsel für die Stadtentwicklung und stellt indirekt eine unbequeme Frage an die Politik: Wie lange kann Berlin so noch weitermachen?
Noch 124 Tage sind es bis zur Wahl in Berlin. Elf Verbände der planenden Berufe, allen voran die Architektenkammer Berlin und der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA Berlin, nahmen dies zum Anlass, mehr Einsatz für Baukultur, Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum einzufordern. Dazu macht das Bündnis – hinter dem letztlich über 10.000 Mitglieder stehen – viele konkrete Vorschläge.
Planung ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe für diese Stadt.Eike Roswag-Klinge
Im Vergleich zum Positionspapier der Kammer zur Wahl 2021 haben diesmal nicht nur zehn weitere Berufsverbände mitunterzeichnet, der Ton klingt auch wesentlich ungeduldiger. Fast wirkt es so, als machten die Fachleute die Arbeit der Berliner Politik, als müssten sie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen auf die Sprünge helfen. Ziele aus dem Koalitionsvertrag übersetzen sie in Instrumente und Handlungen. Völlig zu Recht fordern sie, die anstehenden Maßnahmen auch in der Haushaltsplanung mit Zeitplänen und Zuständigkeiten zu hinterlegen.
Wer das zwölf Seiten umfassende Positionspapier „Berlin (weiter) bauen“ liest, wundert sich. Gibt es viele dieser Absichten nicht schon seit Jahren? Und sollten nicht etliche der Kernforderungen angesichts der Zielvorgabe Berlins, bis 2030 die CO2-Emissionen um 70 Prozent zu reduzieren, inzwischen eine Selbstverständlichkeit sein? Zum Beispiel eine Koordinierungsstelle zur Klimaanpassung, eine rechtlich bindende Vergabe landeseigener Grundstücke nur mit Klimakonzept oder die Berücksichtigung von Klimafolgekosten bei Vergabe- und Investitionsentscheidungen.
Wer das zwölf Seiten umfassende Positionspapier „Berlin (weiter) bauen“ liest, wundert sich. Gibt es viele dieser Absichten nicht schon seit Jahren? Und sollten nicht etliche der Kernforderungen angesichts der Zielvorgabe Berlins, bis 2030 die CO2-Emissionen um 70 Prozent zu reduzieren, inzwischen eine Selbstverständlichkeit sein? Zum Beispiel eine Koordinierungsstelle zur Klimaanpassung, eine rechtlich bindende Vergabe landeseigener Grundstücke nur mit Klimakonzept oder die Berücksichtigung von Klimafolgekosten bei Vergabe- und Investitionsentscheidungen.
Die Politik muss die entsprechenden stadtentwicklungspolitischen Weichen stellen.Laura-Fogarasi-Ludloff und Hans-Joachim Paap
Die Maßnahmenliste ist in fünf Themenkomplexe gegliedert und ziemlich lang. Beispielsweise soll das Land Abrissgenehmigungen einfordern statt Abrissanzeigen zur Kenntnis zu nehmen, Miet- und Wohnkataster einführen, leere Gewerbebauten für Wohnen nutzen und sich beim Bund dafür einsetzen, dass rezyklierte Baumaterialien von der Mehrwertsteuer befreit werden. Die Senatsbaudirektorin soll Beiräte international besetzen und ihren Rat befolgen, die Planungshoheit der Bezirke erhalten und stattdessen landesweite Ziele durch Vorgaben sichern. Und dann wären da noch der Ausbau der Fahrradinfrastruktur oder die Einführung der papierlosen Bauakte, um nur einige weitere Punkte zu nennen.
„Planung ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe für diese Stadt“, betont der Präsident der Architektenkammer Berlin Eike Roswag-Klinge. Und die Vorsitzenden des BDA Berlin Laura Fogarasi-Ludloff und Hans-Joachim Paap verweisen auf das kreative Potenzial der Fachleute, das intensiver genutzt werden sollte als bisher: „Wir stehen bereit, die Bauwende voranzubringen und am Umbau Berlins zu einer nachhaltigen, sozial ausgewogenen und lebenswerten Metropole mitzuwirken. Die Politik muss die entsprechenden stadtentwicklungspolitischen Weichen stellen“. Deutlicher, konstruktiver und geschlossener kann man nicht auftreten.
