Von der Refektoriumsruine zum Institutsgebäude
Wiederaufbau von leb idris architektur in Graz
Das Sommerrefektorium der Jesuiten am Grazer Rosenhain entstand im 17. Jahrhundert als Rückzugs- und Erholungsort des Ordens. Nach jahrzehntelangem Verfall, bedingt durch Witterungseinflüsse und einen Brand, war von dem barocken Bau zuletzt lediglich eine ruinöse Hülle ohne Dach übrig. Im Zuge eines von leb idris architektur (Graz) geplanten Sanierungs- und Umbauprojekts wurde die historische Substanz in das Institut für Bewegungswissenschaften transformiert und in das „Sport-Cluster Rosenhain“ der Universität Graz integriert.
Den Ausgangspunkt der Maßnahme bildete die Wiederherstellung der ursprünglichen Kubatur. Die äußere Erscheinung des Gebäudes wird durch eine reduzierte Material- und Farbpalette bestimmt. Neu errichtete Giebelwände und Arkaden wurden in Isolationsbeton ausgeführt und die Bestandsmauern gereinigt, stabilisiert und ergänzt. Ein internes Tragskelett übernimmt die Lasten aus Umbau und Aufstockung und ermöglicht es, statisch erforderliche Verstärkungen im äußeren Erscheinungsbild zu verbergen. Zement und Schlemme schützen das instand gesetzte Mauerwerk und führen mit der metallischen Dachdeckung zu einem homogenen Gesamtbild.
Auf einer Bruttogeschossfläche von 2.334 Quadratmetern sind die Funktionen klar gegliedert: Innerhalb der historischen Mauern befinden sich die öffentlichen Bereiche, während die Büroflächen in dem neu errichteten, zweigeschossigen Dachaufbau untergebracht sind. Das Erdgeschoss nimmt einen Hörsaal, ein Foyer mit erhaltenen Gewölbestrukturen sowie einen Mehrzweckraum in der ehemaligen Küche auf. Das Obergeschoss beherbergt Seminarräume sowie einen Prüfungsraum, Büroräume und Sanitäranlagen. Die darüberliegenden Geschosse sind als Büroebenen organisiert und über einen Mittelgang erschlossen. Im Dachgeschoss ermöglicht ein offener Grundriss mit integrierten Besprechungs- und Nebenräumen eine flexible Nutzung des Giebelraums.
Die Freianlagen wurden im Zuge des Projekts von zwoPK Landschaftsarchitektur (Wien) neu geordnet und in das Naherholungsgebiet integriert. Eine auf die historische Nutzung durch die Jesuiten und die aufgeforstete Lichtung Bezug nehmende Bepflanzung geht in den umgebenden Wald über. Der Trinkbrunnen auf dem Vorplatz bildet eine Referenz zum historischen Brunnen, und auch das historische Entwässerungssystem wurde reaktiviert und angepasst, sodass Oberflächen- und Hangwässer wieder in die Rosenhainteiche geleitet werden. (iok)
- Fertigestellung:
- 2025
- Architektur:
- leb idris architektur (Graz)
- Mitarbeit:
- Klemens Altmann, Marianne Machner, Daniel Neubauer
- Landschaftsarchitektur:
- zwoPK Landschaftsarchitektur (Wien)
- Statik:
- IKK Group (Graz)
- Bauherrschaft:
- Universität Graz
- Fläche:
- 2.334 m² Bruttogeschossfläche
- Baukosten:
- 13.330.000 €
Gab es den Vorgänger dieses Arkadengangs mal an gleicher Stelle, oder ist er eine neue Ergänzung, der "die ursprüngliche Kubatur" mit Krüppelwalmdach großskaliert? Falls es diesen Arkadengang mal gab, bis wann gab es ihn und hatte er tatsächlich auch Arkaden, kommt da also die Inspiration für die Neubau-Bogenfenster her?