120 Millionen für Kulturbauten
Zu Wolfram Weimers Investitionsprogramm
120 Millionen für Kulturbauten
Zu Wolfram Weimers Investitionsprogramm
Staatsminister Wolfram Weimer will 120 Millionen Euro in Deutschlands Kulturbauten investieren. 35 davon wurden vergangenen Montag in einer ersten Förderrunde verteilt. Welche Kriterien an einen Antrag geknüpft sind, welche Projekte ausgewählt wurden und was die Förderung mit verhältnismäßig geringer Summe bringen kann – unser Autor ordnet ein.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos, für CDU/CSU) steht unter erheblichem Profilierungsdruck. Vorallem, nachdem er von ihm als „links“ betrachteten Buchhandlungen die von einer unabhängigen Jury zugesprochenen Förderpreise verwehrte. Oder der Deutschen Nationalbibliothek wider allen Rates der Fachwelt den dringend notwendigen Neubau streichen wollte. Und in der Debatte darüber im Nebensatz – ein Horror gerade für Konservative – die künftige Bedeutung des Sammelns gedruckter Bücher in Frage stellte.
Kurz, der Mann brauchte einen Erholungstermin. Und was erholt mehr und demonstriert zugleich unmissverständlich, wer die Macht besitzt – das haben seine beiden Vorgängerinnen Monika Grütters und Claudia Roth mit Lust inszeniert – als das Verteilen von Baugeld? Zumal Weimer, ein weitgehend in all den Skandalen und Skandälchen untergegangener Erfolg, im Baubereich durchaus etwas vorzuweisen hat: Das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes erhält statt 35 nun 50 Millionen Euro. Auch verpflichtete sich der Bundestag, einige „überjährige Kulturbauprojekte“ wie die Sanierung und Erweiterung der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel oder die Instandhaltung der Gedenkstätten in Bergen-Belsen, Dachau und Neuengamme finanziell abzusichern.
Für die Inititative „KulturInvest“ hat Weimer dem Bundestag 120 Millionen zusätzlich abverhandelt. Am Montagabend wurden im Bundeskanzleramt 35 Millionen davon verteilt: „Wir starten eine Kulturbauten-Initiative in dieser Legislatur und wollen Deutschlands Kulturbauten von Nord bis Süd zum Leuchten bringen“, sagte Weimer. Und er betonte: „Der Kulturetat steigt um 10 Prozent. Wir sind neben dem Verteidigungshaushalt das Ressort mit dem größten Zuwachs. Das ist ungewöhnlich, aber das ist auch ein gutes Signal.“
Die an die Antragsstellung geknüpften Kriterien sind erst einmal nicht leicht zu erfüllen: Nationale Bedeutung, gesellschaftliche Relevanz – nachzuweisen durch Bürgerinitiativen und Einbindung in kommunale Entscheidungswege – und funktionale Sinnhaftigkeit – zu prüfen von den Landeskulturministern. Dann erst entscheidet – nein, nicht der Kulturstaatsminister, sondern der Haushaltsausschuss des Bundestags. Damit allen kulturföderalen Einsprüchen zum Trotz eben die „nationale Bedeutung“ gesichert bleibt. Wobei, in dieser Förderrunde genügt diesem Maßstab eigentlich nur eines der beglückten Projekte: die Sanierung des von Egon Eiermann entworfenen, inzwischen in seiner feinteiligen Betonwabenarchitektur schwer angeschlagenen Turms der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Zweifellos ein Monument der bundesdeutschen Erinnerungskultur, der Konkurrenzen um sie im Kalten Krieg, der Nachkriegsarchitektur. Sieben Millionen gehen dorthin.
Immerhin von deutlich überregionaler Bedeutung: Die Sanierung und Neueinrichtung des Museums Hamburgische Geschichte, eines der wichtigsten Museumsbauten des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die mittelalterliche Anlage des OIKOS Katharinenspital Regensburg (Bayern), auch ihres Archivs wegen berühmt, soll weiter als sozialer Treffpunkt und Wohnort für alte Menschen ausgebaut werden. Die Internationale Festivallandschaft Leipzig (Sachsen) erhält Bundesgeld für die Sanierung und Modernisierung ihres Festivalhauses sowie des seit Jahren laufenden, von einer grandios rürigen Künstler*inneninitiative getragenen Ausbaus der Schaubühne Lindenfels/Schau30.
Eher regional bis lokal dagegen, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: die dringende Sanierung des durch seine Sammlung von Fachwerkbauten berühmten Museums im niedersächsischen Cloppenburg. Die Ertüchtigung eines mühsam von einer Bürgerinitiative vor der Beschädigung und Zerstörung geretteten alten Kasinogebäudes im hessischen Melsungen. Sowie die mit einer Million Euro unterstützte Einrichtung einer historischen Kirche in Anklam für das Otto-Lilienthal-Museum –interessant auch infolge der Nachnutzung eines Gebäudetyps, von dem in den nächsten Jahren voraussichtlich wortwörtlich zehntausende auf den Markt kommen werden.