„Planung ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe für diese Stadt“, betont der Präsident der Architektenkammer Berlin Eike Roswag-Klinge. Und die Vorsitzenden des BDA Berlin Laura Fogarasi-Ludloff und Hans-Joachim Paap verweisen auf das kreative Potenzial der Fachleute, das intensiver genutzt werden sollte als bisher: „Wir stehen bereit, die Bauwende voranzubringen und am Umbau Berlins zu einer nachhaltigen, sozial ausgewogenen und lebenswerten Metropole mitzuwirken. Die Politik muss die entsprechenden stadtentwicklungspolitischen Weichen stellen“. Deutlicher, konstruktiver und geschlossener kann man nicht auftreten.
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Erstmal hat der IPCC gar nichts "relativiert", sondern nur festgestellt, dass wir aktuell tollerweise nicht auf 5° weltweite Erwärmung zusteuern (was einen unbewohnbaren Planeten bedeuten würde), sondern nur noch auf durchschnittlich 3° Erwärmung, was in Deutschland immerhin noch katastrophale 7° Erwärmung mit sich brächte und immer noch ein weitgehend unbewohnbares Umfeld mit zwangsläufig Kriegen, Hunger in der Mittelschicht, Massenaussterben von Tieren, Massenabsterben von Wald etc bedeuten würde. Also, lieber Hans-J., entweder mal genauer in den Bericht (oder Spiegel) schauen oder die eigenen Kinder und Enkelkinder einfach weiter gründlich hassen.
Wirklich entlarvend finde ich aber diesen Satz von dir: "Vielleicht sollten sich die selbsternannten "Fachleute" vergegenwärtigen, dass nicht alle Berliner in einer "nachhaltigen, sozial ausgewogenen und lebenswerten Metropole" leben wollen."
Da brauche ich nicht viel zu zu sagen. Schade, dass dir das Wohl der anderen am Ar*** vorbei geht. Jeder nur für sich, das gab es in der Steinzeit auch. Bringt uns nicht weiter. Und wenn du so unbedingt in einer nicht-nachhaltigen Stadt leben willst, in der es nur den Eliten gut geht, (oder nicht mal denen? schließlich soll sie, wenn es nach dir geht, ja nicht mal "lebenswert" sein), dann mach doch einfach weiter wie bisher, aber lass uns mit deiner Weisheit in Ruhe.
Mag sein, dass Deutschlands Anteil an den Gesamtemissionen gering ist, aber zum Glück sind wir ja nicht die Einzigen, die zunehmend mehr günstigen und vor allem unabhängige Energie produzieren.
Davon abgesehen, würde mich interessieren, wie denn die Stadt sein soll, wenn nicht "nachhaltigen, sozial ausgewogenen und lebenswert" (um die "Metropole" kann man ja streiten...). Dreckig, unsozial und lebensunwürdig? Das freut auch den Dahlemer Villenbesitzer nicht.
Werfen Sie doch mal einen Blick in das Papier. Zuallererst wird dort Baukultur gefordert. Schwammig, aber doch der Kern unseres Schaffens! Und dann wird sogar eingestanden, dass Großereignisse wie Olympische Spiele wichtige Impulse dafür geben können. Dieses Papier kommt bestimmt nicht aus dem Kreuzberger Hinterhof...
PS: Was treibt Sie eigentlich dazu, mit Begriffen wie "DDR 3.0" oder "selbsternannte "Fachleute"" unsere Berufsverbände zu diskreditieren? Das sind wirklich Leute ihres Fachs. Der Präsident der Architektenkammer führt ein Büro, das sehr weit vorn mitspielt, wenn es um zukunftsfähiges Bauen geht. Sie dürfen sich dort gerne etwas abschauen.
Propagiert werden in Sozialismus (den es von 1949 bis 1989 teilweise gab und dessen Auswirkungen auf den Immobilienbestand katastrophal waren), dirigistische Planwirtschaft und eine weitere Regulierung mit noch mehr Staatsquote als eine Art DDR 3.0, nur diesmal aber ohne Fluchtoption in den "Westen".
Vielleicht sollten sich die selbsternannten "Fachleute" vergegenwärtigen, dass nicht alle Berliner in einer "nachhaltigen, sozial ausgewogenen und lebenswerten Metropole" leben wollen (von der es jenseits von Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg sehr unterschiedliche Vorstellungen geben dürfte die in der zu vermutenden Filterblase nicht repräsentiert sein dürften) und die auch keine Lösung für das Gros der Menschen in Deutschland darstellen das nicht in Städten wohnt?
Hilfreich und sehr wünschenswert wäre in jedem Fall, Berlin vom Länderfinanzausgleichstropf zu nehmen um eine weitere auf realitätsferne basierende, mentale und tatsächliche Wohlstandsverwahrlosung zu therapieren.