Wiener Mischung
Wohnungsbau von feld72 und einszueins
Gut gemischt ist halb gewonnen. Im dritten Wiener Bezirk steht seit 2025 ein Wohnungsbau, der sich diesen Spruch zu eigen gemacht hat. Wohnungen und Gewerberäume für eine Baugruppe zusammen mit geförderten Mietwohnungen, einem Kindergarten und einer SOS-Kinderdorf-WG – all das haben die beiden lokalen Büros feld72 Architekten und einszueins architektur in einem Holz-Hybrid-Bau namens Vis-à-Vis untergrebracht.
Das eigentliche Sprichwort, „frisch gewagt ist halb gewonnen“ gilt wiederum für die Baugruppe dahinter: Vis-à-Wien hatten sich bereits 2018 formiert und bald darauf das Grundstück im Stadtentwicklungsgebiet Village im Dritten ins Auge gefasst – und ebenso, dass sie in Holz bauen wollen. Wie die Gruppe auf ihrer Website berichtet, wartete sie im Prinzip nur noch auf den (zweistufigen) Bauträgerwettbewerb, der 2020 kam. Gemeinsam mit feld72, einzueins, realitylab und dem gemeinnützigen Bauträger Schwarzatal gewannen sie.
„Die Baugruppe liefert die inhaltliche Orientierung. Wir strukturieren den Prozess“, erklärt Sebastian Pernegger von einszueins. Die Leitidee der Gruppe lautete dabei „Auf Augenhöhe mit Mensch, Stadt und Umwelt“. Idealismus allein kommt aber freilich nicht gegen Kostendruck an. Deshalb setzte man auf multiplizierbare Grundrisstypen zwischen 45 und 100 Quadratmetern, einheitliche Wand- und Schachtpositionen sowie reproduzierbare Wandaufbauten.
Ursprünglich sei ein reiner Brettsperrholzbau geplant gewesen, sagte Pernegger gegenüber holzbauaustria. Speziell im geförderten Wohnbau war das allerdings wirtschaftlich nicht tragbar. Stattdessen gibt es nun unten einen Betonsockel, oben Holzriegelwände, Massivholzstützen und teils aussteifende Betonwände. Die Decken sind in Brettsperrholz und als Holz-Beton-Verbund ausgeführt, die Laubengänge und Balkone bestehen wiederum aus Stahlbeton. Die Holzbauweise habe zwar zu circa 10 Prozent Mehrkosten geführt, dafür aber rund 40 Prozent CO2 eingespart, so feld72.
In Sachen Brandschutz hat Pernegger überraschende Nachrichten für all diejenigen, die sich hierzulande von den Bauvorschriften gegängelt sehen. In Österreich ist Holzbau über sechs Geschossen schwierig. Für die Umsetzung der bis zu achtgeschossigen Baukörper verwies man daher in der Planung auf deutsche Vorschriften! Für die Gewährleistung des Brandschutzes im Projekt Vis-à-Vis sei eine raumseitige Vorsatzschale der Schlüssel gewesen. Um die Baustellenlogistik zudem effizient zu halten, ließen die Architekt*innen die Holzbauelemente industriell vorfertigen. Decken und Wände kamen weitgehend endbearbeitet mit eingebauten Fenstern, Sonnenschutz und Fassadenflächen auf den Bau.
Gestalterische Langeweile kommt dabei nicht auf. Dafür sorgen unter anderem die differenzierten Fassaden an Außen- und Hofseite der Volumen, die ein verzogenes U bilden. Die Baugruppe mit 44 Wohnungen liegt im nördlichen Riegel, die 64 geförderten Einheiten im Ost- und Westflügel. Der gezackte Laubengang läuft an zwei Seiten um den tiefergelegten Innenhof, der vom viergruppigen Kindergarten genutzt wird und in Zusammenarbeit mit Carla Lo (Wien) gestaltet ist.
Die 500 Quadratmeter Gewerberäume im Sockel bespielt die Baugruppe zum Teil selbst. Dazu gehört etwa ein Multifunktionsraum und eine sogenannte Grätzlküche (Kiezküche). Zudem gibt es ein Eltern-Kind-Kompetenzzentrum. Außer dem Hof ist auch das Dach samt Terrasse begrünt. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- feld72 Architekten, einszueins architektur
- Team Architektur:
- Vanessa Anibas, Elias Galli, Sebastian Gremmelspacher, Anna Kapranova, Thomas Marian, Magdalena Maurer, Michael Mulavka, Peter Szilagyi, Georg Tran
- Landschaftsarchitektur:
- Carla Lo
- Statik:
- Dorr – Schober & Partner
- Brandschutz:
- Röhrer
- Interdisziplinäre Projektbegleitung:
- realitylab
- Cultural engineering:
- Schattovits
- Bauherrshcaft:
- SCHWARZATAL
- Fläche:
- 13.290 m² Bruttogrundfläche





Vielleicht täusche ich mich, aber habe den Eindruck, dass der Wohn-Essbereich für 5 Personen im Vergleich zu den Zimmern recht klein wirkt.
Aber irgendwie muss die Miete ja auch bezahlbar bleiben...