Angesichts aktueller Baukostensteigerungen sind die 120 Millionen auf den ersten Blick keine wirklich relevante Summe. Allerdings müssen die bewilligten Gelder immer mit einer noch einmal so großen Summe der Gemeinden und der Bundesländer hinterfüttert werden. Und dann kommt doch einiges zusammen – wenn auch der Vergleich etwa mit den Skandalkosten für den vom Bundestag aktuell mit etwa einer halben Milliarde finanzierten Neubau des Museums der Moderne / berlin modern in Berlin beschämt. Aber in Anklam sind insgesamt zwei Millionen für das Lilienthal-Museum eben genau die Summe, die es braucht, damit die zu DDR-Zeiten entstandene Gedenkstätte neu gestaltet und der Kirchenbau gerettet werden kann. Dennoch sollte nicht vergessen werden: Es wird noch unendlich viel mehr Investitionen brauchen, bis die katastrophalen Folgen von einem Vierteljahrhundert deutschem Kult um die „Schwarze Null“ und dem daraus folgenden Instandhaltungsstau behoben sind.
Ob das Geld das schwer angeschlagene Verhältnis zwischen dem Kulturstaatsminister und der Kulturwelt reparieren hilft, darf zumindest gefragt werden. Zumal er selbst diesen Termin nicht ohne populistisch-konservative Töne hinter sich bringen konnte: „Da sind andere Nationen manchmal besser. Der amerikanische Präsident behauptet, sie hätten die Fliegerei erfunden und sie hätten das Telefon erfunden. Dabei waren es in beiden Fällen Deutsche. Und wenn man das über Kulturbauten sichtbar macht, dann halte ich das für eine gute Sache“. Erstens hat Trump schlichtweg recht:Die Fliegerei im Sinne von „wir steigen auf und kommen kontrolliert wieder runter“ erreichten 1903 erstmals die US-amerikanischen Gebrüder Wright, und das erste Patent für die kabelgebundene Telefonie reichte 1875 Graham Bell ein. Es tut dem Ruhm Otto Lilienthals und Philipp Reis’ keinen Abbruch, so etwas anzuerkennen. Und zweitens: Die Instandhaltung von Kulturbauten ist sinnvoll. Auch wenn diese keine nationalpatriotische Botschaft verkünden können.
Kurz, der Mann brauchte einen Erholungstermin. Und was erholt mehr und demonstriert zugleich unmissverständlich, wer die Macht besitzt – das haben seine beiden Vorgängerinnen Monika Grütters und Claudia Roth mit Lust inszeniert – als das Verteilen von Baugeld? Zumal Weimer, ein weitgehend in all den Skandalen und Skandälchen untergegangener Erfolg, im Baubereich durchaus etwas vorzuweisen hat: Das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes erhält statt 35 nun 50 Millionen Euro. Auch verpflichtete sich der Bundestag, einige „überjährige Kulturbauprojekte“ wie die Sanierung und Erweiterung der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel oder die Instandhaltung der Gedenkstätten in Bergen-Belsen, Dachau und Neuengamme finanziell abzusichern.
Für die Inititative „KulturInvest“ hat Weimer dem Bundestag 120 Millionen zusätzlich abverhandelt. Am Montagabend wurden im Bundeskanzleramt 35 Millionen davon verteilt: „Wir starten eine Kulturbauten-Initiative in dieser Legislatur und wollen Deutschlands Kulturbauten von Nord bis Süd zum Leuchten bringen“, sagte Weimer. Und er betonte: „Der Kulturetat steigt um 10 Prozent. Wir sind neben dem Verteidigungshaushalt das Ressort mit dem größten Zuwachs. Das ist ungewöhnlich, aber das ist auch ein gutes Signal.“
Die an die Antragsstellung geknüpften Kriterien sind erst einmal nicht leicht zu erfüllen: Nationale Bedeutung, gesellschaftliche Relevanz – nachzuweisen durch Bürgerinitiativen und Einbindung in kommunale Entscheidungswege – und funktionale Sinnhaftigkeit – zu prüfen von den Landeskulturministern. Dann erst entscheidet – nein, nicht der Kulturstaatsminister, sondern der Haushaltsausschuss des Bundestags. Damit allen kulturföderalen Einsprüchen zum Trotz eben die „nationale Bedeutung“ gesichert bleibt. Wobei, in dieser Förderrunde genügt diesem Maßstab eigentlich nur eines der beglückten Projekte: die Sanierung des von Egon Eiermann entworfenen, inzwischen in seiner feinteiligen Betonwabenarchitektur schwer angeschlagenen Turms der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Zweifellos ein Monument der bundesdeutschen Erinnerungskultur, der Konkurrenzen um sie im Kalten Krieg, der Nachkriegsarchitektur. Sieben Millionen gehen dorthin.
Immerhin von deutlich überregionaler Bedeutung: Die Sanierung und Neueinrichtung des Museums Hamburgische Geschichte, eines der wichtigsten Museumsbauten des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die mittelalterliche Anlage des OIKOS Katharinenspital Regensburg (Bayern), auch ihres Archivs wegen berühmt, soll weiter als sozialer Treffpunkt und Wohnort für alte Menschen ausgebaut werden. Die Internationale Festivallandschaft Leipzig (Sachsen) erhält Bundesgeld für die Sanierung und Modernisierung ihres Festivalhauses sowie des seit Jahren laufenden, von einer grandios rürigen Künstler*inneninitiative getragenen Ausbaus der Schaubühne Lindenfels/Schau30.
Eher regional bis lokal dagegen, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: die dringende Sanierung des durch seine Sammlung von Fachwerkbauten berühmten Museums im niedersächsischen Cloppenburg. Die Ertüchtigung eines mühsam von einer Bürgerinitiative vor der Beschädigung und Zerstörung geretteten alten Kasinogebäudes im hessischen Melsungen. Sowie die mit einer Million Euro unterstützte Einrichtung einer historischen Kirche in Anklam für das Otto-Lilienthal-Museum –interessant auch infolge der Nachnutzung eines Gebäudetyps, von dem in den nächsten Jahren voraussichtlich wortwörtlich zehntausende auf den Markt kommen werden.
Angesichts aktueller Baukostensteigerungen sind die 120 Millionen auf den ersten Blick keine wirklich relevante Summe. Allerdings müssen die bewilligten Gelder immer mit einer noch einmal so großen Summe der Gemeinden und der Bundesländer hinterfüttert werden. Und dann kommt doch einiges zusammen – wenn auch der Vergleich etwa mit den Skandalkosten für den vom Bundestag aktuell mit etwa einer halben Milliarde finanzierten Neubau des Museums der Moderne / berlin modern in Berlin beschämt. Aber in Anklam sind insgesamt zwei Millionen für das Lilienthal-Museum eben genau die Summe, die es braucht, damit die zu DDR-Zeiten entstandene Gedenkstätte neu gestaltet und der Kirchenbau gerettet werden kann. Dennoch sollte nicht vergessen werden: Es wird noch unendlich viel mehr Investitionen brauchen, bis die katastrophalen Folgen von einem Vierteljahrhundert deutschem Kult um die „Schwarze Null“ und dem daraus folgenden Instandhaltungsstau behoben sind.
Ob das Geld das schwer angeschlagene Verhältnis zwischen dem Kulturstaatsminister und der Kulturwelt reparieren hilft, darf zumindest gefragt werden. Zumal er selbst diesen Termin nicht ohne populistisch-konservative Töne hinter sich bringen konnte: „Da sind andere Nationen manchmal besser. Der amerikanische Präsident behauptet, sie hätten die Fliegerei erfunden und sie hätten das Telefon erfunden. Dabei waren es in beiden Fällen Deutsche. Und wenn man das über Kulturbauten sichtbar macht, dann halte ich das für eine gute Sache“. Erstens hat Trump schlichtweg recht:Die Fliegerei im Sinne von „wir steigen auf und kommen kontrolliert wieder runter“ erreichten 1903 erstmals die US-amerikanischen Gebrüder Wright, und das erste Patent für die kabelgebundene Telefonie reichte 1875 Graham Bell ein. Es tut dem Ruhm Otto Lilienthals und Philipp Reis’ keinen Abbruch, so etwas anzuerkennen. Und zweitens: Die Instandhaltung von Kulturbauten ist sinnvoll. Auch wenn diese keine nationalpatriotische Botschaft verkünden können.
Bau- und Berufspolitik
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reto
Ich betrachte die Situation aus dem ländlichen Raum einer abgelegenen Gegend, die nicht zufällig an München oder Berlin grenzt. Randlage. Daher bin ich sicher - zumindest zeigt das die Erfahrung der Vergangenheit - das hier genau nichts ankommt. NICHTS! 120 Millionen sind lächerlich. Dafür gib es nicht mal ein Viertel Kunstmuseum in Berlin und nicht mal 5% einer Elbphilharmonie. Für so eine Summe lohnt es nicht mal die Gießkanne aus dem Schuppen zu holen, geschweige denn sie zu benutzen.
ebenso ein architekt
120 Millionen für KulturbautEN, das klingt wie der Tropfen auf dem heißen ...
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